von am 2. Dezember 2012

Vier Frauen aus Neukölln testen jede Woche ein neues Restaurant und schreiben darüber in ihrem Foodblog hungry young men. Kürzlich waren sie im Zio Felix in der Okerstraße. Eine gastronomische Entdeckungsreise.

Von Nele Lenz

Es passiert mir oft, dass ich vor einem Restaurant stehe, warte und mich frage, wie es wohl da drinnen aussieht. Meistens luge ich dann vorsichtig durch beschlagene Fenster und versuche einen freien Platz zu erahnen.

Beim Zio Felix ist das anders: Hier begegnet einem bereits auf der Straße italienisches Stimmengewirr, laute Live-Musik und der verführerische Duft von frischer Pizza. Noch bevor wir einen Platz erspähen können, öffnet sich die Tür und wir sind mitten drin, in der sehr kleinen italienischen Pizzeria.

 Nie wieder hinaus in die Straßen

Es passiert mir selten, sehr selten, dass ich ein Restaurant betrete und weiß dieser Abend wird gut! Vom ersten Moment an, als ich an einem der rustikalen Holztische Platz nehme und mich meiner dicken Jacken bis aufs T-Shirt entledige, fühle ich mich so herzlich willkommen, als wären Onkel Felix und ich alte Bekannte, die sich nun seit Jahren endlich wiedersehen. Vielleicht liegt es an der unglaublichen Wärme, die der riesige Steinofen verbreitet. Vielleicht auch an der freundlichen Art der italienischen Kellnerin. Ganz sicher hat es mit der Gruppe von Musikern zu tun, die sich am Tisch hinter uns versammelt haben und mit so viel Freude improvisieren und italienische Volkslieder spielen, dass man sie mögen muss.

In jedem Fall ist mir nach dem ersten Schluck Rotwein klar, nie wieder kehre ich zurück in die kalten Straßen des Schillerkiezes. Der Montepulciano d’Abruzzo wird hier automatisch mit einer Karaffe Wasser serviert, der wenig später ein Teller mit frischem Knoblauch-Oregano-Brot folgt. Bei Pizzapreisen ab 4,50 Euro sind gratis Vorspeisen eine ungewöhnliche, sehr positive Überraschung. Wir bestellen von den Wandkarten eine Pizza mit Gorgonzola, Birnen, Rucola und Parmaschinken, sowie eine Vegetale und eine Portion Penne Spinaci i Gorgonzola. Während wir auf das Essen warten, lauschen wir den Klängen der Gitarre und sind fasziniert vom Banjo – wollten wir das nicht schon längst mal lernen?!  Wir unterhalten uns noch ein wenig über italienische Musik  und beschließen, dass jedes italienische Restaurant einen guten Violinisten braucht!

Die leichte Schärfe des Rucola

Das Essen wird serviert und unsere Stimmung steigt weiter: Der Pizzaboden ist dünn und leicht, die Vegetale lecker. Auch die Penne munden vorzüglich. Beides wird von der Birnen-Pizza aber gnadenlos ausgestochen! Sie ist eine Wucht: Das süßliche Birnenaroma harmoniert sehr gut mit dem Käse und der leichten Schärfe des Rucola.

Während wir unser Essen genießen und den verschiedenen selbst angesetzten Ölen (von Chili bis Knoblauch) einem Geschmackstest unterziehen – Basilikum-Öl ist der klare Sieger – strömen immer mehr junge ItalienerInnen in das Lokal. Mehr und mehr fühlen wir uns als Teil einer italienischen Festa, irgendwo zwischen Venedig und Pascara, an einem lauen Sommerabend.  Sehr gerne nehmen wir jede ein Stück der überdimensionalen Nutella-Kokos-Pizza, die von der Kellnerin wie ein Geburtstagskuchen von Tisch zu Tisch getragen wird. Wir wollen bleiben, für immer, und die dritte Karaffe Rotwein bestellen, aber irgendwo im Hinterkopf sitzt dieses Stimme, die behauptet, dass wir nicht im warmen Italien sondern im kalten Berlin sind und Morgen ein Tag voller Arbeit, anstelle eines Tags voller Urlaub, auf uns wartet. Schweren Herzens lassen wir uns von den Musikern mit einem „Ciao bella, ciao bella, ciao, ciao, ciao“ verabschieden. Onkel Felix, wir sehen uns wieder!

 

Wo: Okerstrasse 35, 12049 Berlin
0176 59948695
Was gibt’s: Steinofenpizza, italienische Küche, auf Wunsch glutenfreie Pizza
Preise: Pizza ab 4,50 €, Pasta ab 4€, Salate ab 3€
Offen: Täglich 12 bis 24 Uhr oder länger…

 

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