Von den hunnischen Reitern zur Einflugschneise des Flughafens Tempelhof: der Körner Park hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Eine Zeitreise durchs Neuköllner Mini-Versailles.

Als Franz Körner seine Kiesgrube den Bürgern der Stadt Rixdorf vermachte, hatte er sich kaum ausmalen können, dass der darin angelegte Park 100 Jahre später noch immer ein Ort der Erholung und Ruhe sein würde.

Damit konnten auch hunnischen Reiter nicht rechnen. Während der Völkerwanderung betteten sie einen ihrer gefallenen Männer samt dessen Pferd zweieinhalb Meter unter die Selke- Ecke Jonastraße in einer Gruft zur letzten Ruhe.

Gefunden wurde der Schwertkämpfer 1912 übrigens noch in Rixdorf, denn die Umbenennung in Neukölln fand erst vier Tage später am 27. Januar zum Kaiserlichen Geburtstag statt. Die Überreste und die eisernen Grabbeilagen befinden sich inzwischen in Mitte, im Märkischen Museum.

Der Namensgeber des Parks, Franz Wilhelm Theodor Körner hat von dem Fund und dem Trubel, der darum gemacht wurde, aber nichts mehr mitbekommen. Im Alter von 73 Jahren hatte ihn 1911 das Zeitliche gesegnet.

Vergleichslektüre

Die Bauarbeiten am neobarocken Körner Park unter der Leitung des Gartenmeisters Hans Richard Kullenberg dauerten noch bis 1916 an. Vermutlich hätten die hungernden Kinder und Witwen Neuköllns während des 1. Weltkriegs statt eines Mini-Versailles mit Orangerie und mächtigen handgeschmiedeten Treppen lieber etwas zu Essen bekommen. Viel Spiel und Spaß gab es in dem schicken Park damals ohnehin noch nicht. Die Verbotschilder,  die darauf hinweisen den Rasen nicht zu betreten, sind heute eher zu ignorierenden Erinnerungen früherer Tage verkommen.

Im zweiten Weltkrieg wurde der Park nur gering beschädigt. Die bis zu sieben Meter unter den angrenzenden Straßen liegende Anlage wurde schnell wieder instand gesetzt.

Der Körner Park um 1977

In den sechziger und siebziger Jahren wäre dem Park aber dennoch fast ein jähes Ende gesetzt worden. In der Einflugschneise zum Tempelhofer Feld verfiel die Anlage so stark, dass Teile zur Sicherheit für die Öffentlichkeit gesperrt werden mussten. Zu unserem Glück wurde anstatt das Gelände einfach aufzufüllen, 1977 beschlossen, die Baulichkeiten entsprechend der Originalpläne zu rekonstruieren.

Heute ist der Park ein Idyll der Kultur und Erholung. Im Sommer liegen Studenten, Familien und junge Verliebte auf den Grünflächen. Kinder planschen im Wasserspiel und werden von Neuköllner Rentnern auf den Bänken wehmütig beobachtet. Das Cafe im Körnerpark lädt auf der Terrasse zu Kaffee, Kuchen oder frischem Grillgut. In der ehemaligen Orangerie werden die Arbeiten lokaler und internationaler Künstler über das ganze Jahr hinweg in wechselnden Ausstellungen präsentiert. Die sommerlichen „Konzerte im Park“ sind ebenfalls seit Jahren eine kulturelle Institution.

Bei Nacht wird es durchaus gruselig in der mäßig beleuchteten Grube. Die letzten Besucher der „Parkgespräche“, einem regelmäßigen Neukölln-Talk im Kreativraum, begegnen nach der Veranstaltung nur noch furchtlosen Jugendlichen oder dem ein oder anderen Obdachlosen, der zu später Stunde seine Ruhe auf einer Holzbank sucht.

Weitere Informationen:

http://www.körnerpark.de

http://www.qm-koernerpark.de/

Archivmaterial © Museum Neukölln

In Zusammenarbeit mit dem Geschichtsspeicher des

 

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