Die Galerie im Saalbau Neukölln zeigt Peter Liptow’s Fotografien von Berliner Eckkneipen.
„Bienenkorb“, „Hopfenstübchen“, „Zum Goldenen Hahn“, „“Zur Haltestelle“ und „Heide 11“ – das sind Orte, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Der Schnaps kostet hier meist noch ein Euro, Rauchen ist erlaubt und der Barmann hat (zumindest in der Theorie) immer ein offenes Ohr für die vom Leben gebeutelte Kundschaft.
Wir Zugezogenen betrachten die Berliner Eckkneipe mit viel Wohlwollen und ein bisschen zu viel Nostalgie. Sie erscheint so urig, so unglaublich kiezig – ein Mikrokosmos, in dem sich die echten Berliner versammeln, um gemeinsam ein Bier zu saufen. „Wow, das ist cool“, denkt man und würde gerne mal soziologische Studien an der Theke betreiben. Man freut sich, dass es im Kiez (noch) Eckkneipen gibt - als letzte Bastionen des „Alten“ – das man gar nicht kennt, aber als reflektierter Gentrifizierungsgegner natürlich trotzdem vermisst.
Nur reingehen, das möchte man nicht. Die Eckkneipe ist fremdes Terrain – hier herrschen eigene Regeln und Bewertungsmaßstäbe. Also trinkt man das Feierabendbier für das doppelte Geld doch lieber im Laden gegenüber. Dort sieht die Einrichtung zwar auch aus wie vor fünfzig Jahren, aber hier ist man wenigstens unter seines gleichen.
Peter Liptow, Jahrgang 1967, hat wahrscheinlich viele Biere in Eckkneipen trinken müssen, um all die Bilder zu machen, die derzeit in der Ausstellung „25 Wohnzimmer“ zu sehen sind. Seine Protagonisten sind meist schon ergraut und blicken mit müden Augen lächelnd in die Kamera. Sie sitzen auf aufgewetzten Polstern, in rauchgeschwängerten Räumen, wahlweise alleine an der Theke oder in geselliger Runde. Von der Decke baumeln Segelboote, Pflanzenkübel, Fußbälle und auch mal ein Akkordeon. Das Interieur verrät immer auch etwas über die Vorlieben der Besitzer. Oberstes Gebot: Es muss gemütlich sein – wie ein zweites Wohnzimmer eben.
Liptow gelingt es in seinen Bildern, gerade das Urige der Kneipen einzufangen; leider sind sie manchmal etwas rotstichig geraten. Zu sehen sind neben den Portraits, sowohl Außen- als auch Innenansichten, wie zum Beispiel eine bekritzelte Männertoilette, ein Kickertisch und eine Tafel mit der Einladung: „Liebe Gäste, klingeln Sie bitte und sein Sie kostenloses Mitglied im Raucherclub“. Schade nur, dass neben den Fotos keine Angaben zum Ort und zu den Personen zu finden sind. Denn sonst würde man vielleicht doch mal vorbeischauen.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 5. Juni 2011 in der Galerie im Saalbau, Karl-Marx-Straße 141. Zur Finnisage performen ab 18 Uhr Heiko Werning und die Brauseboys. www.kultur-neukoelln.de
Mehr Kunst & Kitsch

Florian Reischauer zeigt auf seinem Foto-Blog “Pieces of Berlin” die Ecken und Kanten der Stadt und ihrer Bewohner. Diesmal präsentieren wir einen kleinen Teil seines Langzeitprojekts "Ringbahn Special". weiterlesen →

Unterwegs im Epizentrum. In Neukölln hat sich eine lebhafte Szene englischsprachiger Comedy entwickelt. So lebhaft, dass auch ein Deutsch-Muttersprachler mitmischen möchte. weiterlesen →

Vom Stockpapagei bis zum Winterraben. Ein Streifzug durchs Neuköllner Tierleben. weiterlesen →

Selbstbetrachtung: Bilder von Roma-Künstlern sind derzeit in der Ausstellung "The Roma Image Studio" in der Galerie im Saalbau Neukölln zu sehen. weiterlesen →
Ein Kommentar:
Hinterlasse eine Antwort Antworten abbrechen
NEUKOELLNER ZEITVERTREIB
Montag, 20. Mai, 21 Uhr - Tanz: Das Berliner Tangofestival endet im Ballhaus Rixdorf mit einer großen Party für alle Tanzbegeisterten, ob Profi oder leidenschaftlicher Amateur.
unterstützen & weitererzählen
Der Alltag im Neuköllner Jobcenter
Neukoellner Newsgoogle- Geldautomaten-Knacker auf frischer Tat ertappt - Berliner Morgenpost 18. Mai 2013
- Tatverdächtiger nach Schießerei in Neukölln gefasst - Berliner Morgenpost 17. Mai 2013
- Neukölln - Mann nach Schüssen auf Lokal festgenommen - Berliner Zeitung 17. Mai 2013
- Auto auf Parkplatz in Neukölln in Brand gesetzt - DIE WELT 17. Mai 2013
- Kritische Kurzfilme in der Villa Neukölln - BerlinOnline 16. Mai 2013
- Ringbahn Pieces of Neukölln - neukoellner.net 16. Mai 2013
- "Neukölln ist überall" : Stadtrat gab Liste für Buschkowsky-Buch in Auftrag - Tagesspiegel 15. Mai 2013
Hiroyuki Koshikawa: Neuköllner Männer
NEUKÖLLNER TWITTER









Wirklich interessante Ausstellung. Muss man gesehen haben:-)