von am 12. August 2011

1961-mauerbau-heidelberger-nkDramatische Szenen. Vor 50 Jahren wurde die Berliner Mauer errichtet und Neukölln zum Grenzbezirk gemacht. „Zeitreisen“ zu Bauarbeiten, Kontrollen, Ohnmacht, Schmerz und Flucht.

Ein letzter Zeitzeuge steht am Baumschulenweg. Einbetoniert in den Boden, eine Hütte, dazu ein massives Dach von Stahlträgern gehalten, verbarrikadiert und verrottet am östlichen Ende der Sonnenallee, wo einst die Sektorengrenze zwischen Treptow und Neukölln verlief. 50 Jahre nach dem Mauerbau steht der Grund der alten Tankstelle zum Verkauf. Bislang wollte niemand dieses Grundtsück am ehemaligen Grenzstreifen erwerben, um dort ein weiteres Mehrfamilienhaus zu bauen, wie schon so viele im ehemaligen Grenzgebiet der Sonnenallee seit der Wiedervereinigung hochgezogen wurden.

Heute: die Überreste einer Tankstelle am ehemaligen Grenzübergang Sonnenallee/Ecke Baumschulenweg.

Erblickt man das kantige Gebäude läuft einem zwangsläufig ein Schauer über den Rücken. Beim Gedanken an all diejenigen, die 100 Meter versuchten legal mit Visum über die Grenze zu kommen, um „drüben“ Freunde oder Verwandte zu besuchen. Die stundenlangen Kontrollen ausgesetzt waren, oder Verhören, falls verbotene Mitbringsel von den Grenzpolizisten konfisziert wurden. Und hier ein letzter Tankstop an der Mauer. Nicht weit vom Baumschulenweg entfernt starb Chris Gueffroy, als er im Feburar 1989 versuchte zusammen mit seinem Freund Christian Gaudian durch den Britzer Verbindungskanal zu flüchten. Gueffroy war das letzte Opfer an der Berliner Mauer durch den Einsatz einer Schusswaffe.

Offiziell bezahlten zwischen Treptow und Neukölln fünfzehn Menschen die Flucht mit ihrem Leben, darunter auch zwei Kinder, Jörg Hartmann zehn Jahre, und Lothar Schleusener dreizehn Jahre alt, beide erschossen am 16. März 1966 an der Kiefholzstraße, während sie versuchten durch einen Graben in den Westen zu gelangen. Mehr als vier Jahre zuvor begann am Morgen des 13. August 1961 der Bau der Mauer, die soviele Familien und Nachbarschaften auseinanderriss, dazu wichtige Verkehrsadern wie die Elsenstraße, die Wildenbruchstraße oder die Lohmühlenbrücke durchtrennte. Die Harzer Straße, in der die Mauer mitten auf der Straße verlief, erlebte dramatische Teilungs- und Fluchtszenen. Die Karl-Marx-Straße, der einstige „Boulevard des Ostens“ verlor an Bedeutung. Neukölln wurde durch die Mauer zu einem Rand- und Grenzbezirk.

50 Jahre später hat die Dame wieder freie Sicht: Harzer Straße/Ecke Onckenstraße.

Dank des Geschichtsspeichers des Museums Neukölln können wir 50 Jahre nach der deutschen Teilung, einen Eindruck vermitteln, was im August 1961 und den folgenden Monaten auf Westberliner und speziell auf Neuköllner Seite geschah. Bilder von Bauarbeiten, Kontrollen, Ohnmacht, Schmerz und Flucht.

Hier eine zusätzliche Auswahl interessanter Links zur Berliner Mauergeschichte:

Museum Neukölln
Chronik der Mauer
Berliner-Mauer-Gedenkstätte
Luftbilder der Mauer von 1989
Berliner Grenzkinos

Archivmaterial © Museum Neukölln

In Zusammenarbeit mit dem Geschichtsspeicher des


 

6 Kommentare:

  • Horst Anstatt sagt:

    50 Jahrestag der Berliner Mauer

    13 August 1961 Berliner Mauerbau, 20 August 1961 mit 19 Jahren Verhaftet, und am 28 August 1968 Freikauf durch die B.R.D.

