Ein weiteres Café hat in Neukölln eröffnet, das Café Ole in der Boddinstraße. Das Besondere an diesem: Der Wirt Sezer Yigitoglu ist gehörlos.
Intro
Sezer Yigitoglu ist 30 Jahre alt und in Berlin-Neukölln aufgewachsen. Der Kiez um die Boddinstraße ist seine Heimat. Im Juli 2012 eröffnete er sein Café Ole. Sezer ist seit seiner Geburt gehörlos und kommuniziert mit Gebärdensprache, liest von den Lippen ab und Gäste zeigen ihm ihre Wünsche auf der Speisekarte.
Interview
Wer sind die Gäste?
S: Es spricht sich in der Gehörlosenszene rum. Viele sind neugierig und kommen hier her. Wir hatten auch schon Leute aus Bielefeld hier. Aber die Mehrzahl ist schon hörend und es soll auch eine Art Kiez Café werden und nicht ein klassisches Behinderten Café.
Wie viel Gehörlose und wie viel Hörende kommen hier her?
S: Mehr Hörende. Es gab jetzt auch mal Gäste, die das gar nicht mitbekommen haben. Da gibt es manchmal lustige Missverständnisse, zum Beispiel, wenn er sich zur Kaffeemaschine umdreht und schon den Kaffee bereitet und die Gäste ändern dann plötzlich ihren Wunsch und verstehen überhaupt nicht, warum er nicht reagiert, weil sie es gar nicht mitbekommen haben, dass er nicht hört.
(Spunk): Mir ist es aufgefallen, dass fremdsprachige Touristen denken, es handelt sich um eine komische Sprache und das nicht als Gehörlosigkeit wahrnehmen.
Trauen sich die Leute rein oder gibt es auch Berührunhsängste?
S: Es ist umgekehrt. Ich hatte Angst.
(Spunk): Er wollte dieses Café unbedingt machen. Eine Woche vor Eröffnung fing er plötzlich an Panik zu haben. Das war die erste Woche, da war er ganz verschüchtert. Wobei ich denke, dass jeder der neu hinter dem Thresen steht verschüchtert ist aber er hatte relativ Angst davor.
Wie hat die Hausverwaltung reagiert?
S: Der Hausverwalter war so ein bisschen skeptisch, ob das mit einem Gehörlosen klappen mag und haben ihm aber super Konditionen gegeben und haben keine Probleme gemacht. Die Hausverwaltung hat ihm eine Glückwunschkarte gebastelt und einen Blumenstrauß zur Eröffnung vorbeigebracht.
Bekommst du eine Förderung?
S: Er bekommt ein Darlehn vom Integrationsamt aber das ist noch nicht ausbezahlt.
(Spunk): Da kann ich hinzufügen. Selbständige werden natürlich gefördert, wenn es bestimmte Voraussetzungen gibt. Wenn es ein vernünftiges Konzept gibt und das Jobcenter ja sagt. Er hat nur das Darlehn noch nicht bekommen, weil er der erste Behinderte zu sein scheint, der einen Laden gemietet hat. Jetzt können sie mit ihm nicht umgehen, weil wohl viele Schwerbehinderte von zu Hause aus arbeiten.
S: Aber ich bin sehr glücklich mit dem Laden.
Warum heißt das Café „Ole“?
S: Mein Hund heißt Ole. Die Leute, die ihn aufgenommen haben, haben ihn Ole genannt.
(Spunk) Das kann er aussprechen und dann hat er sein Café nach dem Hund benannt.
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