von am 1. März 2012

Johannes Mundinger: „His Most Exquisite Elaborations“, Foto: Idrawalot

Weltweit hat sich in Städten der erste Donnerstag im Monat lange schon als feste Einrichtung etabliert. Ein Tag, an dem die Galerien länger machen und das Kulturvolk Kunst kiekend durchs Städtchen ziehen kann: der „First Thursday“ ist in Neukölln angekommen.

Der „First Thursday“ oder lange Donnerstag hat hierzulande eine etwas andere Tradition, ist Relikt aus Zeiten von restriktiven Ladenschlussgesetzen. Eine kleine Revolution war das damals, als die Läden 1989 mit einem Mal bis spät in die Nacht geöffnet bleiben durften, also bis 20.30 Uhr! Sonst war um Punkt halbsieben das Licht aus. Bundesweit.

Aus Berliner Sicht darf man – nein, man muss sogar den 05. Oktober 1989 , den allerersten langen Donnerstag als prägendes historisches Ereignis im Kalender markieren. Der Schlado, wie er bald liebevoll von den betroffenen Mitarbeitern genannt wurde, also der scheißlange Donnerstag war nur der erste Schritt, der Anfang vom Ende des Ladenschlussges

etzes, bis die Angelegenheit 2006 den Ländern übertragen und in Berlin damit quasi völlig abgeschafft wurde. In der Hauptstadt haben die Folgen des 05. Oktober bis heute mehr Spuren im Stadtbild hinterlassen als womöglich der Mauerfall selbst, ein paar Wochen später. Was sind schon ein paar verrottende Betonbrocken, Hinweisschilder und eine lange Linie aus Kopfsteinpflaster gegen die bloße Zahl von Spätverkäufen in Berlin? Eben.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Die beiden Galerien Retramp und idrawalot Galerie haben es sich zur Aufgabe gemacht, den langen Donnerstag wieder aufleben zu lassen bzw. die Kunst- und Kulturvariante davon nach Berlin zu importieren. Nach Neukölln, um genauer zu sein. Neukölln läge einfach nahe, meint Verity Oberg von der Reptramp Galerie, weil man hier nicht nur wohne und die beiden Läden betreibe, sondern auch am liebsten seine Freizeit hier verbringe.

Die Läden, Galerien und Bars, die beim „First of the Firsts“, beim allerersten First Thursday teilnehmen, befinden sich überwiegend im Reuterkiez und rund um die Flughafenstraße. Man hoffe aber darauf, dass die Zahl und die Vielfalt der Teilnehmer stetig ansteigt und sich der Tag weiterverbreitet. Ob sich der monatlicher Rundgang als Überbrückung zwischen 48 Stunden Neukölln und Nachtundnebel etabliert und das nächste Mal vielleicht auch Schiller- und Körnerkiez involviert sind? Man wird sehen.

Nähere Informationen zu Teilnehmern und Programm auf der Facebookseite.

 

Ein Kommentar: