von am 12. März 2012

Bernhard Lassahn mit seinem Werk So oder so ähnlich könnte man die Lesung von Bernhard Lassahn im Rahmen der kostenlosen Veranstaltung Rudow liest! am vergangenen Samstag wohl reißerisch umschreiben und damit auch eine möglichst große Zielgruppe erreichen.

Text: Sandra Bayer

Da die Veranstalter aus diversen Gründen auf sex sells verzichteten, hielt sich der Andrang in Grenzen. Tipps bekamen die „Eventmanager von Rudow“ dann aber noch von Käptn Blaubär persönlich, aber dazu später mehr.

Zunächst einmal soll hier gesagt sein, dass die Aktion „Rudow liest!“- initiiert von Mitgliedern der Aktionsgemeinschaft Rudower Geschäftsleute – laut Veranstaltern und Publikum (teilweise Überschneidungen möglich) als voller Erfolg verbucht werden kann. Die elf stattfindenden Lesungen haben die Räumlichkeiten der mitunter ungewöhnlichen Veranstaltungsorte (Boutiquen, Optiker, Fahrschule) größtenteils gut gefüllt. So sollen bei einigen Lesungen bis zu 50 Gäste gezählt worden sein. Selbst sehr spezifische Nischenthemen wie „Das Fahrradbuch“, der neue Ratgeber der Stiftung Warentest, fanden gut 20 Interessenten, die sich Wissenswertes zum Thema Fahrrad im Rudower „Radhaus“ erklären ließen. Eine etwas betagtere Zuhörerin, die sich nach eigenen Angaben eigentlich eher weniger über Fahrräder begeistern kann, lobte danach überschwänglich den hohen Unterhaltungsfaktor von Autor Ulf Hoffmann.

Nachdem Niklas Maak und Horst Bosetzky leider abgesagt hatten, fand das literarische Highlight mit der abschließenden Lesung von Christoph Kloeble am Abend statt. Der junge Autor stellte in der Buchhandlung Leporello vor knapp 40 Gästen seinen neuen Roman „Meistens alles sehr schnell“ vor. Die gut einstündige Lesung mit anschließender Publikumsdiskussion sorgte für einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend. Leider war nicht jede Veranstaltung an diesem Tag so erfolgreich.

Das Blaubär-Desaster

Bernhard Lassahn mit seiner Hein-Blöd-Puppe

Bernhard Lassahn mit seiner Hein-Blöd-Puppe

Eigentlich sollte Bernhard Lassahn, der vor allem für seine „Käptn Blaubär“-Kinderbücher bekannt ist, Rudow liest! mit einer Lesung für Erwachsene aus seinem Werk „Die Schönheit der Frauen“ eröffnen. Unglücklicherweise hatte der Autor selbiges Werk nicht bei sich, da er es selbst als „ungeeignet“ für eine Lesung empfand, weswegen er die 26 in der alten Dorfschule anwesenden Mitglieder der Rudow AG anderweitig unterhalten musste. Dies gelang ihm mit einigen Gedichten, die solch vielsagende Titel wie „Frauen wollen stricken“ trugen.

Überhaupt warf Käptn Blaubär während der anderthalbstündigen Veranstaltung (der enorm hohe Interaktionsanteil mit dem Publikum in Verbindung mit seinen zahlreichen Schwank- und Slapstickeinlagen lässt den Begriff „Lesung“ hier unangebracht erscheinen) noch öfter die Geschlechterfrage auf. Highlight dieser wissenschaftlich nur teilweise fundierten Genderstudie war sein selbstgezeichnetes „Portrait einer deutschen Hausfrau“, die in Negligée und Strapsen in der linken Hand einen Bierkrug, in der rechten einen Kehrwisch trägt. ‚Die Meute tobte‘ wäre zu viel gesagt, dennoch konnte er beim Publikum für einige Lacher sorgen. Wer darüber hinaus wissen möchte, wie Käptn Blaubär a.k.a. Bernhard Lassahn, die von ihm selbst aufgeworfene Frage „Was ist sexy?“ beantwortet, sollte bei einer seiner Veranstaltungen vorbeischauen.

Als Fazit dieses Eröffnungsevents lässt sich festhalten, dass Lassahns eigenwilliger und komödiantischer Rückblick auf die letzten 50 Jahre der deutschen Geschichte wahrscheinlich nicht Jedermanns Geschmack trifft, das Publikum jedoch durchaus zufrieden zu stellen schien. Leider konnte man das von seiner im Anschluss stattfindenden Kinderveranstaltung als Käptn Blaubär nicht behaupten. Trotz tatkräftiger Unterstützung seines Leichtmatrosen Hein Blöd fiel die Show schlussendlich ins Wasser. Dies lag aber weniger am Unterhaltungsfaktor des alten Seebären, sondern an der äußerst überschaubaren Kinderzahl: Eins. Plus neun eifrige Erwachsene, die sich redlich bemühten und selbst beim „hawaiianischen Südseetanz“ inklusive Blumenkette um den Hals mitmachten.

Bevor die Veranstaltung endgültig zur Farce geriet, brach Käptn Blaubär seine Erzählstunde ab, um die verbleibende Zeit sinnvoller zu nutzen. Mit Marketingtipps für zukünftige Veranstaltungen an die anwesenden Rudow AG-Mitglieder. Das war, was die Ankündigung des Kinderprogramms anging, tatsächlich missglückt.  Peter Scharnberg, Vorstandsmitglied der Rudow AG, bezeichnete den Aktionstag am Abend dennoch als „vollen Erfolg“ und kündigte an, dass Rudow liest! auf jeden Fall wiederholt werde.

 

Kommentare sind geschlossen