von am 14. August 2013


Im Körnerkiez eröffnete Anfang August ein ungewöhnliches Café: Zwei Katzen leisten den Gästen Gesellschaft, während sie Kuchen, Quiche oder das Katerfrühstück genießen. „Pelle und Caruso“ sind die Stars von Pee Pees Katzencafé und genießen die große Aufmerksamkeit.

Andrea Kollmorgen steht hinter der Theke ihres Cafés und lächelt in die Kamera einer Fotografin. Zwei junge Männer betreten das Café. „Wir sind vom VICE Magazin, ich hatte angerufen.“ Andrea nickt. Sie müssen sich etwas gedulden, denn der Andrang der Journalisten ist groß an diesem Morgen.

Zwei Wochen ist es her, dass Andrea Pee Pees Katzencafé unweit des Körnerparks eröffnet hat. Zwei Stubentiger, Pelle und Caruso, sind die Attraktion in der Thomasstraße 53. Die stressresistenten Katzen pilgern den Besuchern um die Beine, begrüßen Fremde und Freunde ohne Angst und ignorieren auch das ständige Klingeln des Telefons. „Ob ich eine Anzeige schalten will? Gegen Bezahlung? Nein, das brauche ich nicht, ich habe genug Presse hier, vielen Dank!“ sagt Andrea freundlich aber bestimmt und legt auf. Eine Freundin von ihr arbeitet bei einer Filmfirma und hatte kurzerhand eine Mitteilung über die Eröffnung des Katzencafés an die dpa geschickt, seitdem steht das Telefon nicht mehr still.

Katzenmama Andrea in ihrem Café

Die Besitzerin beklagt sich nicht über die große Aufmerksamkeit. Die letzten vier Jahre hat sie als Sekretärin bei einem Chemie-Unternehmen im Osten Berlins gearbeitet, dann kam die Kündigung, unerwartet und ohne Erklärung. Die Idee zum Katzencafés entstand beim „Herumspinnen“ mit Freunden und der Gewissheit, dass sie sich nicht mehr anstellen lassen möchte. In Japan sind Katzencafés bereits der letzte Schrei, in Berlin ist Andrea eine Vorreiterin.

Eigene Katzen dürfen jedoch nicht mitgebracht werden, diese Mitteilung geriet fälschlicherweise in Umlauf. Und „Pee Pee“ wird wie der deutsche Buchstabe „P“ ausgesprochen, denn es handelt sich um die Abkürzung von Pauken-Paule, dem weißen Kater von Besitzerin Andrea, der eines Nachts auf eine Trommel ihres Mannes sprang und dabei viel Lärm fabrizierte.

Pelle und Caruso leben im Café und bleiben dort auch über Nacht, das ist einer der vielen Gründe, warum die Behörden die Idee auf Herz und Nieren prüften. Andrea ist jetzt so etwas wie eine staatlich anerkannte Katzenmama. Die Tiere wurden vom Amtstierarzt durchgecheckt, auch den Stresstest haben beide mit Bravour gemeistert. Auflage war, dass die Tiere einen Rückzugsraum bekommen, und die Lebensmittel müssen in verschlossenen Vitrinen aufbewahrt werden. Aus Sicht der Behörden hat Andrea einen Mini-Zoo eröffnet.

Aufgrund des Andrangs stellte Andrea ihre Freundin Alex ein, die bereits bei der Dekoration des Ladens geholfen hat. Das finanzielle Risiko trägt sie aber alleine. „Ich bin auch pleite“, gibt Andrea zu Bedenken. Zu viele Sorgen muss sie sich bisher jedoch nicht machen. In den ehemaligen Räumen des Schwulenclubs „Die Trommel“ drängen sich Besucher und Journalisten um die Katzen, ihre Facebookseite hat schon fast 700 Likes, sie lief auf RTL und beim RBB.

Im Angebot sind selbstgemachte Torten und Kuchen, Quiche, Cupcakes und natürlich Kaffee in allen Variationen, denn vom Katzen Streicheln wird ja niemand satt. Glücklich jedoch machen die Fellknäuel auf jeden Fall, und Männer sind hier ebenso zahlreich vertreten wie Frauen. So reiste schon letzte Woche ein älterer Herr aus Oranienburg an, der selbst keine Katzen mehr halten kann. Er lag auf dem Boden wie ein kleiner Junge, schmuste mit Pelle und Caruso, und konnte sein Glück kaum fassen.

Pee Pees Katzencafé, Thomasstraße 53 in 12053 Berlin-Neukölln. 
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr, Samstag von 11 bis 22 Uhr, Sonntag von 12 bis 19 Uhr, Montag Ruhetag.

 

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