von am 28. Mai 2011

Die Galerie im Saalbau Neukölln zeigt Peter Liptow’s Fotografien von Berliner Eckkneipen.

„Bienenkorb“, „Hopfenstübchen“, „Zum Goldenen Hahn“, „“Zur Haltestelle“ und „Heide 11“  – das sind Orte, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Der Schnaps kostet hier meist noch ein Euro, Rauchen ist erlaubt und der Barmann hat (zumindest in der Theorie) immer ein offenes Ohr für die vom Leben gebeutelte Kundschaft.

Wir Zugezogenen betrachten die Berliner Eckkneipe mit viel Wohlwollen und ein bisschen zu viel Nostalgie. Sie erscheint so urig, so unglaublich kiezig – ein Mikrokosmos, in dem sich die echten Berliner versammeln, um gemeinsam ein Bier zu saufen. „Wow, das ist cool“, denkt man und würde gerne mal soziologische Studien an der Theke betreiben. Man freut sich, dass es im Kiez (noch) Eckkneipen  gibt –  als  letzte Bastionen des „Alten“ – das man gar nicht kennt, aber als reflektierter Gentrifizierungsgegner natürlich trotzdem vermisst.

Nur reingehen, das möchte man nicht. Die Eckkneipe ist fremdes Terrain – hier herrschen eigene Regeln und Bewertungsmaßstäbe. Also trinkt man das Feierabendbier für das doppelte Geld doch lieber im Laden gegenüber. Dort sieht die Einrichtung zwar auch aus wie vor fünfzig Jahren, aber hier ist man wenigstens unter seines gleichen.

Peter Liptow, Jahrgang 1967, hat wahrscheinlich viele Biere in Eckkneipen trinken müssen, um all die Bilder zu machen, die derzeit in der Ausstellung „25 Wohnzimmer“ zu sehen sind. Seine Protagonisten sind meist schon ergraut und blicken mit müden Augen lächelnd in die Kamera. Sie sitzen auf aufgewetzten Polstern, in rauchgeschwängerten Räumen, wahlweise alleine an der Theke oder in geselliger Runde.  Von der Decke baumeln Segelboote, Pflanzenkübel, Fußbälle und auch mal ein Akkordeon. Das Interieur verrät immer auch etwas über die Vorlieben der Besitzer. Oberstes Gebot: Es muss gemütlich sein – wie ein zweites Wohnzimmer eben.

Liptow gelingt es in seinen Bildern, gerade das Urige der Kneipen einzufangen; leider sind sie manchmal etwas rotstichig geraten. Zu sehen sind neben den Portraits, sowohl Außen- als auch Innenansichten, wie zum Beispiel  eine bekritzelte Männertoilette, ein Kickertisch und eine Tafel mit der Einladung: „Liebe Gäste, klingeln Sie bitte und sein Sie kostenloses Mitglied im Raucherclub“. Schade nur, dass neben den Fotos keine Angaben zum Ort und zu den Personen zu finden sind. Denn sonst würde man vielleicht doch mal vorbeischauen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum  5. Juni 2011 in der Galerie im Saalbau, Karl-Marx-Straße 141.  Zur Finnisage performen ab 18 Uhr Heiko Werning und die Brauseboys. www.kultur-neukoelln.de

 

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