von am 11. März 2013

Nutzen statt Besitzen“: Unter diesem Motto ging es am Freitagabend um den Aufbau eines Neuköllner Tauschladens. Zu Besuch bei der Kick-off Veranstaltung.

Das „Trendthema“ Tauschen soll bald auch in Neukölln noch größere Bedeutung erlangen. Zumindest wenn es nach den Mitglieder der Gruppe LeihBar geht. Diese luden am Freitagabend in die Siebdruckwerkstatt Neukölln ein. Thema war die Gründung eines Tauschladens in Neukölln.

Unter dem Motto „Nutzen statt Besitzen“ ging es vor ca. 20 Interessierten zunächst grundsätzlich um das Thema „geteilter Konsum“. Zentrale Aspekte dabei waren etwa, dass man viele Sachen, die man besitzt, nur sehr selten braucht. Das zeigt etwa das Beispiel einer Bohrmaschine: Sie wird von ihrem Besitzer im Durchschnitt 13 Minuten lang effektiv benutzt. Die restliche Zeit über – also ca. 99,9% der Besitzzeit – liegt sie nur nutzlos in einer Werkzeugkiste herum. Wieso die Bohrmaschine also nicht mit anderen teilen? Das spart zum einen Geld, verringert gleichzeitig aber auch den Konsum und trägt so letztlich dazu bei, Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen.

Der Tauschladen als Schnittstelle

Diese Gedanken will auch die Gruppe LeihBar mit einem Tauschladen in Neukölln vorantreiben. Sie sehen sich mit ihrem Laden dabei zukünftig als Schnittstelle zwischen Besitzern und Leihern: Den Besitzern, die ihre Sachen nicht nutzen, nehmen sie die Lagerung ab. Den Leihwilligen geben sie die Möglichkeit, auf einen möglichst großen Fundus an Gegenständen jeglicher Art zurückzugreifen.

Erfahrungen mit Leihläden haben die Mitglieder bereits gesammelt, allen voran Nikolai Wolfert, Gründer des ersten Berliner Leihladens Leila in Prenzlauer Berg. Anders als bei diesem Projekt soll der Tauschladen in Neukölln aber nicht ehrenamtlich organisiert sein, sondern sich und die Mitarbeiter finanziell tragen. Im Vortrag heißt es dazu, man wolle so „das Ökonomische mit dem Sozialen verbinden“.

Konzept lässt einige Fragen offen

Wie das aber funktionieren soll bei einem Laden, dessen zentraler Aspekt das Leihen und Tauschen ist, fragen einige Gäste in der anschließenden Diskussionsrunde. Man wolle die nötigen Einnahmen unter anderem durch Mitgliedsbeiträge generieren entgegnet die Gruppe. Was aber sind die Nutzer bereit zu zahlen, wenn sie letztlich doch nur einmal im Jahr eine Bohrmaschine ausleihen? Genaue Kalkulationen habe man da bisher noch nicht angestellt, gibt Andreas Arnold, Mitinitiator der Gruppe, zu und sorgt so für manche Skepsis unter den Gästen.

Gibt es denn überhaupt schon Räumlichkeiten für den Laden? Bisher noch nicht, sagt Arnold. Vorgestellt hatte er sich aber ein Ladenlokal in der Nähe des Hermannplatzes. Dass dies die Umsetzung beim derzeitigen Immobilienmarkt natürlich nicht leichter macht, muss aber auch er eingestehen, was die Bedenken der Gäste nicht geringer werden lässt.

Doch gerade auch für solche kritischen Anmerkungen sei die Veranstaltung geplant gewesen, sagen die Initiatoren. Das genaue Konzept solle ja letztlich mit den Nutzern gemeinsam entwickelt werden. Zu einem nächsten Treffen lädt die Gruppe daher voraussichtlich für den 5. April wieder in die Siebdruckwerkstatt Neukölln ein.

Einige der Gäste werden wohl auch dann wieder vorbei kommen. In den neuen Newsletter jedenfalls tragen sich fast alle Anwesenden ein. Die Idee des Tauschladens gefällt scheinbar vielen. Die Pläne hingegen erscheinen derzeit noch äußerst vage.

 

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