von am 25. März 2016

Nix da, Google-Koordinaten-Link: Per SMS luden sie einst zu illegalen Open Airs, heute feiert ACUD seine Record Release Party im Ke//er. Zeit für ein Gespräch über das Neuköllner Label, und: die Musik.

Text: Anna Blume

„Es ist schon eine verrückte Zeit gewesen“, meint Lasse Winkler, der vielen eher als ACUD bekannt sein dürfte, „als wir die Partys noch illegal veranstaltetet haben.“ Über einen SMS-Verteiler haben er und seine Freunde an Wochenenden zu Raves eingeladen, auf denen die feierwütige Partymeute solange tanzte, bis das Spektakel von der Polizei aufgelöst wurden. Um zu den geheimen Orten zu kommen, mussten mehrere hundert Personen schonmal gemeinsam über schroffes Gelände klettern.

Doch diese Art zu Feiern beinhaltet für ACUD auch einen konstruktiven Kern: Es sollte gefeiert, aber dabei auch etwas an die Gesellschaft herangetragen werden. Eine Art Utopie vielleicht. „Aber nicht so happy-hippie-mäßig und mit Tonnen von Konfetti übersät“, sagt ACUD. Eher so wie in der guten alten Punk-Kultur, in der die Sehnsucht nach Veränderung in der Abkehr vom Bestehenden zum Tragen kam.

Sich die Stadt und die Zukunft einfach nehmen, etwas anders machen und Leute dazu animieren – das erkenne man auch an der Musik. Im Gegensatz zu vielen elektronischen Künstlern in Berlin, geht es bei der Musik vom Ke//er Label nicht nur um das Gefühl von Glück in der Nacht, sondern auch um die Kraft, die solche Nächte einem manchmal mit nach Hause geben können. Die Sets und Tracks der Künstler sind treibend, schnell, mechanisch – minimal statt pompös.

Obstler und gemalte Kröten

Nachdem sich die Crew von den illegalen Partys draußen verabschiedet hatte und sich nach einem eigenen Ort umsah, fanden sie schließlich das Gemäuer in der Karl-Marx-Straße 58. „Der neue Platz liegt mitten im Wohngebiet und trotzdem gibt es keinen Stress mit den Nachbarn, weil wir von Anfang an darauf gesetzt haben, gut zu isolieren“, erzählt ACUD. Angekommen in der neuen Location, gründete ACUD mit CEDREI und anderen befreundeten DJs das heutige Ke//er Label.

CEDREI, die einzige Frau in der kleinen Labelfamily, ist zuständig für die Plakate und Artworks, die sie manuell gestaltet. In der Gründungszeit des Labels entstand bei vermehrtem Obstlerkonsum das Logo: eine Kröte. Die „Family“, wie ACUD das Label nennt, wächst und so tummeln sich heute rund zehn Menschen in dem Verbund herum, der sich mit den wöchentlichen Partys in der Kultstätte Ke//er (wo wir auch gern unsere Partys feiern) und dem Verkauf der Musik über Online-Plattformen finanziert. Zwar würden sie sich auch gerne den Wunsch erfüllen, Platten zu pressen, doch „in Zeiten, wo Musik hauptsächlich über das Internet vertrieben wird, ist das erstmal zweitrangig“, sagt ACUD.

Von Techno bis Deephouse

Die Ausrichtung des Independent Labels ist elektronisch, intern Astrotech genannt – eine Mischung aus melodischem Techno und Deephouse, die Klangbilder entstehen lassen. Nachwuchstalente wie Ben Böhmer, Nils Poensgen, BRIGADE oder Bongbeck finden hier Unterstützung von den alteingesessenen DJs. Schon etwas länger dabei sind Aparde, NICORUS, POWEL und Jozak Sander. Und auch international streckt das Label seine Fühler aus und arbeitet mit dem niederländischen Duo MONONOID und dem Kannadier GROJ zusammen.

ACUD, der über Umwege zum elektronischen Sound kam und in seiner Jugend lieber an Hip-Hop Beats bastelte, wurde beim seinem ersten Besuch des Fusion Festivals in Richtung Elektro getrieben und anfänglich von Techno-Urgesteinen wie Extrawelt beeinflusst. Sein Sound bewegt sich in den Feldern von großen, mal verzerrten und mal klaren Melodieläufen. „Wie ein Flug über Gebirgsketten“, meint ACUD lachend – visuelle Tanzmusik eben. Der Wahlneuköllner sieht die Natur als wichtige Inspirationsquelle und so gibt er auch seiner digital produzierten Musik mit seiner natürlichen Stimme, einen besonderen Drive.

Auch am Richardplatz habe ACUD eine besondere Inspirationsquelle gefunden, meint er, und verrät einen Geheimtipp: Im Comenius Garten – wo man klingeln muss um hineingelassen zu werden- seien immer ruhige Plätzchen zu finden, wo er gerne hingeht. Auch der Körnerpark hat es ihm angetan. Für seine neue EP ALDABRA hat er sich an der gleichnamigen unbewohnten Inselgruppe im Südpazifik orientiert. Das passt sich ein in das Astrotech-Ding und entführt in andere Welten.

Am Freitag, den 25.03, ab 0 Uhr feiert das Keller-Label wieder Label Night und den Release von ACUDs neuer EP ALDABRA am 04.04. Dazu geht’s ab in den – na ratet mal? – Ke//er natürlich. (Facebook-Event)

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