von am 14. Januar 2012


Sein Beruf hat Seltenheitswert: der Neuköllner Parfümeur Ahmad Khalil über seine Kundschaft, reine Nasen und natürlich über seine große Leidenschaft, das Parfüm.

Text: Fabian Friedmann, Fotos:

Ahmad Khalil hat eine besonders feine Nase. Der 28-Jährige führt eine der wenigen Parfümerien in Deutschland, die nur eigens hergestellte Düfte und Essenzen verkaufen. In seinem Laden stehen hunderte Flakons einzig versehen mit einer zweistelligen Nummer. Fragt man ihn nach einer bestimmten Zahlenkombination bekommt der Kunde prompt das Parfüm beschrieben. Ahmad Khalil ist stolz auf seinen Geruchssinn und ein wandelndes Lexikon der Düfte.

Wie lange leben Sie schön in Neukölln und seit wann gibt es Ihren Laden?
Seit meiner Geburt. Meine Familie hat palästinensische Wurzeln, aber ich bin hier in Neukölln geboren, werde bald 28 Jahre alt. Die Parfümerie Areej gibt es seit zweieinhalb Jahren. Areej ist arabisch und bedeutet übersetzt in etwa ‚duftend nach Rosen’.

Wie kamen Sie auf die Idee eine Parfümerie zu eröffnen?
Ich bin von klein auf mit den Düften groß geworden durch meinen Vater. Parfüm war schon immer meine Leidenschaft und der Film ‚Das Parfüm’ hat mich inspiriert einen Laden aufzumachen. Und so langsam läuft das Geschäft. Auch ohne große Werbung bin ich schon etwas bekannt geworden in Neukölln. Für viele scheint mein Laden etwas Besonderes zu sein.

Das kann man wohl sagen. Haben sie viele Stammkunden?
Ja schon. Viele Kunden wollen Düfte die „in“ sind, etwa von Armani. Ich habe natürlich nicht dieselben, aber ich kann die Düfte so mischen, dass sie sehr ähnlich riechen. Dafür sind sie dann meistens langanhaltender und deshalb sehr angenehm für den Kunden. (eine Kunde betritt den Laden und scheint etwas unentschlossen, Ahmad fragt, was er sich denn wünsche: „Süß oder herb?“ „Nicht zu süß“, sagt der Herr. „Etwas mit Vanille?“, fragt Ahmad. Fünf Minuten später spaziert der Mann zufrieden zur Türe hinaus.)

Wo kommen die einzelnen Duftstoffe und Ingredienzien der Parfums her?
Die kommen zumeist aus Frankreich, von dort kriege ich auch meine Qualitäts-Zertifikate zur Absicherung, da in Deutschland strenge Kosmetikrichtlinien herrschen. Ich frage beispielsweise nach einem Duft, der nach Rose riecht, der Händler schickt mir dann eine Probe und wenn ich mit dem Duft und der Qualität zufrieden bin, bestelle ich eine größere Menge. 

Sie haben also eine besonders feine Nase…
Das kann man so sagen, aber momentan ist sie etwas zu (lacht). Für den Job braucht man auf jeden Fall eine sehr reine Nase. Als ich klein war, hatte ich immer eine verstopfte Nase, bis sie irgendwann aufging und seitdem kann ich richtig gut riechen.

Was ist denn Ihr Lieblingsduft?
Also meine liebsten Düfte gehen sehr ins holzige. „Sout“ heißt einer davon. Auf Deutsch bedeutet das „Adlerholz“, ein sehr erdiger Duft.

Mal weg von den Düften, hin zu Ihrem Heimatbezirk: Was hat sich denn aus Ihrer Sicht in Neukölln verändert in der letzten Zeit?
Also die Kriminalität ist auf jeden Fall runtergegangen, denke ich. Vor ein paar Jahren hat man davon noch mehr gesehen. Jetzt sind da mehr Studenten, mehr Deutsche. Früher haben sich viele gar nicht mehr in den Bezirk getraut. Gehst du jetzt die Weserstraße entlang, sitzen da Leute vor den Bars mit Laptops und iPhones. Früher hätte das keiner gewagt, denn es wäre ein Jackpot für die Kriminellen hier gewesen. Aber seit ein paar Jahren kann man das wieder machen. Es ist sicherer geworden und das ist auch gut so. Dazu liegen auch nicht mehr soviel Müllsäcke und alte Möbel auf der Straße herum.

Gibt es dennoch Dinge, die Sie stören oder die Sie gerne verändern würden, wenn sie könnten?
Was mich stört, ist das Verhalten von einigen Menschen. Viele können sich nicht benehmen, haben keinen Respekt. Natürlich stören mich auch die vielen Drogensüchtigen, die Betrüger, Diebe und Bettler. Aber ansonsten ist Neukölln zum Leben ganz schön. Nur gibt es jetzt keine bezahlbaren Wohnungen mehr, die Mieten sind mittlerweile zu hoch und viele Makler nutzen das schamlos aus.

Ist die Miete für Ihren Laden auch gestiegen?
Die Miete ist noch ok. Was mich nervt, ist, dass viele immer handeln und die Preise drücken wollen, das liegt wohl einigen im Blut hier. Das stört mich wirklich, dass selbst bei einem kleinen Fläschchen für 1 Euro, manche dich noch auf 50 Cent runterhandeln wollen. Die kommen rein, machen den Affen, sind unvernünftig, wollen diskutieren und verstehen nicht, dass ich hier einfach in Ruhe mein Geschäft führen möchte.

Was ist ihr Lieblingsort in Neukölln?
Britz finde ich sehr schön. Dort lebe ich auch mit meiner Frau und meinen beiden Kindern. Dort ist es ruhiger als hier in Nord-Neukölln. In Britz kann man auch mehr mit der Familie unternehmen und es gibt gute Kindergärten. Natürlich ist die Karl-Marx-Straße zum Spazieren und Einkaufen auch ganz schön. 

Angenommen Sie hätten einen Wunsch frei…
Dann würde ich mir wünschen, dass wir alle hier in Frieden leben könnten. Dass sich alle verstehen. 

Was wünschen Sie ihren Nachbarn?
Meinen Nachbarn natürlich nur das Beste und sie sollen mich einfach in Ruhe lassen (lacht).

 

Parfümerie Areej
Erkstraße 18, 12043 Berlin

 

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