von am 24. März 2014
Sieht aus wie eine teure Modeboutique, ist aber eine Vintage-Secondhand-Laden (Foto: Katrin Friedmann).

Sieht aus wie eine teure Modeboutique, ist aber ein Secondhandladen in Neukölln (Foto: Katrin Friedmann).

Secondhandläden sind dank Retrotrend inzwischen im Mainstream angekommen. Wir haben für euch in Kleiderkisten gewühlt und stellen eine exqusite – wenn auch nicht immer günstige – Auswahl an Shops vor.

Ob das Retrohemd aus den 70ern, die Trashjacke aus den 90ern oder ein Schmuckstück, das auch Oma tragen würde – was derzeit auf Neuköllns Straßen als hip gilt, ist gleichzeitig oft auch alt. Manche finden das todschick, andere einfach nur geschmacklos. Fakt ist: Vom Hiptstertrend profitieren vor allem die Secondhandläden. Sie haben das Image der muffigen Grabbelbuden abgelegt und sind zu wahren Modetempeln avanciert.

Auch in Nord-Neukölln finden Kleiderjäger inzwischen einige Anlaufpunkte für gebrauchte Stoffe. Neben den stylischen Vintage-Läden gibt es hier zum Beispiel einen gut sortierten Secondhandshop nur für Kinder und einen Tauschladen, der mit einem Null-Euro-Konzept überzeugt. Nach unserem Lesespaziergang im letzten Jahr haben wir für euch diesmal in den Klamottenkisten gewühlt und einige lohnenswerte (und leider nicht immer billige) Adressen für Kleidung aus zweiter Hand zusammengestellt.

1. Station: Rag and Bone Man, Briesestraße 9

Charmant präsentiert: die Mode im Rag and Bone Man (Foto: Max Büch).

Charmant präsentiert: die Mode im Rag and Bone Man (Foto: Max Büch).

Der Name ist bei diesem Laden auf keinen Fall Programm, denn Johanna aus Schweden und Maggie aus England verkaufen hier alles andere als Lumpen. Im Rag and Bone Man findet man Mode von den 50ern bis zu den 90ern. Besonders auf ihre Kosten kommen Liebhaber der 80er Jahre. Im hinteren Abschnitt des Ladens gibt es jedes Teil für 10 Euro; im vorderen Teil kosten die Kleidungsstücke bis zu 100 Euro – Labeladdicts finden hier zum Beispiel eine Jacke von Escada für 75 Euro. Wer vom Shoppen genug hat, kann sich in einer kleinen Kaffee-Ecke stärken. Angeboten wird nur Selbstgebackenes, wie zum Beispiel schwedische Zimtschnecken.

2. Station: Veist X Feed, Weisestraße 49

Veist gibt es jetzt auch nur für Männer (Foto: Laurent Hoffmann).

Veist gibt es jetzt auch nur für Männer (Foto: Laurent Hoffmann).

Nach dem Erfolg der Veist Kleidergeschichten haben Sandra und Anna im Oktober 2013 ihr Männersortiment aus dem Laden in der Selchower Straße ausgelagert. Statt bisher nur rund 100 Teile können sie in der zweiten Location in der Weisestraße, die sie sich mit dem italienischen Feinkostcafé Feed teilen, nun im Schnitt 250 Teile auf die Bügel hängen. Geboten wird den Herren sportliche und klassische Mode ab 8 Euro aus dem Vintagebereich. Die Kleidung bekommen Sandra und Anna auf Kommission aus der Nachbarschaft. Im Gegensatz zum Hauptgeschäft in der Selchower Straße stehen in ihrem Männer-Ableger allerdings nicht die Geschichten zu den Modeteilen im Vordergrund.

3. Station: Kleidertauschladen Jacke wie Hose, Mareschstraße 10

Die Macherinnen des Tauschladens tragen auf diesem Bild nur Kleidung aus ihrem eigenen Laden (Foto: Max Büch).

Die Macherinnen des Tauschladens tragen auf diesem Bild fast ausschließlich abgegebene Kleidung (Foto: Max Büch).

