von am 10. Mai 2014
Außenansicht Stadtbad

Postkarte von 1914

Vor genau einem Jahrhundert wurde das Stadtbad Neukölln eröffnet. Ein Blick in die Geschichte, zwischen klassizistischer Therme, Bildung für das Volk und einer Spur Hollywood-Glamour.

Neukölln vor 100 Jahren: Gerade erst war Rixdorf in Neukölln umbenannt und zur Stadt erklärt worden. Stadtbaumeister Reinhold Kiehl war in dieser Zeit emsig damit beschäftigt, seine Vision einer modernen und zeitgemäßen Stadt architektonisch und stadtplanerisch umzusetzen. Er erweiterte das Rathaus, baute Schulen, ein Krankenhaus, ein Kraftwerk. Zusammen mit dem Architekten Heinrich Best entwarf er das Stadtbad, das nach nur zweijähriger Bauzeit fertiggestellt wurde. Die Einweihung erlebte Kiehl jedoch nicht mehr: Er starb 1913 an einem Herzinfarkt.

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Bau der Dachkonstruktion, Quelle: Wikipedia/ONAR (CC Lizenz 1.0)

Zu Kiehls Vision des mondänen Neuköllns gehörte aber auch der etwas romantisch-verklärte Bezug zur Vergangenheit. Im Falle des Stadtbads orientierte er sich an Bädern der Antike. Der Grundriss ist etwa angelehnt an griechische Tempel und Basiliken. Auch die sieben Meter hohen Säulen, großzügigen Wandelgänge, Marmorvertäfelungen und andere Dekorationselemente entsprechen diesem griechisch-römischen Vorbild, genauso wie die zahlreichen Mosaike, die von der renommierten Neuköllner Firma Puhl & Wagner hergestellt wurden. Trotz des luxuriösen Erscheinungsbilds war es aber ein Bad fürs Volk. Möglicherweise hatten Kiehl und Best das römische Sprichwort „ein gesunder Körper in einem gesunden Geist“ im Kopf, als sie eine Bibliothek im Gebäude unterbrachten. Bis zu 10.000 Besucher zählte die gesamte Anlage jeden Tag, Männer in der großen Halle, Frauen in der kleinen.

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Beliebter Treffpunkt: Der Dachgarten.

Auch wenn optisch die Antike gepriesen wurde, die Technik war höchst modern. Das Wasser wurde erwärmt über eine Fernwärmeleitung, die vom 1,5 Kilometer entfernten Elektrizitätswerk am Weigandufer herüber führte. Das gesamte Konzept war bahnbrechend: So sah sich etwa die Verwaltung von Lichtenberg nach der Eröffnung des Stadtbads genötigt, ihre eigenen Pläne für ein Bad an das Neuköllner Vorbild anzupassen.

Es war sicherlich eine Zeit des Aufbruchs in Neukölln. Dies änderte sich nur wenige Monate nach der Eröffnung, als das Deutsche Kaiserreich im August in den 1. Weltkrieg eintrat. Viele Neuköllner kostete er das Leben – allein auf dem Garnisonsfriedhof Columbiadamm gibt es 7000 Gräber von Soldaten, die zwischen 1914 und 1918 gefallen sind.

Das Stadtbad nach 1945

Den 2. Weltkrieg überstand das Stadtbad ohne größere Schäden. Zwischen 1978 und 84 musste es aber schließlich umfassend saniert werden, gleichzeitig wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Zwischen 1961 und 2010 befand sich das Museum Neukölln in der ehemaligen Bibliothek. Heute unterscheidet sich das Bad kaum von seinem Erscheinungsbild von vor 100 Jahren. Darum wurde es wohl auch als Kulisse für einen historischen Film ausgewählt: In „Operation Walküre“ zieht ein Schwimmer seine Bahnen durch das Becken, dessen Grund ein Hakenkreuz ziert. Aber wie das oft so ist im Film: Das Emblem ist reine Fiktion.

Heute, am 10. Mai, gibt es eine Feier zum Jubiläum. Ab 17 Uhr finden Führungen statt, um 20 Uhr gibt es ein Konzert der Band Ulli und die Grauen Zellen. Anschließend sprechen der Bürgermeister Heinz Buschkowsky und Senator Frank Henkel Grußworte. Karten gibt es für 10 Euro an der Kasse des Bads. Außerdem hat die Deutsche Post einen Sonderstempel und eine Klappkarte entworfen, die ebenfalls an der Kasse erhältlich sind.

Quellen: Berliner Bäderbetriebe / Jürgen Hofmann / Uta Maria Bräuer, Jost Lehne: „Bäderbau in Berlin“ / Museum Neukölln (Fotos)
Archivmaterial, falls nicht anders genannt, ©Museum Neukölln – In Zusammenarbeit mit dem Geschichtsspeicher des

 

2 Kommentare:

  • […] Anlass einen Blick zurück zu werfen. Nebst einigen interessanten Fakten rund um den Bau gibt es in „100 Jahre Schwimmen und Schwitzen“ auch zahlreiche schöne historische Fotos des Stadtbades zu […]

  • Michael Schulz sagt:

    Moin Moin.

    Es gab bzw. gibt einen weiteren Spielfim mit Szenen die im Stadtbad Neukölln spielen: „Das Quiller-Memorandum – Gefahr aus dem Dunkel“ aus dem Jahr 1966. Sehr viele Szenen in diesem Film zeigen Berlin in den 60er Jahren. Soweit ich mich erinnere gab es auch mal einen s/w Film, der ebenfalls im Stadtbad Neukölln mehrere Szenen hatte. Es war ein Kriminalfilm, an dessem Titetel ich mich leider nicht mehr erinnere.

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