    Todes – Mord – Mauer und mehr als 20 Jahren grässliches Vereinigungsunrecht, Opferdiskriminierung und Täterprivilegierung was vor 20 Jahren rot war ist heute Musterdemokrat.

    Einige Politiker aus der ehemaligen DDR werden am 50 Jahrestag der Berliner Mauer, scheinheilig ihre Taten wie schon Jahre davor, nachträglich bereuen und für die Opfern vielleicht so etwas wie Verständnis und Mitgefühl empfinden. Leiter treffen auch diese Punkt des Mitgefühl nicht auf viele ehemaligen SED,PDS, Linken zu.
    Sie haben es bis heute nicht für nötig gehalten, zur Aufklärung der Morde bei Hinrichtungen und Mauertoten beizutragen.
    Thema Reue – Fehlanzeigen Mitleid mit den Angehörigen der Ermordeten kennen sie nicht, Toleranz gegenüber Andersdenkenden, ein Zeichen demokratischer Gesinnung war der SED,PDS, Linken fremd.

    Die SED,PDS, Linken, können schreiben und sagen wass sie wollen: Kein Schwamm wischt das Blut der Mauer – Toten weg.

  • Wolfgang König sagt:

    Das Foto der „Barracke“, das ein letzter Zeitzeuge am östlichen Ende der Sonnenallee sein soll, ist falsch beschriftet. Die „Barracke“ war eine Tankstelle die für alle frei befahrbar war und hatte nie etwas mit den Grenzanlagen zu tun gehabt. Es gab dort nur 2 Zapfsäulen für Gemisch und Bleifreies Benzin. Die Tankstelle war von mindestens 1975, ab da habe ich meinen Trabi dort betankt, bis zur Wende in Betrieb gewesen. Warum die Tankstelle, einem zwangsläufig ein Schauer über den Rücken laufen lässt, verstehe ich nicht. Das ist ein Typenbau der 30ziger Jahre, der früher auf allen Autobahnen in der DDR vereinzelt noch anzutreffen war. Die wirklichen Grenzanlagen, einschließlich des Grenzübergangs befanden sich ca 100 Meter hinter der Tankstelle.
    MfG Wolfgang König

  • Fabian Friedmann sagt:

    Danke, Wolfgang! Wir haben die Berichtigung in den Text einfließen lassen. Wir freuen uns sehr, wenn sich Zeitzeugen melden.

    Bestes
    Fabian

  • […] hinaus zur Prachtstraße. Eine Allee, die zum Flanieren einlädt. Es bleibt eine kurze Blütezeit: Die Mauer wird gebaut. Dank ihr wird sie zur Einbahnstraße und Sackgasse, Bahnhöfe werden zu Endhaltestellen und der […]

  • […] erlebte die Sonnenallee eine Blütezeit, Geschäfte und Cafés eröffnen. Sie währt nur kurz: Die Mauer wird gebaut. Bahnhöfe werden zu Endhaltestellen, der Grenzübergang Todesstreifen. Viele Geschäfte machen […]

  • Juergen sagt:

    An Fabian Friedmann: zu Sonnenallee/Tankstelle/Baracke
    Es gibt tatsächlich noch ein Gebäude, welches an den Grenzübergang erinnert: die frühere Grenzübergangs-Wechselstube der Staatsbank der DDR, in der Westgeld gegen Mark der DDR getauscht wurde: Dies ist jetzt eine Minikneipe mit dem Namen „Zum Sonnenstübchen“, man findet das Gebäude vor der Tankstelle in Richtung Sonnenallee.
    Quelle: selbst erlebt.

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