von am 17. Januar 2013

Antwort auf Wirtschaftskrise und Umweltkollaps: Organisationen wie das Kulturlabor Trial & Error zeigen mit alternativen Ansätzen, wie ein konsumfreies und umweltfreundliches Leben möglich ist. Zu Besuch im Kleidertauschladen Jacke wie Hose.

Der kleine Laden in der Mareschstraße 10 ist gut gefüllt. In verschiedensten Sprachen tauschen sich Besucher über die aufgehängten und gestapelten Kleidungsstücke aus und probieren diese an. Doch was zunächst wie ein gewöhnliches Kleidungsgeschäft klingt, basiert in Wirklichkeit auf einem völlig anderen Konzept: Denn wer hierhin kommt, muss für seine Kleidung nicht zahlen, sondern kann diese ganz einfach mitnehmen. Wer möchte, kann dafür eigene alte Kleidungsstücke hier abgeben. Aber auch das ist kein Muss. Denn grundsätzlich soll sich jeder im Jacke wie Hose frei fühlen, soviel zu nehmen wie er mag.

Geschäftsmodell ohne Geschäft

„Besser, die Leute nehmen die Kleidung hier mit, als dass sie weggeworfen wird“, sagt Elena, eine der Mithelferinnen im Kleidertauschladen. Sie kommt aus Italien und ist seit der Eröffnung im Mai 2012 dabei. Ehrenamtlich wie alle anderen auch. Das Ziel des Tauschladens ist „Menschen zu zeigen, dass man für Güter, die man zum Leben braucht, nicht zwangsläufig zahlen muss“, erklärt Elena. Dies soll im Jacke wie Hose am Beispiel Kleidung gezeigt werden. Denn auch ohne Geld kann man hier neue Kleidungsstücke bekommen. Ein Geschäftsmodell ganz ohne Geschäft.

Ermöglicht wird dieses vor allem dadurch, dass für die Räumlichkeiten keine gesonderte Miete gezahlt werden muss. Denn das Ladenlokal ist Teil einer WG, die diesen Raum extra freigelassen hat, um einen derartigen Laden einrichten zu können.

Hinter dem Projekt steht das Berliner Kulturlabor Trial & Error. Die Non-profit-Organisation versucht mit ihren Workshops und Projekten zu zeigen, welche nachhaltigen Alternativen zum derzeitigen Gesellschafts- und Wirtschafts-system bestehen. Von großer Bedeutung ist dabei beispielsweise das Cradle to Cradle-Prinzip von Stoffkreisläufen: Dieser Ansatz geht davon aus, dass Systeme, um nachhaltig zu sein, ressourcenschonend sein müssen und keinen Müll erzeugen dürfen. Um dies zu erreichen, sollen Produkte und Stoffe stets wieder oder neu verwendet werden. Zusammengefasst auch Upcycling gennant.

Nähen im WG-Zimmer

Jenes Upcycling findet auch im Kleidertauschladen statt. So stehen in einem der WG-Zimmer Nähmaschinen bereit, mit denen die Besucher ihre Kleidung flicken, umnähen und verschönern können. Ein Angebot, dass die Besucher gerne wahrnehmen: „Kann man die heute benutzen?“, fragt etwa eine junge Schwedin, als sie die Maschinen sieht. Ihr Freund ist ebenfalls sehr angetan vom Tauschladen: „Ich habe auch Sachen gefunden. Normalerweise finde ich nie etwas, aber hier schon“. Und die beiden sind nicht die einzigen im Laden, die der erste Besuch im Jacke wie Hose überzeugt hat: „Es ist toll, wie man aus ganz wenig etwas Besonderes machen kann“, findet beispielsweise Helga, eine Frau mittleren Alters, für die vor allem die „Idee des Teilens“ das Schöne an diesem Laden ist.

Solche Aussagen zeigen, wie gut das Projekt ankommt und freuen natürlich auch Elena, die glaubt, „dass wir so im Kleinen Sachen verändern können“. So schaffen sie „ein Beispiel dafür, dass ein ökologisches Leben mit wenig Geld möglich ist“.

Kleidertauschladen „Jacke wie Hose“
Mareschstraße 10, 12055 Berlin-Neukölln
Immer donnerstags von 15 – 20 Uhr geöffnet

 

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