von am 9. Februar 2015
Foto: Jacob Pritchard

Foto: Jacob Pritchard

Und plötzlich ist Marokko ganz nah: Im „bohazel“ im Schillerkiez gibt es Handgewebtes und Geknüpftes aus Nordafrika. Das stillt nicht zuletzt die Reiselust seiner Besitzer.

Von Katharina Pencz

In den letzten Jahren sind vor allem Cafés, Bars und Imbisse in die Ladengeschäfte des Schillerkiezes gezogen. Doch inzwischen sorgt zumindest das Schaufenster in der Kienitzer Straße 111 für etwas Abwechslung. Hier kann man bunt-gewebte Teppiche und geflochtene Körbe und Pflanzen in geknüpften Blumenampeln entdecken. Etwas unscheinbar hingegen klebt der Name des Ladens auf der Fensterscheibe: „bohazel“, ein Fantasiebegriff, den die Besitzer aus verschiedenen Spitznamen zusammengesetzt haben.

Fotos: Jacob Pritchard

Die beiden Besitzer, das sind Desiree Bühler und Chris Oesterle. Vor einem Jahr öffneten sich die Türen von bohazel zum ersten Mal, die offizielle Eröffnung wurde dann aber erst im Herbst 2014 gefeiert – zwischendurch kam der gemeinsame Sohn Onno auf die Welt. Seitdem kann man in dem kleinen Laden in Handarbeit gefertigte Produkte aus verschiedenen Ländern kaufen und so sein Fernweh stillen.

Pausieren vom Arbeitnehmerleben

Die Idee zu bohazel ist auf einer Südostasien-Reise im Jahr 2012 entstanden. Damals haben Desiree und Chris noch als Modedesignerin beziehungsweise Buchhändler gearbeitet. Beide wollten aber eine Pause vom Arbeitnehmerleben machen und gucken, was für Möglichkeiten das Leben noch zu bieten hat. Während ihrer dreimonatigen Reise ist ihnen dann ziemlich schnell klar geworden, dass sie Reisen und Arbeiten gerne miteinander verbinden würden. Zurück in ihrer Wohnung in der Sonnenallee haben sie sich auf die Suche nach einem Ladengeschäft gemacht. Dabei wollten sie unbedingt in Neukölln bleiben. „Der Schillerkiez hat einfach ein tolles Flair. Hier kennt man seine Nachbarn, nicht so wie auf der Sonnenallee, wo es viel anonymer und viel mehr Großstadt ist“, erzählt Desiree.

Handarbeit statt Massenware

Momentan finden sich im Sortiment vor allem handgefertigte Produkte aus Marokko. Denn bevor ihr Sohn geboren wurde, haben Desiree und Chris ihre letzte Reise in dieses nordafrikanische Land gemacht, um dort persönlich auf die Suche nach Herstellern zu gehen. In Zukunft soll die Ware auch aus anderen Ländern kommen und über das noch sehr textillastige Sortiment hinausgehen. Vorstellbar seien auch Möbel oder Schmuck, so die beiden. Wichtig sei dabei aber, dass die Produkte von kleinen Manufakturen oder Familienbetrieben handgefertigt werden. Massenware wird es bei bohazel nicht geben. „Uns interessiert besonders, wie die Leute arbeiten und welche Handarbeiten in diesen Ländern und Kulturen gemacht werden“, sagt Desiree. Auch die zurzeit ausgestellten handgewebten Teppiche, Schals und Decken sind Einzelstücke. Die Kissen werden beispielsweise aus den marokkanischen Stoffen von einer Berliner Näherin gefertigt. So lässt sich das Fernweh dann auf einmal ganz in der Nähe stillen.

Bohazel, Kienitzerstr. 111, 12049 Berlin, Mo-Sa 13-19 Uhr (Do geschlossen)

 

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