von am 31. Dezember 2011

Zum alten Krug

Neukölln steht seit Jahrhunderten für Kneipen- und Restaurantvielfalt. Bereits vor der Gründerzeit schossen Brauhäuser, Kneipen und Klausen aus dem Rixdorfer Boden und machten den Bezirk zur feucht-fröhlichen Einkehrmeile. Ein bebilderter Streifzug durch 100 Jahre Kneipenkultur.

Der große Theodor Fontane beschrieb in seinem Roman „Irrungen und Wirrungen“ das bunte Jahrmarkts- und Budenleben in Rixdorf in den 1870er Jahren. Er schien beeindruckt vom Trubel zu sein. Und er hatte allen Grund dazu. Neuköllns Wirtshäuser ziehen nicht erst seit dem aktuellen Run auf die Weserstraße die trinkfreudigen Massen der Hauptstadt an. Unsere historischen Bilder zeigen eine Vielfalt an Wirtshäusern und eine Kneipenkultur, die seines Gleichen sucht.

Schon 1543 stand an der Südseite des heutigen Hermannplatzes ein Wirtshaus, das später unter dem Namen „Rollkrug“ bekannt und geschätzt wurde. Seit 1737 diente das Haus als Pferdewechselstation und Wirtshaus. Und schon der „Alte Fritz“ (König Friedrich II von Preußen) soll hier wiederholt Rast gemacht und sich an der zünftigen Atmosphäre erfreut haben. Das Geschäftshaus, welches an die Stelle des 1907 abgerissenen Hauses trat, steht noch heute an der historischen Kreuzung Ecke Herrmann/Karl-Marx-Straße.

Viel weiter zurück geht die Geschichte des Gasthauses „Zum alten Krug“. Erstmals wurde das vermutlich älteste Rudower Haus 1375 in einem Landbuch erwähnt. Das Wirtshaus liegt gerade einmal drei Minuten Fußweg vom U-Bahnhof Rudow (U7) entfernt. Seine Zapfhähne werden auch heute noch von einem fleißigen Wirt und seiner bezaubernden Tochter bedient.

Die Gaststätte „Zur frohen Stunde“ am Britzer Damm 124 wurde vor dem 1. Weltkrieg von der Schrammar Familie aus der Taufe gehoben. Neben Tanzabenden und Versammlungen wurde das Wirtshaus besonders durch sportliche Boxkämpfe bekannt, die im angrenzenden Garten stattfanden. Der TSV Rudow und der Boxclub Hero organisierten diese Amateurkämpfe und der Sieger jeder Gewichtsklasse erhielt am Ende den „goldenen Handschuh“.

In unserer Bildergalerie finden sich noch weitere Schmuckstücke der Neuköllner Kneipenlandschaft. Ein Hingucker ist die „Gaststätte Blöke“ in der Emser Straße, die doch erhebliche Ähnlichkeit mit der allseits bekannten und mittlerweile abgerissenen Bar 25 besitzt. Den skurrilsten Namen trägt vermutlich das „Restaurant Bank Börse“, das bereits um die Jahrhundertwende und weit vor den aktuellen Szenekneipen und Restaurants auf der Weserstraße die hungrigen Mäuler stopfte.

Wir wünschen viel Spaß bei der nächsten Tour durch die Neuköllner Schankbetriebe.

 

Archivmaterial © Museum Neukölln

In Zusammenarbeit mit dem Geschichtsspeicher des

 

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