von am 26. Februar 2014
Kuh-2-quer

Dieses anmutige Geschöpf gehört zur Rasse der spanischen Avileña-Negra ibérica (Foto: Ursula Böhmer)

Sie haben klingende Namen wie Charolais, Avilena, Katerini oder Evolène. Sie tragen Glocken, schwere Ketten oder leuchtend gelben Ohrschmuck aus Plastik. Stolz stehen sie auf einer Wiese in Südfrankreich oder vor dem malerischen Bergpanorama eines Schweizer Tals und schauen den Betrachter mit großen Augen an.

Aber sie sind keine Models, sondern Milchvieh und wenn man diesen Fakt in der Ausstellung „All Ladies“ für einen Moment lang ausblendet, könnte Ursula Böhmers Fotoserie auch ein super angesagter Fashion-Blog sein, wo mit herausforderndem Blick auf der Weide oder neben einem Obstbaum posiert wird.

Kuh und Kultur liegen nah beieinander, denn schließlich hat Viehzucht seit der Steinzeit für den Aufstieg des Menschen gesorgt. Die Form des Buchstabens „A“ stammt zum Beispiel von der symbolischen Darstellung eines gehörten Rinderkopfs. In vielen Hochkulturen war die Kuh göttliches Sinnbild für Wohlstand und Fruchtbarkeit.

Auf Augenhöhe mit dem Betrachter 

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. April 2014 zu sehen (Foto: Judith Winterhager)

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. April 2014 zu sehen (Foto: Judith Winterhager)

Auch wenn der Begriff „Kuhaugen“ keine Beauty-Assoziationen weckt, ging es Ursula Böhmer mit ihren eleganten schwarz-weiß Fotografien darum, Kühe wieder auf respektvolle Augenhöhe mit dem Betrachter zu bringen. Zwischen 1998 und 2011 bereiste die Künstlerin 25 europäische Länder und machte sich dort auf die Suche nach besonderen Kuh-Rassen, die zum Teil vom Aussterben bedroht sind. Auf ihren Fotos schafft sie es die „Ladies“ so zu inszenieren, dass man den hübschen Wesen auf der Weide unweigerlich zulächeln muss und sie gerne mal streicheln möchte. Dabei ist das Frischmilch-Business ein echter Knochenjob und „Milchvieh“ keine sehr schmeichelhafte Berufsbezeichnung.

Im echten Leben arbeiten die gehörnten Schönheiten auf den Fotos nämlich mehr als hart daran, überall in Europa die Tetrapacks mit Milch zu füllen – teilweise für erschreckend günstige 54 Cent pro Liter. Bei diesem Preiskampf geht nicht nur der Geschmack, sondern auch die Vielfalt der Rinderrassen verloren. Die bizarren Hornformen und Fellfarben sind von Griechenland bis Norwegen so faszinierend unterschiedlich, als hätte man es mit verschiedenen „Styles“ zu tun. Selten waren Kühe vor der Kamera so schick und selbstbewusst.

„All Ladies. Kühe in Europa“ – Fotografien von Ursula Böhmer
18. Januar – 20. April 2014 im Museum Neukölln

 

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