von am 20. August 2014
Frauke Krahnert, Foto: Sandy Volz

Frauke Krahnert, Foto: Sandy Volz

„Wenn du gutes Design machen willst, guck, was auf der Straße passiert.“ Designerin Frauke Krahnert macht Möbel inspired by the streets of Neukölln.

Text: Ruth Wolter

Frauke Krahnert nimmt als erstes ein großes Stück Feuer-Holz in die Hand und legt es in das lodernde Feuer des Ofens. In ihrem Geschäftsraum „Maison du Bonheur“ in der Bürknerstraße ist fast alles aus Holz. Denn damit beschäftigt sich die Möbeldesignerin hauptberuflich. Seit zehn Jahren ist sie selbständig als Produkt- und Grafikdesignerin, vor sechs Jahren hat sie ihr Studio in Neukölln eröffnet.

Spezielle Vorliebe für Holz

Frauke Krahnert setzt sich auf einen Holzstuhl, den sie selbst gebaut hat. Ihre Handflächen liegen ruhig auf dem quadratischen Tisch vor ihr. „Als letztes habe ich eine Küche gebaut“, sagt sie. Die heutigen Besitzer hat sie in allen Details beraten, Entwürfe gezeichnet, das Material selbst beschafft und bearbeitet und die einzelnen Möbelteile an jede Unebenheit und Gegebenheit des Raumes angepasst. „Ich habe schon meine speziellen Vorlieben an Holzsorten“, sagt sie. „Wenn ich meine Kunden berate, ist das ein intensiver Austausch, bei dem ich auf die speziellen Wünsche eingehe, aber auch viel von mir selbst einbringe.“

Design: Frauke Krahnert, Foto: Sandy Volz

Die Farben von Frauke Krahnerts Boxen-Regal sind variabel austauschbar, Foto: Sandy Volz

Dabei geht es nicht darum, einen aktuellen Trend umzusetzen, sondern um die Frage: was will der Mensch, der vor ihr sitzt. Fraukes Kunden wollen vor allem gute Qualität, Einzigartigkeit und Langlebigkeit. Alles außer austauschbarer Massenware. Ein Name steht nicht darauf, kein Fairtrade Label, keine aufgeblasene Vermarktung findet man bei ihr.

Kontakte sind Vertrauensverhältnisse

Sie bekommt ihre Aufträge auf Empfehlung, über Beziehungen. Die Kunden kennen sie persönlich und wohnen größtenteils in der Umgebung. Einige sind Kreuzberger und Neuköllner Eigenheimbesitzer, die ein Bewusstsein für gute Qualität haben und sich diese auch leisten können. Kontakte und Beziehungen sind für die selbständige Designerin nicht nur wirtschaftlich wichtig. Es sind solide Vertrauensverhältnisse, die mit der Zeit gewachsen sind.

Wie die Beziehung zur Wohnung oder zum eigenen Möbelstück wächst, wenn es den Besitzer lange begleitet. „Meine Eltern haben heute noch Möbel, mit denen ich aufgewachsen bin“, sagt Frauke Krahnert, die eine Tischlerlehre in Ludwigshafen absolvierte und Anfang der 90er Jahre nach Berlin zog und in Potsdam Kommunikation- und Produktdesign studierte. Einer ihrer Lehrer riet ihr: „Wenn du gutes Design machen willst, guck, was auf der Straße passiert“.

Im Regal: ein Bild von Rosa Bonheur 

Auf den Neuköllner Straßen passiert sehr viel und so gründete sie hier 2008 ihre „Maison du Bonheur“. Benannt hat sie es nach der Malerin Rosa Bonheur, die als erste Frau Mitte des 19. Jahrhunderts im öffentlichen Leben Hosen trug. Ein Bild von ihr steht in einem Holzrahmen auf Fraukes Boxen-Regal. Das Regal besteht aus tragenden Seitenwänden und herausnehmbaren, farbigen Holzplatten, an Vorder- und Rückseite, die als Schiebetüren funktionieren. Sie nimmt eine Platte heraus und dreht sie herum: hinten ist sie grün, vorne blau. So ist die Farbe des Möbelstücks variabel.

Wenn Frauke Krahnert über ihre Produkte spricht, dann drückt sie das nicht nur durch Wörter aus, sondern mit ihrem ganzen Körper. Sie steht auf, nimmt den Stuhl auf dem sie gerade noch saß in die Hand, hält ihn hoch und zeigt, worum es erstmal und ganz konkret geht – um Möbel aus Holz. Solides, beständiges, lokal verarbeitetes Lärchen- oder Eichenholz, das sie selbst bearbeitet hat und das ewig hält. Kein Zweifel, keine Frage.

MAISON DU BONHEUR
Studio für Gestaltung

Bürknerstr.31, 12047 Berlin
maison-du-bonheur.com

Der Text ist ursprünglich in der März-/April-Ausgabe 2014 des L-Mag zum Thema Wohnen erschienen.

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Ein Kommentar:

  • Ursula Frohne sagt:

    Liebe Frau Wolter,

    ob ich Sie über diese Adresse noch erreiche, ist wohl fragwürdig, aber ich versuche es dennoch:

    Sie hatten 2007 eine Magisterarbeit über Stan Douglas an der Universität zu Köln unter meiner Betreuung geschrieben. Ich würde diese Arbeit gerne noch einmal sichten, da ich in dem Bereich der installativen Projektionsräume weiter forsche. Vor allem wäre mir daran gelegen, dass Ihre Arbeit in der Bibliothek des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln mit einem Exemplar vertreten ist. Ich hatte schon beim Prüfungsamt nachgefragt, aber dort wurde mir mitgeteilt, dass die Examensarbeiten nach 5 Jahren Archivierung vernichtet werden. Dies finde ich äußerst schade, da hiermit die Forschung, die an unserem Institut geleistet wurde, nicht mehr nachvollziehbar ist. Hätten Sie eventuell noch ein Exemplar, dass Sie uns zur Verfügung stellen könnten? Unsere Bibliothekarinnen würden Ihnen dann ein Formular zusenden, das Sie unterzeichnen. Zugleich würde sicher gestellt, dass Ihre Arbeit nicht im Freihandbereich zugänglich ist, sondern nur auf ausdrückliche Anfrage einsehbar wäre. Jeder der die Arbeit sichtet, wird registriert und unterzeichnet eine Erklärung, die sicher stellt, dass nicht plagiiert werden kann. Es wäre wirklich schön, wenn Ihre Arbeit auch in der Reihe der Qualifikationsarbeiten, die im Bereich Videoinstallation und cinematische Photographie am KHI entstanden sind, dokumentiert wäre.

    Gerne stehe ich Ihnen bei Fragen zur Verfügung. Hoffend, dass es Ihnen gut geht und mit sehr herzlichen Grüßen,

    Ihre

    Ursula Frohne

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