von am 8. Oktober 2013

AWO s...CulturMitten in Neukölln und doch ein Geheimtipp: Das Restaurant s…cultur, ein Integrationsbetrieb der Arbeiterwohlfahrt mit Gourmet-Speisekarte.

Text: M. Hühn

In der Erkstraße zwischen der Sonnenallee und Karl-Marx-Straße fehlt nichts von dem, was das Neukölln-Bild der letzten Jahre geprägt hat: Handy-Laden, Internetcafés, 1-Euro-Shop, Nagelstudio und ein Lidl-Supermarkt. Die meisten Häuserfassaden sind mit grauem Staub patiniert, grüne Inseln gibt es nicht, viele Fenster sind verhangen. Tagsüber donnern Busse, PKWs und LKWs auf dem Weg nach Treptow vorbei. Am westlichen Ende liegt das Neuköllner Rathauses mit seinem Vorplatz, auch hier bestimmt wuselige Betriebsamkeit das Straßenbild. Gegenüber des Platzes sticht allerdings ein Gebäude aus der grauen Fassadenfront heraus: das AWO-Haus, das mit seinem neuen gelben Anstrich und den weißen Fensterkreuzen eher nach Italien als nach Nord-Neukölln passt.

In diesem Haus hat die „Arbeiterwohlfahrt-Südost“ ihre Geschäftsstelle und unten im Parterre befindet sich das Restaurant „s…cultur“. Es ist ein öffentliches Restaurant mit breiten Fenstern und einem hellen Gastraum, neben einer festen Karte gibt es täglich wechselnde Mittagsgerichte. Trotz der auffallenden Lokalität ist es immer noch ein Geheimtipp: „Wir werden nicht richtig wahrgenommen. Viele Leute denken, wir seien die Kantine der AWO“, erzählt Restaurant-Chef  Markus Kunz. Tatsächlich gehört das „s…cultur“ zur AWO, genaugenommen zur Tochtergesellschaft „AWO Essen und mehr gemeinnützige GmbH“. Das Restaurant ist ein Integrationsbetrieb, hier können Menschen mit Handicaps, die erfolgreich eine Gastronomie-Lehre absolviert haben, die nötige Praxiserfahrung sammeln. Die meisten MitarbeiterInnen, so Restaurantleiter Kunz, seien bei Bildungsträgern ausgebildet worden und hätten den stressigen Alltag in kommerziellen Restaurants, Hotels oder Cafés noch nicht kennengelernt. Zwar stünde den MitarbeiterInnen auch im „s…cultur“ mehr Einarbeitungszeit als anderswo zur Verfügung, gleichzeitig unterliege der Betrieb wirtschaftlichen Zwängen und die Gäste erwarteten den gleichen guten Service wie in jedem normalen Restaurant.

Frau Müller-Nestler, frisch ausgebildete Fachkraft im Gastgewerbe und eine der Mitarbeiterinnen im s…cultur sieht sich allerdings nicht wirklich unter Stress. „An den Schnitzel-Tagen wird es manchmal hektisch, ansonsten eher nicht. Ich arbeite gerne hier, die Kollegen und der Chef sind nett. Ich bin froh, dass es eine solche Einrichtung gibt. Es ist ein gutes Training.“

Tresen nach rechts

Innenansicht des Restaurants s…Cultur

Ursprünglich sollte es das „s…cultur“ gar nicht geben. Die AWO wollte die Gasträume, die in eineinhalb Jahren Bauzeit aufwendig renoviert wurde, an einen externen Betreiber verpachten. In der Geschichte des Hauses gab es bereits eine Pizzeria, einen Chinesen und ein deutsches Restaurant. Da sich kein geeigneter Pächter fand, überlegte die Geschäftsführung AWO, wie sie soziale Ausrichtung und Restaurantbetrieb verbinden könnte. Herausgekommen ist das „s…cultur“, ein Integrationsbetrieb, der neben seinen Speisen auch wechselnde kulturelle Veranstaltungen organisiert.

Der Gastraum ist mit schwarzen Ledersitzen ausgestattet, von vielen Plätzen aus kann man entspannt dem Treiben vorm Rathaus zusehen. Ein beliebter Treffunkt ist auch Sommergarten im Innenhof. Fernab vom Trubel der Erkstraße können die Gäste in aller Ruhe speisen und sich wie im Urlaub fühlen, denn sie blicken direkt auf den „Rixdorfer-See“, ein übergroßes Wandgemälde mit Wasser und Wald. Die AWO ist davon überzeugt, dass es sich um einen der „am häufigsten fotografierten Innenhöfe Neuköllns“ handelt.

Die täglich wechselnden Mittagsgerichte folgen einem festen Plan: montags Pasta, dienstags Schnitzel, mittwochs Salat (im Winter Eintopf), donnerstags Hackfleischspezialitäten und freitags Fisch. Restaurantleiter Markus Kunz legt wert darauf, dass alles frisch zubereitet wird, tiefgefrorenes Fleisch oder fertige Saucen sind ein No-Go. Die Preise sind moderat, ein Mittagsgericht kostet maximal 5 Euro.

Etwas tiefer in die Tasche müssen die Gäste für die Teilnahme an den monatlichen Gourmetabenden greifen, an denen allerdings auch viel geboten wird. An diesen Abenden wird im „s…cultur“ ein 5-Gänge-Menu serviert, zu jedem Gang wird ein anderer Wein gereicht. Untermalt werden die Veranstaltungen von Künstlern – Musikern, Zauberern oder Kabarettisten – die auf der Bühne im hinteren Teil des Restaurants auftreten. Knapp 50 Euro kostet die Teilnahme, Essen, Kultur und Weine inklusive. Die Karte richtet sich dabei nach dem Motto des Abends. Markus Kunz: „Im Januar hatten wir einen Heinz Erhardt-Abend. Der Nachtisch hieß „Willi wills wissen“, es gab gebackene Williamsbirne gefüllt  mit hausgemachtem Mohneis“.

Restaurant s…cultur
Erkstraße 1 (U-Bahn U7, Rathaus Neukölln)
Tel.: 030 – 613 963 61, info@awo-scultur.de,
www.awo-scultur.de
Öffnungszeiten: Mo-Sa 11 – 23 Uhr (So & Feiertags geschlossen)
Das Team bietet für Veranstaltungen außer Haus auch einen Catering-Service an. Außerdem kann das s…cultur für Feiern gemietet werden.

Für die Sommerausgabe haben alle Neuköllner Kiezzeitungen einige ihrer Seiten dem gemeinsamen Thema “Essen in Neukölln” gewidmet – wir haben für neukoellner.net daraus ein kleine Serie gemacht. Dieser Text ist ursprünglich in der Stadtteilzeitung “Walter” des Quartiersmanagements Gropiusstadt erschienen.

 

Ein Kommentar:

  • Gabriele Snyder sagt:

    Gibt es Vegane Speisen ? Und, Speisen OHNE Schweinefleisch ?
    Das fänd ich persönlich zu berücksichtigen…
    ansonsten, tolle Sache

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