von am 28. Juli 2011

Vorhang auf für den zweiten Akt der „Zeitreisen“. An der Hasenheide hat ein Teil der „Neuen Welt“ bis heute überlebt. Schon Alfred Döblin war häufiger Gast an jenem Ort, „wo die Freudenfeuer brennen“.

In die Neue Welt (1929) von Alfred Döblin

Und sie stehen auf vom Sofa – Sie sind doch nicht krank, Herr, sonst gehen Sie zum Onkel Doktor – und wandeln lustig nach der Hasenheide, in die Neue Welt, wo es hoch einhergeht, wo die Freudenfeuer brennen, Prämiierung der schlanksten Waden. Die Musik saß im Tiroler Kostüm auf der Bühne. Sachte ging es: „Trink, trink, Brüderlein, trink, Lasse die Sorgen zu Haus, Meide den Kummer und meide den Schmerz, Dann ist das Leben ein Scherz, Meiden den Kummer und meide den Schmerz, Dann ist das Leben ein Scherz.“

Und das ging in die Beine, mit jedem Takt, und zwischen den Bierseideln schmunzelten sie, summten mit, bewegten die Arme im Takt: „Sauf, sauf, Brüderlein, sauf, Lasse die Sorgen zu Haus, Sauf, sauf, Brüderlein, sauf, Lasse die Sorgen zu Haus, Meide den Kummer und meide den Schmerz, Dann ist das Leben ein Scherz.“

Charlie Chaplin war in eigner Person da, flüsterte nord-östliches Deutsch, watschelte in den weiten Hosen mit den Riesenschuhen oben auf dem Geländer, faßte eine nicht allzu junge Dame am Bein und sauste mit ihr die Rutschbahn runter. Zahlreiche Familien kleckerten um einen Tisch. Du kannst einen langen Stock mit Papierpuscheln dran kaufen für 50 Pfennig und damit jede beliebige Verbindung herstellen, der Hals ist empfindlich, die Kniekehle auch, nachher hebt man das Bein und dreht sich um. Wer ist denn hier alles? Zivilisten beiderlei Geschlechts, ferner eine Handvoll Reichswehr mit Anschluß. Trink, Trink, Brüderlein, trink, lasse die Sorgen zu Haus.“

 

Alfred Döblin (1878-1957) war Arzt und gesellschaftskritischer Schriftsteller. Weltberühmt wurde er mit seinem Roman „Berlin Alexanderplatz“.

Das weitläufige Areal an der Hasenheide beherbegt heute einen Baumarkt, ein Spielcasino und einen Konzertsaal namens „Huxleys Neue Welt“.

Archivmaterial © Museum Neukölln

In Zusammenarbeit mit dem Geschichtsspeicher des


 

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