von am 2. September 2014
Der Boxerschnitt aka die Bushido-Frisur.

Auf Neuköllns Straßen äußerst beliebt: Der Boxerschnitt aka die Bushido-Frisur.

Theo Waigels Augenbrauen würden hier die Pflege bekommen, die sie verdienen. ­ Im „Orient Style“ wird arabische Herrenhaarpflege de luxe praktiziert. Teil II unseres Specials zu orientalischer Friseurkunst in Neukölln.

Fotos: Anna Blattner

Sascha mag keine Experimente. Deshalb kommt er extra von Pankow nach Neukölln. Beim Friseur seines Vertrauens, dem „Orient Style“ in der Flughafenstraße, lässt der junge Bayer in Jogginghosen seinen Boxerschnitt pflegen. ­ „Den können die hier am besten“, sagt er. Friseur Badia Sipar erklärt den Fassonschnitt: „Die Seiten kurz mit dem Messer, oben etwas länger“.

Beständigkeit statt Trends

Der vielen auch als „Bushido-Frisur“ bekannte Haar-Style ist der Klassiker in seinem Herrensalon. Badia betreibt den „Orient Style“ seit fünf Jahren und bedient den Geschmack einer Männerklientel, die statt ständig wechselnder Trends aus Paris lieber Beständigkeit will.

Dafür gibt es das Herrengedeck in Sachen Frisur: Waschen und Schneiden für zehn Euro. Und für einen Fünfer werden noch die Augenbrauen gezupft oder der Bart in Form gebracht. Wie Mitarbeiter Ahmed mit einem roten Bindfaden kunstfertig Theo Waigel­-Augenbrauen zu schlanken Strichen formt, kriegt man an den Berufsschulklassen des deutschen Friseurhandwerks leider noch nicht beigebracht.

Im "Orient Style" kann Mann mal richtig ausspannen.

Im „Orient Style“ kann Mann mal richtig ausspannen.

Herrenfrisuren als Königsklasse

Sein Chef Badia hat sein Handwerk im Orient gelernt. Er stammt aus Dohuk. Einer Stadt, die in der Autonomen Region Kurdistan liegt und deren Fußballteam im Jahre 2010 Irakischer Meister wurde. Dort gibt es kein Berufsschulsystem, dafür aber eine Ausbildung bei einem Meister, die wie in Deutschland drei Jahre dauert und drei Phasen hat: Rasur, Kinder, Herren.

Ein Azubi lernt zunächst die Faden­-Technik zum Haare entfernen, dann darf er ans Rasiermesser. Hat er dort seine Fingerfertigkeit entwickelt, kommen die Kinderhaarschnitte und zum Abschluss dann die Herrenfrisuren als Königsklasse.


„Immer schön Cay­-Tee hier, das passt“

Dabei schätzen das Herrenprogramm des Orients nicht nur Männer aus der Levante, sondern die Kundschaft ist gemischt; auch Bulgaren und Deutsche sind darunter. Meistens sind es Stammkunden mit folgendem Bedarfsmuster: Bart einmal die Woche, Frisur zweimal im Monat. Und die Palaver­-Atmosphäre im „Orient Style“ rundet das Ganze ab. „Immer schön Cay-­Tee hier, das passt“, meint Sascha und blickt zufrieden auf das Gewusel um ihn herum.

Dem Zugezogenen aus München gefällt, dass er hier immer mit Handschlag begrüßt wird und ein kleiner Plausch unter den Kunden die Zeit vertreibt. Das sei anders als in vielen deutschen Friseurläden, wo die Wartezeit mit dem Durchblättern von Zeitschriften wie Hörzu & Co. abgesessen wird.

Die orientalische Gediegenheit durchbricht nur eine Kundengruppe: Die Söhnemänner, die im Schlepptau ihrer Väter mitgeschoren werden. Auch sie setzen in puncto Schnitt klar auf Fasson und haben dabei berühmte Vorbilder. Hoch im Kurs steht bei den Jungen der Fußballerhaarputz von Cristiano Ronaldo.

 

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