von am 28. Juni 2014

Clemens_Birgit_teaserDas ist hier die Frage? Das ist keine Frage! Geht es nach der Foto-Ausstellung „Fußball und Homosexualität“ im Alter Roter Löwe Rein in der Richardstraße.

Wer kommt nach Thomas Hitzlsperger? Diese Frage trieb Fans und Sportjournalisten im Januar 2014 um. Das Outing des Ex-Nationalspielers schlug höchste mediale Wellen. Das Echo? Fast durchweg positiv. Endlich habe ein Spieler den Mumm sich öffentlich zu outen, so die gängige Meinung in den Medien. Und so mancher Ex-Kollege, wie der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann, manövrierte sich anschließend mit homophoben Aussagen in Talkrunden ins verbale Abseits.

Massenoutings? Fehlanzeige!

Doch bleibt man bei den Tatsachen, so war es nur ein großer Schritt einer einzelnen Person. Massenoutings? Fehlanzeige! Kein aktueller Spieler der Bundesliga bzw. der Nationalmannschaft hat es Hitzlsperger nachgetan. Dabei müssten, rein statistisch gesehen, im aktuellen WM-Kader der Nationalelf ein bis zwei homosexuelle Spieler stehen. Denn je nach Studie sind zwischen fünf bis zehn Prozent der deutschen Männer schwul. „Ich denke, es wird nicht mehr lange dauern, bis sich ein prominenter deutscher Spieler outen wird“, sagt Olaf Matzat.

 Liebesspiel mit Stollenschuhen

Der Fotograf hat mit sieben weiteren Künstlern die Ausstellung „Fußball und Homosexualität“ für 48 Stunden Neukölln ins Leben gerufen. Im Alter Roter Löwe Rein in der Richardstraße sind die Arbeiten bis zum Sonntag zu sehen. „Es ging allerdings nicht darum, homosexuelle Fußballer zu fotografieren. Wir wollten einfach das Thema abbilden.“ Die Bilder zeigen zärtliche Männer vor einem Spiegel, beim Liebespiel mit Stollenschuhen oder beim Zeigen der „schwulen“ Karte. Idee und handwerkliche Umsetzung der Bilder sind ansprechend. Sie leben von Ausdrucksstärke und Ambivalenz. Die Message war den Machern wichtig, weniger die Personen auf den Bildern.

Wenig Berührungsänsgte

Die Models seien auch hetero gewesen, so Matzat. Das habe bei den Shootings teilweise zu skurrilen Situationen geführt. Aber die Erfahrung habe gezeigt, dass heterosexuelle Fußballer weitaus weniger Berührungsängste mit dem Thema haben, als gemeinhin angenommen. Das Thema will die Künstlergruppe weiterverfolgen. Wo die Ausstellung als nächstes zu sehen sein wird, ist noch offen. „Am liebsten bei Hertha BSC im Stadion“, sagt Olaf Matzat. Eine Sensation wäre es nicht. Das Outing eines Hertha-Spielers schon eher.

PAS-26, „Fußball und Homosexualität“, Alter Roter Löwe Rein, Richardstraße 31, Fr 19:00-04:00, Sa 15:00-04:00, So 15:00-22:00

 

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