von am 2. Mai 2013

Von Kreuzberg nach Neukölln: In die ehemaligen Räumlichkeiten des „Cube“ auf dem Gelände der Kindl-Brauerei am Rollberg zieht das „SchwuZ“ ein. Und will sich bemühen, zur positiven Entwicklung im Kiez beizutragen.

Seit 2011 besitzt das Schweizer Ehepaar Burkhard Varnholt und Salome Grisard die ehemalige Kindl-Brauerei am Rollberg. Jetzt kann das Kulturzentrum, das dort entstehen soll, einen ersten prominenten Neuzugang präsentieren: Im Herbst zieht das Schwulenzentrum „SchwuZ“ vom Mehringdamm nach Neukölln – in die ehemaligen Räumlichkeiten des „Cube„. Etwa 1500 Quadratmeter, etwas weniger als die Hälfte der nur wenige Monate bestehenden Diskothek, werden angemietet. Für das SchwuZ ist das genug.

Neben mehreren Dancefloors und einer Lounge wird es nun die Möglichkeit geben, Ausstellungen zu organisieren. Auch eine feste Bühne für Konzerte ist im Gespräch. Ein konkretes Programm wird allerdings erst noch erarbeitet. Angst davor, genauso so zu enden wie das Cube, hat Geschäftsführer Marcel Weber nicht: „Wir haben jahrelange Erfahrung in der Organisation von Veranstaltungen und sind gut vernetzt.“

Im Rollbergkiez möchten sich die Betreiber bewusst einbringen. „Wir wollen Teil einer positiven Entwicklung im Kiez sein und werden pro-aktiv an unsere neuen Nachbarn herantreten“, sagt Weber. Denn trotz des starken Fokus auf kulturelle Aktivitäten, möchte das SchwuZ auch hier seine gesellschaftspolitische Arbeit weiterführen. „Ereignisse wie die Demonstrationen in Frankreich gegen die Homo-Ehe zeigten, dass solche Stimmungen schnell hochkochen könnten“, meint Weber. Auch hier in Deutschland: „Man fühlt sich zuweilen zu sicher.“

Keine Probleme

Für den Club ist der Wechsel nach Neukölln nicht der erste Umzug. 1971 gründet sich die „Homosexuellen Aktion West-Berlin“ im Umfeld des Regisseurs Rosa von Praunheim als Reaktion auf dessen Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt„. 1977 geht daraus das SchwuZ als gemeinnütziger Verein in der Kulmer Straße in Schöneberg hervor. Alle Mitarbeiter sind zu der Zeit ehrenamtlich engagiert. Neben den Partys ist es ein Ort der politischen Arbeit. Man betreibt AIDS-Aufklärung, es gründen sich der Buchladen „Prinz Eisenherz“ und das Magazin „Siegessäule„. 1987 zieht das SchwuZ in die Hasenheide, 1995 an den Mehringdamm. 1996 gründet der Verein aus Steuergründen eine GmbH und fungiert seitdem als regulärer Gastronomiebetrieb mit bezahlten Mitarbeitern.

Trotz der Vorfreude – ein wenig Zweifel bleiben am neuen Kiez. Weber: „Es ist dort noch nicht selbstverständlich, dass man als schwules, lesbisches oder queeres Paar durch die Gegend laufen kann. Zumindest haben viele Vorurteile. Ich kenne aber einige, die das schon tun und die haben keine Probleme. Dass dies eine Selbstverständlichkeit wird, ist Teil unserer Kultur.“

 

2 Kommentare:

  • […] die Fläche brach. Hin und wieder finden Kulturveranstaltungen in dem ehemaligen Sudhaus statt, das Schwuz zog es hierher, andere Clubs folgen. Bereits diesen Monat sollen über die Schotterfläche, nur einen Steinwurf […]

  • renate feder sagt:

    Könnten Sie so nett sein, und mir die mail-Adresse von Burkhard Varnholt oder Salome Grisard mitteilen?
    Ich bin Museumsfrau (Staatliche Museen zu Berlin) und würde gerne mit einem von den beiden in Kontakt treten.

    Besten Dank im voraus! Ich hoffe, dass Sie mir weiterhelfen können.
    Mit freundlichen Grüßen

    Renate Feder

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