von am 11. August 2014
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Origami-Vögel an der Decke des Weserland.

Manche Dinge gehen einfach nicht gut zusammen: Sommer und Arbeit zum Beispiel. Wer dabei allein zuhause bleibt, weiß, dass das Arbeiten schwierig werden kann. Für alle, die anstatt daheim zu prokrastinieren lieber mit netten Leuten gemeinsam vor den Rechnern sitzen, stellen wir drei Coworking Spaces in Neukölln vor.

Fotos: Judith Winterhager

Agora Collective

Nicht weit von der U-Bahn Leinestraße hinter dem alten Wasserturm steht ein schmucker Backsteinbau, den das Agora Collective zu einem kreativen Gehirn auf mehreren Etagen umgebaut hat. Work – Art – Food, versammeln sich hier unter einem Dach. Wer reinkommt, steht erstmal in einem Küchenraum, der in jeder Living-Design Zeitschrift diverse Preise abräumen würde. Hier wird natürlich nicht nur Kaffee gekocht, sondern kulinarisch experimentiert und mit wöchentlichen Kochgemeinschaften viel Wert auf die „community“ gelegt.

Naturkunst und gemeinsames Essen

Zum Arbeiten kann man sich dann zwischen zwei Etagen entscheiden: „vibrant“ oder „silent“, je nachdem ob sich die Gedanken besser beim Reden oder beim stillen Tippen verfertigen. Morgan Sully, Coworking-Manager im Agora, sorgt dafür, dass sich hier alle wohlfühlen, was in der schick weiß getünchten und mit viel Naturkunst verzierten Industriearchitektur nicht so schwer fällt. Schönes Licht und nette Leute garantieren für Morgan eine super Arbeitsatmosphäre und zum gemeinsamen Essen sind auch Nicht-Coworker willkommen!

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Im Agora.

Fazit: High-End Coworking! Da muss beim Job auch was rausspringen. Hier ist alles so schön und perfekt, dass man am liebsten direkt Freelancer werden möchte, oder aber Lust bekommt, was an die Wand zu sprayen oder vor dem Bildschirm Erdnussflips aus der Tüte zu essen.

agoracollective.org
Mittelweg 50 – Öffnungszeiten: 24/7, Team vor Ort: Mo.-Do., 10-14 Uhr.
Preis: Die Monatspreise werden nach wöchentlichem Arbeitszeitumfang berechnet. Ein Tag kostet 16 Euro. Monatlich sind es 128 Euro (Part Time = drei Tage die Woche), 184 Euro (Full Time = bis fünf Tage die Woche) und 248 Euro für einen festen Schreibtisch.
Platz: Viel! Mit allen Co-workern, Künstlern und assoziierten Projekten arbeiten 50-60 Personen im Haus.
Besonderes: Großer Garten, wöchentliches gemeinsames Kochen und andere Gemeinschaftsaktivitäten.

 

Weserland

Vor dem Weserland Coworking Space hat jemand das liebevoll gezogene Blumenbeet verwüstet und auf einem Holzbrett ein diffuses Bekennerschreiben hinterlassen. Lustig findet Felix das nicht, hat aber gleich dazu geschrieben, was er vom Blumenumbringen hält. Vor drei Jahren hat er das Weserland gegründet und seitdem schon ein paar „Yuppies raus“-Graffiti und Farbbeutel abbekommen. Was macht man dagegen? Sich bei 48h-Neukölln engagieren, den Laden immer neu dekorieren, draußen sein und auch mal spontan ein kleines Jazz-Konzert auf der Weserstraße veranstalten.

Vom Professor bis zur Bachelorarbeit

Viele unterschiedliche Leute, die sich gegenseitig auf neue Ideen bringen, sind für Felix die Inspiration und der Ansporn für Coworking. Und guter Kaffe natürlich, denn ohne den antwortet Felix morgens nicht. Manche kämpfen sich hier durch ihre Bachelor-Arbeit und kommen nach zwei Jahren für den Master wieder. Auch ein Professor schreibt hier gerade an seinem nächsten Buch.

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Alle Vögel fliegen hoch im Weserland.

Fazit: Sympathisch, idealistisch, engagiert. Hier merkt man, wie wichtig es ist, die Dinge mit Liebe zu machen und dass die Zigarette vor der Tür genauso wichtig ist, wie der Tunnelblick vor dem Rechner. Wer nebenbei Lust hat, seinen Arbeitsplatz zu verschönern oder draußen neue Blumen sähen möchte, ist hier gut aufgehoben.

weserland.net
Weserstraße 21 – Öffnungszeiten: 24/7.
Preis: 10 Euro (Tag), 75 Euro (Monat), 200 Euro (Monat, für einen festen Schreibtisch).
Platz: Drei große Räume mit ausgesuchtem Vintage-Mobiliar und eine Küche, die eine Neuköllner WG kuschliger nicht hinkriegen könnte.
Besonderes: Für die Nerds eine „Magister ES 60“-Espressomaschine (drei Euro Kaffee-Flaterate), zwei Internetze, lustige Deko-Exprimente. Draußen auf der Holzbank um den Baum chillen und Weserkiezflaneure beobachten.

 

Nadelwald

„Jeder kann was, man muss nur etwas finden, das Spaß macht.“ Das ist Swantjes Motto und sie ist überaus kreativ im Finden von Dingen, die Spaß machen. In der Friedelstraße hat die gelernte Schneiderin und Modedesignerin den Co-Sewing-Space „Nadelwald“ gegründet. Hier ist für die Leute Platz, die gern mal etwas mit den eigenen Händen selber machen wollen.

Handarbeit, bei der die Chefin hilft

Die gute alte „Handarbeit“ hat sie damit aus der Oma-Ecke geholt und mittlerweile sogar schon mal Jungesellen-Abschieds-Gruppen zu Gast, die sich feucht fröhlich was für die kommende Hochzeit nähen. Viele andere, die hierher kommen, wollen ihr Lieblingsstück retten, oder weil sie sich nicht davon trennen können, das gleiche nochmal nähen – und es vielleicht sogar ein bisschen besser machen. „What you SEW is what you get“ – Swantje hilft auch dabei, wenn Ideen durch Hand und Maschine Stoff und Form bekommen.

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Nähmaschinen satt – das Nadelwald.

Fazit: Hier kann jeder zu den „Kreativen“ gehören, wenn man bereit ist, sich vom Sehen zum Selbermachen anstiften zu lassen. Wer von seiner echten (und ja meist bildschirmbezogenen) Arbeit einen handwerklichen Ausgleich sucht, ist im Nadelwald richtig, genauso wie alle diejenigen, die immer noch denken, dass „Handarbeit“ Oma-Kram ist und an Kleidung nur das Shoppen Spaß macht.

nadelwald.me
Friedelstraße 11 – Öffnungszeiten: Di.,Do. 10-18 Uhr, Mi.,Fr. 13-21 Uhr, Sa. 13-18 Uhr.
Preis: 9 Euro (Stunde), 38 Euro (Tag), 190 Euro (Woche), 360 Euro (Monat).
Platz: Großer Raum mit Nähmaschinen und großen Tischen für große Vorhaben.
Besonderes: Verschiedene Workshops (25-48 Euro + Material) und Unterstützung bei eigenen Projekten (12 Euro Sprechstunde). Eine ganze Menge Magazine, Bücher und Kleinkram, um das Selbermachergehirn zu inspirieren.

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