von am 28. Februar 2012

Der künstlerische Anspruch orientiert sich nicht am Markt, sondern an der Verlegerin. Auf keinen Fall nur Comics. Plattform sein und bleiben: Anette Köhn weiß genau, was sie will. Den Jaja Verlag in Neukölln. Ein Gastbeitrag aus dem tazblog M29.

Der Film läuft seit mehr als fünf Jahren. Die Kulisse ist ein Ladenlokal in der Tellstraße. Der Titel des Langzeitprojektes: ‚Musenstube’.[1] Die Besetzungsliste ist lang, neben den Stammmusen haben einige Temporärmusen ihren Gastauftritt (auch mal gehabt).

Obermuse Annette Köhn arbeitet seit Spätherbst des letzten Jahres mit ihrem Jaja Verlag an den Büchern zum Film. Zehn ‚kleine feine illustrierte Machwerke’, acht Bücher und zwei Kalender, sind im ersten halben Jahr erschienen.

Die Idee einen Verlag zu gründen hatte Annette schon lange. Die erste Skizze zum Logo entstand vor gut drei Jahren. Dann nach ein paar guten Aufträgen, mit trotz alledem einem verschwindend geringen ‚Startkapital’, bei dem wahrscheinlich jeder Unternehmensberater abgeraten hätte, schlug Annette mit ‚Adagio N° 1’ von Maki Shimizu die Verlagslaufbahn ein. Jaja, der Name ist Programm, unerschrocken positiv und doppelt hält besser.

Nachdem in all den Jahren die Musen freie Produkte entwickelt und Vernissage um Vernissage gefeiert
hatten, wollte Annette die Plattform erweitern. Und so erzählt Adagio von der Musenstubenwelt, in der gearbeitet, gezeichnet, Banana gespielt, von Morgen geträumt, gekocht und vor allem immer wieder Kaffee getrunken wird.

Dabei sol

l der Jaja Verlag nicht nur Musenwerke und auf gar keinen Fall nur Comics verlegen. Das Spektrum wird neben Illustriertem und Comichaften auch Poesie, Prosa und mehr umfassen. Und so findet man schon jetzt ein illustriertes Kochbuch von Marie Geißler im Repertoire.

Der künstlerische Anspruch orientiert sich an der Verlegerin. Annette will nicht überlegen, was der Markt braucht oder will. Der Verlag soll ja Plattform sein und bleiben. So haben fast alle Veröffentlichungen etwas handverlesenes, selbstgemachtes, mal ist der Buchumschlag ein Siebdruck, dann passt das Papier zum Illustrationsstil.

Noch sind die Auflagen überschaubar, den Vertrieb macht Annette weitestgehend selbst, aber ‚Die Zeichen stehen gut’[2]. 2012 soll es weitere tolle Veröffentlichungen geben, Annette ist guter Laune, sie visiert Buchvorstellungen in Bücherläden an und wird den Jaja Verlag im Sommer beim Erlanger Comic Salon, dem wichtigsten Comicfestival Deutschlands, vorstellen. Auch eine Kooperation mit dem Familien-Lifestylemagazin ‚luna’ ist geplant. Denn hier veröffentlicht Klaus Cornfield seit einigen Jahren das Kindercomic ‚Luna und Luno’, das 2012 von Jaja gebunden vorgelegt werden soll.

Seit einigen Monaten trudeln immer wieder Veröffentlichungsanfragen im Briefkasten ein. Und vielleicht wird es ja in Neukölln irgendwann das Jaja-Haus geben, indem Musenstubenateliers, eine Galerie, eine Druckwerkstatt und der Verlag ihren Sitz haben. Dann würde es auch jemanden geben, der den Vertrieb macht, denn den würde Annette gerne abgeben.

Artikel erschienen am 13.02.2012 im tazblog M29 von unserer Autorin Elisabeth Wirth.


[1] Musenstube _ Ateliergemeinschaft und Galerie in der Tellstraße 2 _ Musenstatus haben all jene, die hier arbeiten _ regelmäßig gibt es Ausstellungen und Kunstveranstaltungen _ unter der Woche, wenn die Musen da sind, kann man die im Schaufenster ausgestellten Stücke, Bücher, Kalender und allerlei hübschen Kram käuflich erwerben _ einfach klopfen oder winken

[2] Jaja Verlag Jahresmotto

 

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