von am 24. Februar 2014

Peppikase_KIn seinem Käseladen vertreibt Georg Weishäupl Käsespezialitäten aus Österreich und der Schweiz. Unter Berufung auf traditionelle Herstellung in kleinen Betrieben setzt er sich gegen massenproduzierten Einheitskäse ein – und für den Geschmack.

Wie die Löcher in den Käse kommen, hat sich wohl jedes Kind mal gefragt. Dank Internet gibt es darauf heute schnell eine Antwort. Wer wissen will, wie guter Rohmilchkäse aus den Alpen nach Berlin kommt, sollte stattdessen bei Georg Weishäupl nachfragen. Dieser ist nicht nur Betreiber der Bar Peppi Guggenheim, sondern auch Inhaber des namentlich angeglichenen Käselandes Peppikäse.

Dort werden nicht wahllos die klassischen Käsesorten aufgefahren, sondern hauptsächlich Käse aus Österreich und der Schweiz verkauft, besonders aus seiner Heimatregion Vorarlberg. Statt großer Namen setzt Weishäupl auf traditionelle Herstellung in kleinen Betrieben. „Mein Grundprinzip ist und bleibt, dass ich die Produzenten alle selber kennenlerne“, beschreibt er seine Vorgehensweise. „Ich möchte sehen, wie die produzieren, traditionell mit Rohmilch und Heufütterung.“

Alpenkäse an den Mann bringen

Freude an gutem Käse hatte er schon früher, als er noch in Wien lebte und zusammem mit einem Freund den Bekannten dort zwei bis drei Käselaibe pro Jahr aus der Heimat mitbrachte. „Der hat dann die Idee gehabt, dass es schön wäre, wenn die guten Käse, die man sonst nur kriegt, wenn man zu den Sennen wandert, an den Mann kommen“, sagt Weishäupl. Sein Freund gründete deshalb für den Käsevertrieb kleinerer Höfe die Online-Plattform kaes.at.

Was folgte war zunächst ein Marktstand in Wien. Vor viereinhalb Jahren kam dann der Umzug nach Neukölln. „Das Interesse war noch größer als wir gedacht haben und dann ist es gewachsen“, beschreibt er recht lakonisch die Entwicklung der letzten Jahre. Zunächst nur auf weiteren Wochenmärkten, verkauft er seit einem guten Jahr auch die gesamte Woche über in seinem Käseladen in der Weichselstraße.

Kleineres Stück, größere Zufriedenheit

Guter, nicht ganz billiger Käse und Neukölln. Das klang vor ein paar Jahren noch wie ein ziemlicher Widerspruch. Sind seine Käsekunden also alle gerade erst nach Neukölln gezogen? Weishäupl verneint. „Die hat es erstaunlicherweise auch schon vorher gegeben. Das ist ein bisschen ein Klischee, dass die Menschen in Neukölln sich früher nicht für gute Lebensmittel interessiert haben.“ Und fügt hinzu: „Die geben halt sogar einen größeren Teil ihres Einkommens dafür aus als in den Bezirken, wo es Geld gibt.“

Dabei gab es immer wieder auch Skeptiker, die es nicht gewohnt waren, dass ein Stück Käse soviel kosten kann. „Die kommen aber meistens alle wieder und dann kommt die Phase, in der sie sich beschweren, dass man sie quasi angejunkt hat und dass sie sich keinen günstigen Käse mehr kaufen wollen, weil er nicht schmeckt“, sagt Weishäupl mit einem Lachen. So ist er nicht nur Käseverkäufer, sondern gewissermaßen auch Missionar. Für guten Geschmack und traditionelle Herstellung und gegen Einheitskäse aus der Massenproduktion. Viele seiner Kunden hätten ihre Gewohnheiten verändert. „Die kommen früher oder später alle drauf, dass das ein anderes Lebensmittel ist und man mit einem kleineren Stück größere Zufriedenheit hat.“

Entwicklung mit Licht und Schatten

Dass sich Neukölln wandelt, bekommt auch er mit. Auf der einen Seite sei es in seiner Straße dadurch belebter geworden. „Die ganze Stimmung ist heller und besser. In den Neunzigern war hier alles tot und mittlerweile werden die Läden hier wieder bespielt.“ Noch seien die im Verhältnis zu anderen Bezirken eher bezahlbaren Mieten eine Chance – auch für ihn. Sein Konzept, den Käse möglichst günstig zu verkaufen und den Mitarbeitern gleichzeitig faire Löhne zu zahlen, ginge nur, weil er zurzeit bei der Miete noch etwas sparen könne.

Auf der anderen Seite bekommt jedoch auch Weishäupl die Schattenseiten der Entwicklung mit. Sein altes Käselager musste er aufgeben, nachdem ein Investor das Haus gekauft hatte und die Mieten deutlich stiegen. Glücklicherweise fand er gegenüber den noch bezahlbaren heutigen Standort seines Ladens. Was die enthusiastische Aufbruchstimmung der letzten Jahre anbelangt, ist Weishäupl jedoch skeptisch. „Ich glaube, dass nimmt jetzt gerade ein Ende“.

Peppikäse
Weichselstraße 65
Di – Sa von 10-14:00 & 16-20:30 Uhr geöffnet
www.peppikäse.de

 

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