von am 4. November 2012

…denn man wusste nie, was man bekommt. Ein Rückblick auf das Kunst- und Kulturfestival NACHTUNDNEBEL.

In Wohnungen, Parks, Projekträumen, Galerien, Museen, Bars und an Straßenecken versteckten sie sich, die über 60 Stationen von NACHTUNDNEBEL. Beim Auffinden konnte das Programmheft teils nur bedingt helfen. „Platz vor Café Engels“ lautete etwa die Station der „Schattenfänger“, die uns eine „Streetlatern-art-installation“ versprach. Nach einer Runde um die Kreuzung entdeckten wir schließlich ein Schild an einer Laterne, mit der Aufforderung, den eigenen Schatten zu fotografieren und an eine E-Mail-Adresse zu schicken. Das soll’s gewesen sein?

Oft wusste man nicht, ob man einfach nur zu früh oder zu spät war, das Kunstwerk nicht verstand oder gar nicht erst fand oder es von enttäuschender Einfachheit war. Oder ob die Geschmacksbefreitheit kurzer Hand zum Konzept erklärt wurde, wie es wohl in der Michaela Helfrich Galerie der Fall war. Mit dem Satz „Das Auge muss schmerzen, nichts passt“, bereitete das Programmheft den Besucher schonend auf das vor, was kam: Plastiknofretete trifft auf Fotos von einer Indienreise, daneben Heroin-Kids, die nackt mit Zahnspange vor der Kamera posieren. Zig Malereien, Collagen und Fotos auf den Wänden der Galerie. Eine Bilderflut ohne erkennbaren Zusammenhang.

Aber so ist das eben mit der Pralinenschachtel, da liegt die Weinbrandbohne neben dem Edelnougat und tarnt sich mit gleichförmigem Schokoladenüberzug. Einige schöne Sahneschnittchen gab es natürlich auch bei NACHTUNDNEBEL. Der Raum E116, versteckt in einem Hinterhof in der Emser Straße, zeigte Werke vorrangig spanischer Künstler. Darunter Fotografien, für die Berliner Straßenbaustellen zu gemütlichen Stränden umfunktioniert wurden, und Porträitmalereien, unter anderem auf schnörkeliger Tapete als Malgrund. Der Verein schwarzekatzeweisserkater präsentierte sich als Fotostudio für Verkleidungswillige und Young Arts NK zeigte die Ergebnisse eines mutigen Kunstprojekts mit Schülern, das eine Umweltkatastrophe zum Thema hatte.

Auch diese Veranstaltung offenbarte wieder die Vielfalt an künstlerischem Schaffen in Neukölln. Jeder kann mitmachen und der Kunstbegriff wird weit gefasst. Auch wenn man sich eine Kuration manchmal wünschen würde und sich das Niveau der Gesamtveranstaltung dadurch vermutlich heben würde, so ist und bleibt es doch das Schöne an Events wie NACHTUNDNEBEL und 48 Stunden Neukölln, dass jeder seine persönlichen Perlen finden muss und kann und abseits von durchorganisierten Erlebnisausstellungen überrascht wird.

 

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