von am 2. September 2015

_37X5493Lothar Curth wurde in Kreuzberg geboren und lebt seit 1975 in Neukölln. 30 Jahre lang arbeitet er als Fitnesstrainer, danach schlägt er sich als Toilettenmann in Clubs durch und tritt bei Bodybuilding-Wettkämpfen an. Mittlerweile schreibt Lothar Curth Bücher über seine Erfahrungen in der Berliner „Unterschicht“. In „Man (n) wach auf!“ gibt er Männern Tipps, die unter emanzipierten Frauen leiden. Außerdem verfasst er Gedichte über Frauen, Männer und die Liebe. Neuköllner ist er nicht gerne, aber oder eben deshalb ein Neuköllner Original.

Interview: Ruth Wolter
Fotos: Emmanuele Contini

neukoellner.net: Lothar, du hast 13 Jahre als Toilettenmann in einem Kreuzberger Nachtclub gearbeitet. Wie war dieser Job für dich?
Lothar Curth: Man härtet ab. Es gab zwischendurch immer mal Situationen, in denen man sich schlecht fühlte. Es gab einige Personen, die von Beruf her Sohn oder Tochter sind, die das Geld ihrer Eltern verprassen und einmal kam so jemand zu mir und sagte: „Siehste! Hättest du etwas Anständiges gelernt, müsstest du das hier nicht machen“. Ich musste ihn entfernen lassen, weil er nicht aufhören wollte. Es sind auch oft Blicke, mit denen Gäste zu verstehen geben: Du bist nicht auf meinem Niveau.

Welches Fazit hast Du daraus gezogen?
Es gibt keinen Job, den man zum Überleben nicht machen kann. Idealerweise sollte er Spaß machen, wie mir damals der Beruf als Fitnesstrainer.

Du hast viele Preise als Bodybuilder gewonnen und bist mehrmals Senioren-Weltmeister deiner Klasse geworden. Wie hält man sich so lange fit?
Egal, welchen Beruf man ausübt, macht sich das irgendwann bemerkbar. Vor allem, wenn man im Akkord arbeitet. Ich bin 2010 zum ersten Mal Weltmeister der Seniorenklasse geworden und das war eine absolute Überraschung. Da habe ich einfach auf meinen Trainer gehört. Das hätte ich nie gedacht.

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Lothar Curth: Die Hände eines Sportlers? Oder doch eines Dichters?

Der Untertitel Deines zweiten Buches lautet „Autobiographisches von einem aus der Unterschicht“. Du bist in Kreuzberg geboren und lebst seit 40 Jahren in Neukölln. Inwiefern war Deine Herkunft ein Hindernis?
Na ja, es gibt schon ein Klischee vom Toilettenmann, das es mir schwer machte. Und dazu kommt das des Bodybuilders. Die Leute denken, da kann man nichts im Kopf haben. Außerdem werden Menschen klassifiziert über die Sprache. Das ist mir auch passiert.

Inwiefern?
Während meiner kaufmännischen Ausbildung, vor meiner Karriere als Fitnesstrainer, hat mir jemand gesagt, es wäre besser, sauber zu sprechen. Das stimmt und ich rate Jüngeren heute auch dazu, ordentlich zu sprechen. Zwischendurch berlinere ich zwar manchmal, aber ich habe es mir versucht abzugewöhnen. Es kommt hinzu, dass ich vom Herzen her kein Berliner bin. Ich habe Berlin nie gemocht und wollte lieber in Westdeutschland leben, aber habe den Absprung nicht geschafft.

Du schreibst viel über Liebe und das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Wie bist du dazu gekommen?
Das Thema hat mich beschäftigt, seit ich von dem Buch „Der dressierte Mann“ gehört habe. Die Emanzipationsgeschichte ist ganz schön schief gelaufen für beide Seiten, für Männer und Frauen. Das alte Rollenverhalten funktioniert erwiesenermaßen besser und solche Beziehungen halten länger. Veronika Feldbusch sagt ja offen über sich selbst: Ich bin gerne eine Frau und ich bin gerne ein Püppchen.

Du findest, Frauen sollen besser Püppchen sein?
Eine Frau hat das Recht, glücklich zu sein. Und das wird sie besser in dieser Rolle als in der einer emanzipierten Zicke. Frauen sind doch eh Chefin in der Beziehung. Und manche haben einfach das diplomatische Geschick, es den Männern anders zu verkaufen.

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Lothar Curth lebt seit 40 Jahren in Neukölln

Du bezeichnest Frauen außerdem als „faul, frech und fordernd“. Meinst du das ernst?
Es gibt einfach viele Frauen, die denken, es reiche aus, schön zu sein. Während es eine Menge Männer gibt, die sich den Frauen zu sehr unterordnen.

Dein Buch kann man als Ratgeber für Männer verstehen. Hast du weitere Tipps für Männer, die unter Frauen leiden?
Man muss sich nicht verbiegen und sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen, der Frau zuhören. Sie entscheidet eh, ob sie ihn will und ob das was wird. Nicht umgekehrt. Außerdem sollten Männer nicht so angeben mit Eroberungen.

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