von am 20. Mai 2015

Versteckt im Hinterhof der Karl-Marx-Straße 135 liegt das erste und einzige Puppentheater-Museum Berlins. Wir haben die Besitzer Brigitte und Nikolaus Hein besucht und dabei so manch „tanzenden Hut“ bestaunt.

Die Puppenspieler Brigitte und Nikolaus Hein haben in einem ehemaligen Atelier ein wahres Erlebnisreich geschaffen. 1995 fand hier das bis dahin mobile Theater einen festen Unterschlupf und ist seither nicht nur ein Ort des Erlebens für Kinder und Erwachsene, sondern auch einer der Kommunikation und des sozialen Austauschs.

Vom mobilen Theater zum lokalen Museum

Seit 1986 war das fahrende Museum in ganz Europa auf Puppenspielerwochen, Tagungen und Festivals unterwegs. Gereist wurde mit dem LKW, der mit allerlei Zubehör, freien Mitarbeitern und Puppenspielern beladen war. Mit im Handgepäck war stets der Wunsch nach den eigenen vier Wänden, um neue Ideen besser verwirklichen zu können. Hier befinden sich die beiden Inhaber jetzt und ihre Augen strahlen um die Wette, wenn sie von ihrer sagenhaften 20.000 Exponate umfassenden Sammlung, den Führungen durch das Museum und den Puppenbau- und Improvisationsworkshops berichten.

Besondere Erwähnung verdienen die speziellen Kinderveranstaltungen, wie die Taschenlampenführung (für Besucher ab 8 Jahre, mit starken Nerven), die jeden Freitag angeboten wird und der Kindernachmittag am Sonntag, um den Wonneproppen und Naseweisen (und den Erwachsenen) das Figurentheater näher zu bringen. Der Bezirk Neukölln war so begeistert von diesem „unermesslichen Engagement“, dass dieser seit dem Jahr 2000 die Miete für das Museum übernimmt.

Vom Marktplatz auf die große Bühne des Lebens

Die Meinungen über die historische Einordnung des Puppentheaters gehen weit auseinander. Sicher ist, dass es immer eine soziale Funktion erfüllt hat. Bereits vor unserer Zeitrechnung versuchten Priester, die Gläubigen mit beweglichen Figuren zu beeindrucken. Nach und nach entwickelte sich das Puppentheater zu einem Sprachrohr der Volksmeinung. Puppenspieler brachten die Geschic

hten der Großstadt auf die Marktplätze der Provinz und den Einwohnern nahe.

Politische und gesellschaftliche Veränderungen spiegelten sich in erdachten Marionetten-Stücken wider, auch von so namenhaften Literaten wie Arthur Schnitzler oder Joseph von Eichendorff. Oft dienten sie als Vorlage für deren große Werke. Das Bekannteste unter ihnen: Der „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand das Kinderpuppentheater, so wie wir es heute kennen.

Neben Marionetten, von handklein bis überlebensgroß, treten Hand-, Strumpf-, Stab- und Stockpuppen oder Masken mit Kostümen zum selber „reinschlüpfen“ auf. Schatten- und mechanische Figuren spielen in Märchen- und künstlerischen Darbietungen mit.

Vom Tanzen und Staunen

Der passionierte Sammler Hein lässt seine Puppen im hauseigenen „Puppentheater Saal“ hoch oben in der Decke über dem Ausstellungsraum des Museums tanzen. Zusammen mit seiner Frau Brigitte erweckt dort das Team einen „tanzenden Hut“, „Die Hummel Lulu“, „Das Schwein Evelyn“ oder die gute alte „Frau Holle“ zum Leben.

Unten wechseln in den ordentlich beschrifteten Vitrinen des Ausstellungsraums halbjährlich die Bewohner: Derzeit gibt es unter anderem Marionetten aus einer Faust-Inszenierung, lebensgroße betuchte und beperlte Damen des spanischen Künstlers Alejandro Corral und eine Reihe Kasperles aus verschiedenen Jahrhunderten zu bestaunen.

Mehr verraten wir jetzt nicht mehr. Schaut, schaudert, staunt und erlebt selbst! Hier geht es zum aktuellen Programm.

Wer weitere Ausflugsempfehlungen und Inspiration für sonntägliche Beschäftigungen gebrauchen kann, ist beim Sonntagsausflug richtig.

Puppentheater-Museum Berlin

Karl-Marx-Straße 135, 12043 Berlin
Öffnungszeiten: Mo.-Fr. 9.00-15.30Uhr, Sonntag 11.00-16.00Uhr

 

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