von am 20. September 2012

Der Albert-Schweitzer-Platz soll schöner werden. Aktuell sollen neue Sitzelemente für den bewucherten Platz her. Eine „öffentliche“ Diskussion mit Hindernissen.

Diesmal ging es „nur“ um die Sitze. Bereits im März hatten wir über die Ideenwerkstatt und die so genannten 12 Veränderer berichtet die sich für die Verschönerung des Albert-Schweitzer-Platzes vor der gleichnamigen Oberschule einsetzen. Ein mitunter schwieriges Unterfangen, was immer wieder an seine Grenzen stößt, sobald es um finanzielle bzw. um die konkrete Umsetzung von Ideen geht.

Vorschläge für eine temporäre Installation

Am gestrigen Mittwoch trafen sich erneut eine Arbeitsgruppe aus Schülern, Lehrern, Unterstützern, Architekten und einem Vertreter vom Grünflächenamt um die temporäre Installation von neu entworfenen Sitzelementen für den Platz ab November 2012 „öffentlich“ zu besprechen. Auf den ersten Blick klingt es einfach: Vorschläge hören und am Ende abstimmen. Soweit die Theorie.

Dass die Praxis weitaus schwieriger ist, erfuhren erneut alle Beteiligten, die sich auf einer Ladefläche eines LKWs vor der Albert-Schweitzer-Schule eingefunden hatten. Das Architekturbüro Baupiloten hatte vorab seine Unterstützung zugesagt, dem Platz ein bereits bestehendes Holzhaus zu überlassen, das zuvor durch Entwürfe von drei SchülerInnen der 12 Veränderer Gruppe entstanden war, und momentan noch in der schwedischen Botschaft, im Rahmen der Ausstellung „building blocks„, bis zum 4. November zu sehen ist.

Hinsetzen und Reden: Die Diskussion der Arbeitsgruppe fand in einem angemieteten LKW statt. Interessierte Anwohner konnten sich ebenfalls beteiligen.

Doch bei vorliegender Konstruktion gibt es zwei Haken: Der Platz ist ein öffentlicher Raum und als solcher müsse, so Rainer Sodeikat vom Grünflächenamt, zunächst einmal eine TÜV-Abnahme für ein solches Bauwerk her. Außerdem gelte es, die Umgebung des Hauses zu sichern, da es sich hier um eine 2,50Meter hohe Plattform handle, von der man natürlich auch herunterfallen könne. Zwei klassisch-bürokratische Hürden.

Geld für TÜV und Fallschutz sind aber nicht vorhanden, weshalb von allen Beteiligten nach einem Kompromiss gesucht werden musste. Besagtes Haus besteht aus mobilen Bauteilen, die einzeln auch als Sitzflächen genutzt werden können, so die Leiterin des Projekts Eva Hertzsch, die sich viele Gedanken bezüglich der praktischen Nutzung der Elemente gemacht hatte. Aber Holzblöcke als Sitzgelegenheiten? Das stieß bei einigen Schülern auf wenig Gegenliebe.

Innovative Ideen treffen auf die Realität

Eine Diskussion entbrannte. Auf der einen Seite, das Natur- und Grünflächenamt, das einem „immer nur erzählt, was nicht geht“. Auf der anderen Seite die Schüler, die sich mitunter missverstanden fühlten. Es wurde mituner laut, Frustration machte sich auf einigen Gesichtern breit, und irgendwie bekam man hier im Kleinen das serviert, woran es in Neukölln oftmals scheitert: Innovative Ideen treffen auf die Realität. Das Finden einer Lösung – schwierig. Denn, so das ewige Totschlag-Argument vom Amt, „man muss die Machbarkeit immer im Auge behalten.“

Am Ende wurde doch noch abgestimmt. Zu Gunsten der Holzblöcke. Warum auch etwas ablehnen, was man ohnehin umsonst bekommt? Ein Versuch sei es jedenfalls wert, so das Credo einiger Schüler und des zweiten Projektleiters Adam Page, der stets vesuchte die Wogen zu glätten. Spätestens in zwei Jahren, wenn die Schule ihre Pausenhöfe verschönert hat, soll auch der Albert-Schweitzer-Platz in neuem Glanz erscheinen. Für dieses langfristige Projekt kann man allen Beteiligten nur zwei Dinge wünschen: Gute Nerven und Durchhaltevermögen.

 

3 Kommentare:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.