von am 4. August 2014

hallgren_rugsHigh Quality aus Low Tech. Die Designerin Moa Hallgren stellt aus alten Stoffresten handgearbeitete Teppiche und Möbel her. Produziert wird mit einer uralten Kulturtechnik: Weben.

Text: Ruth Wolter

Drei dezente Letter stehen über Moa Hallgrens Arbeitsstätte in der Reuterstraße 68: LUM. Es sind die Initialen des Textil-Duos Lisa und Moa. Hinzu kommt eine Anlehnung an das englische Wort für Webstuhl (weaving loom). In dem hellen Schaufenster hängt ein Teppich, der von der Decke bis zur Fensterbank hinunterreicht und von der Textildesignerin Moa Hallgren gewebt wurde. Ihr Webstuhl nimmt einen Großteil des Arbeits- und Schauraumes ein. Darauf ist keine Wolle gespannt, sondern bunte Stoffbahnen aus Textilien, die früher Kleidungsstücke oder Bettwäsche waren.

„Ich finde die Stoffe zum Beispiel auf dem Flohmarkt, wasche sie dann und mache etwas neues daraus“, sagt die gebürtige Schwedin. Als Kundin könne man auch mit einem eigenen ausrangierten Kleidungsstück zu ihr kommen, das sie dann zu einem Teppich webe. So produziert sie auch Arbeiten auf Wunsch ihrer Kunden. Ihre wohl bekannteste Auftraggeberin ist die Künstlerin Ulrike Ottinger. 2011 hat Moa Hallgren mit ihr für eine Ausstellung mit Textilmaterialien im Haus der Kulturen der Welt zusammengearbeitet. Am Ende der Ausstellung nahm Moa Hallgren die übrigen Stoffteile und webte einen Teppich, der nun im Besitz der Künstlerin ist. „Es ist ein funktionaler Teppich und gleichzeitig ein Erinnerungsstück“, so die 33-jährige Designerin.

Vor gut drei Jahren hat sie ihr Studium in Textildesign an der Hochschule Weißensee abgeschlossen. Zuvor konnte sie bereits weben. „In Schweden gibt es eine starke Webtradition. Viele Frauen aus der Generation meiner Oma haben einen eigenen Webstuhl“, erklärt sie. Ihr zweites Standbein ist derzeit eine Dozentinnentätigkeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Dort bringt sie den Studierenden das Weben bei.

„Low tech“, „nah“ und „ziemlich simpel“

Teppichdesign: Moa Hallgreen

Teppichdesign: Moa Hallgreen

Gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin, der Schneiderin und Textildesignerin Lisa Spengler hat Moa Hallgren unter dem Label LUM Möbel aus altem Sperrmüll und Stoffteilen hergestellt. Für ein Kindermuseum entstanden skulpturale Sitzmöbel aus alten Möbelstoffen und Schaumstoff. „Vielleicht könnte man schon sagen, dass es eine Neudefinition von Möbeln ist, was wir machen“, sagt sie vorsichtig.

Die LUM-Möbel und Moa Hallgrens Teppiche kamen sofort sehr gut an. Jedes Stück ist ein Unikat, das in Handarbeit und sehr nachhaltig produziert ist. So verwendet sie auch keine farblichen Zusatzstoffe. Moa Hallgren nennt es „low tech“, „nah“ und „ziemlich simpel“. Sie will sich nicht als Künstlerin bezeichnet wissen, sondern ganz klar als Designerin, die angewandte Produkte für den Markt herstellt. Das Ausprobieren und Experimentieren sei zwar wichtig, aber Ziel sei es, langfristig vom Verkauf leben zu können, sagt sie.

„Ich bin noch in der Aufbauphase“, fügt die junge Designerin hinzu. Es klingt erstaunlich bescheiden, dafür dass sie unmittelbar nach Abschluss ihres Studiums erfolgreich mit ihrem eigenen Label durchstartete. Als wolle sie nach dem rasanten Start erstmal richtig ankommen. Passend dazu weist sie explizit darauf hin, wo die schönen handgemachten Stücke letztendlich hingehören: auf den Fußoden.

MOA HALLGREN TEXTILDESIGN
Atelier LUM!
Reuterstraße 68, 12043 Berlin

www.moahallgren.com

Der Text ist ursprünglich in der März-/April-Ausgabe 2014 des L-Mag zum Thema Wohnen erschienen.

 

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