von am 29. Juni 2014
In "KlangZeitGefühl" versuchen sieben UdK-Studenten das Thema Zeit klanglich zu erfassen.

In „KlangZeitGefühl“ versuchen sieben UdK-Studenten das Thema Zeit klanglich zu erfassen, Bild: Bertram Lorenz.

Verfaulte Bananenstücke, zwei LP’s in Dauerschleife und bedeutungsschwere Zitate: Studierende der UdK-Studiengangs „Sound Studies“ wagen sich in ihren Arbeiten an eines der größten philosophischen Mysterien: die Zeit

Ticktack, Ticktack, Ticktack – eine Armada von kleinen Weckern türmt sich vor mir auf auf. „15 Minutes of Infinite Time“ verspricht ein Zettel, auf dem ich dazu aufgefordert werde mir einen Wecker zu nehmen und mit ihm eine Viertelstunde lang durch die Ausstellung zu streifen. Die erste Beobachtung: Hier, in einem Kellergewölbe auf dem Gelände der Passage am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße, scheint die Zeit, trotz tickender Uhr in der Hand, seltsam langsam zu vergehen. Die Geräusche vom Innenhof, das gleißende Licht der Mittagszeit sind wie ausgelöscht.

15 Minuten unendliche Zeit werden dem Besucher in die Hand gegeben.

15 Minuten unendliche Zeit werden dem Besucher in die Hand gegeben, Bild: Bertram Lorenz.

Sieben „Sound Studies“-Studierende von der Universität der Künste bespielen das Kellergewölbe mit ihren Installationen. „KlangZeitGefühl“ haben sie die Ausstellung genannt, die aus einem theoretischen Seminar zum Thema Zeit geboren wurde. Der wissenschaftliche Überbau ist bei manchen Arbeiten dann auch deutlich spürbar. Gleich zu Beginn erwartet mich ein bedeutungsschweres Zitat des französischen Philosophen Gilles Deleuze. Es geht um einen Kristall, um Vergangenheit und um Gegenwart. Minuten vergehen, bis ich die Lektüre verdaut habe. Dass das Verdauen nicht im Verstehen mündet, wird mir inmitten der Klanginstallation von Gregor Pfeffer deutlich. Die Referenzen zu Deleuze sind zwar deutlich erkennbar, nur scheint Pfeffers‘ „Zeitkristall“ neben seinem philosophisch schwergewichtigen Vater ein wenig an Platznot zu leiden. Auch andere Arbeiten dieser Ausstellung kämpfen mit dem Spagat zwischen Theorie und künstlerisch-klanglicher Umsetzung.

In der Installation von der Gregor Pfeffer gibt es zwar wenig zu sehen, dafür aber viel zu hören, Bild: Bertram Lorenz.

In der Installation von der Gregor Pfeffer gibt es zwar wenig zu sehen, dafür aber viel zu hören, Bild: Bertram Lorenz.

„One Day From the Life of a One-Day Fly“ von Martyna Poznańska bildet dabei eine willkommene Ausnahme. In einer bizarren Versuchsanordnung seziert die Studentin das klangliche Leben von Fruchtfliegen. Während sich die Miniaturinsekten in einem Glaskasten unermüdlich an langsam verwesenden Melonen- und Bananenstücken laben, wird ihr Flügelschlag aufgenommen und verstärkt abgespielt. Das Ergebnis ist faszinierend und erzählt mehr über das Mysterium der Zeit als ein philosophischer Diskurs.

Ein Heer von Fruchtfliegen fällt über ein Bananenstück her, Bild: Bertram Lorenz.

Ein Heer von Fruchtfliegen fällt über ein Bananenstück her, Bild: Bertram Lorenz.

Gleiches gilt für die Arbeit „Jetzt“ von Lukas Grundmann. Er lässt zwei Schallplatten abspielen, die abwechselnd das Wort „Jetzt“ erklingen lassen und im Verlaufe der Zeit immer stärker rauschen. Das Deleuze-Zitat, das er seinem Werk zur Seite stellt, ist aber auch an dieser Stelle schlichtweg unnötig. Denn: Grundmanns‘ künstlerische Position wird auch ohne theoretische Verstärkung deutlich. Nach den sieben sehr unterschiedlichen klanglichen Experimenten zum Thema Zeit zeigt ein Blick auf meinen Wecker: Statt geplanter 15 Minuten war ich 50 Minuten in der Ausstellung und habe dabei die tickende Uhr in meiner Hand vollkommen vergessen.

PAS-16, Kegelkeller- Passage, So 10 bis 19 Uhr

 

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