Mitten im Richardkiez betreibt die Crew vom Kulturlabor Trial & Error seit Mai 2012 einen Kleidertauschladen mit angeschlossener Nähwerkstatt. Abgegeben werden können dort immer Donnerstags von 15 bis 20 Uhr ungewollte Kleidung, Schuhe und Schmuck. Wer mag, kann sich im Gegenzug freimütig aus den Regalen des sympathischen Kiezladens bedienen. Für alle, die ihre Klamotten nicht loswerden, sondern verschönern wollen, ist die Nähwerkstatt im Tauschladen die richtige Adresse. Profis geben hier Inspirationen und Tipps zum Umnähen. An jedem zweiten Samstag im Monat kommen im Kleidertauschladen außerdem die Kleinsten auf ihre Kosten: Bei Kaffee und Kuchen wird Babykleidung (0-3 Jahre) getauscht.

4. Station: Oh Mini I am, Weserstraße 164

Netta zeigt eines ihrer Lieblingsstücke (Foto: Katrin Friedmann).

Netta zeigt eines ihrer Lieblingsstücke (Foto: Katrin Friedmann).

Online wie offline bietet Netta aus Finnland in ihrem Shop Oh Mini I am Vintage-Mode aus den vergangenen Jahrzehnten an. Die gelernte Grafikdesignerin will nicht verraten, woher sie ihre Second-Hand-Mode bezieht, betont aber, dass die Einzelteile aus aller Welt stammen und sorgfältig von ihr ausgewählt wurden. Das Ladengeschäft in der Weserstraße teilt sie sich zusammen mit den schwedischen Betreibern vom Let them eat cake, einem Vintageladen, der sich vor allem auf 70er Jahre Mode spezialisiert hat.

5. Station: Limonadenbaum, Reuterstraße 53

Für dieses Strickkleid findet sich bestimmt schnell ein Käufer. Nikola in ihrem Second Hand-Kinderladen (Foto: Katrin Friedmann).

Für dieses Strickkleid findet sich bestimmt schnell ein Käufer. Nikola in ihrem Secondhandladen für Kinder (Foto: Katrin Friedmann).

Im Oktober 2011 haben Ulrike und Nikola den Limonadenbaum in der Reuterstraße eröffnet und Neukölln damit um ein Geschäft für neue und gebrauchte Kindermode bereichert. Im vorderen Teil des Ladens hängen neben neuwertiger und fair produzierter Kinderkleidung für Jungen und Mädchen (zum Teil aus Eigenproduktion) auch Kuschelkissen, Mobilés, Schnullerketten und gehäkelte Teppiche aus Ziegenhaarwolle. Im gut sortierten Second-Hand-Bereich im hinteren Ladenabschnitt des Limonadenbaums findet sich Baby- und Kindermode ab Größe 44 (Frühchen) bis Größe 128 (ca. 8 Jahre). Die Stücke kosten zwischen 50 Cent und 50 Euro. Wer Glück hat, findet im Sortiment auch gebrauchte Fahrradsitze, Kinderwagenzubehör und Tragetücher zu erschwinglichen Preisen.

6. Station: Sing Blackbird, Sanderstraße 11

Ladeninhaberin Diana zeigt ihr derzeitiges Lieblingsstück, möchte aber selbst lieber unerkannt bleiben (Foto: Katrin Friedmann).

Ladeninhaberin Diana zeigt ihr derzeitiges Lieblingsstück, möchte aber selbst lieber unerkannt bleiben (Foto: Katrin Friedmann).

Eine Schnapsidee sei es zunächst gewesen einen Vintageladen mit angeschlossenem Café in Neukölln zu eröffnen, erzählt die gelernte Diplomwirtschaftsingenieurin Diana. Vor dreieinhalb Jahren haben sie und die Taschendesignerin Tasha trotzdem das Sing Blackbird in der Sanderstraße aufgemacht und den Schritt bisher nicht bereut. Neben Vintagemode aus den vergangenen Jahrzehnten bieten sie den Besuchern Kaffee, Snacks und seit neuestem auch kaltgepresste Detox-Säfte. An jedem dritten Samstag im Monat findet in dem Geschäft ein kleiner Flohmarkt statt.

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