von am 23. November 2016

Seine Fassade kannte bis Ende der Neunziger jedes Kind in Neukölln. Zusammen mit dem Maler Gert Neuhaus blicken wir zurück und gehen auf Zeitreise zum Turnschuhhaus in die Flughafenstraße.

„Der Turnschuh fiel erst im letzten Moment“, erinnert sich Gert Neuhaus an den Hausabriss im Jahr 1998 an der Karl-Marx-straße Ecke Flughafenstraße. Er war dabei, als der Altbau Investorenplänen zum Opfer fiel, und damit auch der riesige gemalte Turnschuh auf der Seitenwand des Gebäudes zusammenstürzte – denn das Kunstwerk war von ihm. Das Bild war im Jahre 1984 entstanden und Gert Neuhaus, ausgebildet in Grafik und Ausstellungsdesign an der Hochschule der Künste Berlin, hatte sechs Wochen daran gemalt.

Wo geht’s denn hier zum Turnschuh?

Für die Neuköllner war das „Turnschuhhaus“ ein bekannter Orientierungspunkt. Sie mochten das Gebäude mit der „Verschnürung“, so betitelte Gert Neuhaus seine Fassadenmalerei gegenüber vom Rathaus Neukölln. Das Blau der angrenzenden Hauswände brachte ihn auf die Idee, einen Turnschuh in Jeansstoff zu malen. Es war reiner Zufall, dass unten im Haus ein Schuhgeschäft war. Nach dem Abriss klaffte jahrelang eine Lücke auf dem Bauabschnitt, seit 2003 stehen hier die Neukölln Arcaden, ehemals Forum Neukölln.

Die „Verschnürung“ ist nicht das einzige Gemälde von Neuhaus in Neukölln. In der Rollbergstraße gibt es eine Giebelmalerei mit märkischer Landschaft, zudem bemalte er eine fast 1.000 Meter langgestreckte Fassade gegenüber des Britzer Gartens am Buckower Damm.

Fitness-Gerüst

Gert Neuhaus ist mittlerweile über Siebzig. „Man hält sich damit auch fit“, sagt er und steigt immer noch aufs Gerüst. Seine beiden Söhne waren eine Zeit lang immer dabei. Einer von ihnen, Daniel Neuhaus, ist heute Architekt im Büro von Daniel Libeskind, doch wenn er Zeit hat, hilft er seinem Vater auch heute noch. Ansonsten bezeichnet sich Gert Neuhaus als Einzelkämpfer und hat keinen Kontakt zu Kollegen, die Hauswände bemalen wie er. Aber er hat einen Tipp für alle, die sich über die Fassadenmalerei in Berlin informieren wollen, ihnen empfiehlt er die Webseite von Norbert Martins.

Der Artikel ist erstmals am 3. November 2011 auf neukoellner.net veröffentlicht worden. Archivmaterial © Museum Neukölln – In Zusammenarbeit mit dem Geschichtsspeicher des

 

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