von am 20. Oktober 2014
In der Fleischerei – Kasapta

In der Fleischerei – Kasapta

„Türkisch für Anfänger”, Lektion fünf: Wir besuchen eine Fleischerei, lernen etwas über Schnittführung und das Opferfest. Und die türkischen Zahlen gibt’s dazu!

Schon mal was von Schnittführung gehört? Deniz jedenfalls ist eine Expertin in Sachen Fleichzerteilung – sie hat eine wissenschaftliche Arbeit darüber verfasst –, was unserer fünften Lektion zugute kommt. Allerdings geht es darin weniger um Blutiges, als um die Bezeichnungen der einzelnen Fleischteile plus ein wenig Etymologie.

Der Anlass: Im Oktober war Opferfest, türkisch „kurban bayramı“, und an diesem höchsten islamischen Feiertag werden nicht nur Tiere geopfert – in Gedenken an Abraham, der bereit war, seinen Sohn Ismael hinzugeben –, sondern auch verzehrt. Deshalb haben wir eine Fleischerei in Neukölln besucht und uns erklären lassen, was da so alles in der Theke liegt, und was verspeist wird an diesem Tag.

Und damit ihr tatsächlich gewappnet seid für die nächste Bestellung, gibt es die türkischen Zahlen gleich dazu!

Apropos Opferfest: Das Schächten bleibt weiter in der Diskussion. In dem Laden, den wir besucht haben, ist das Fleisch laut Zertifikat „helal“, zumindest „sofern diese mit den deutschen tierschutzrechtlichen Auflagen vereinbar sind“.

 

Lektion fünf: In der Fleischerei – Kasapta

Passend zu unserer letzten Lektion über den Ramadan bleiben wir noch bei den türkischen Feiertagen und möchten euch noch nachträglich „Kurban bayramınız kutlu olsun!“ wünschen. Gesegnet sei euer Opferfest.

Und zu diesem Anlass wollen wir uns in dieser Lektion dem kulinarischen Teil des Opferfestes einmal aus sprachwissenschaftlicher Sicht nähern. Dazu wollen wir uns erst einmal anschauen, was es denn so alles bei einem türkischen Fleischer gibt:

Kaburga, but, incik, kol …

Antrekot, fileto, pançeta, tranş, kontrfile?

Das ist doch nicht türkisch meint ihr? In gewisser Weise habt ihr Recht! Bei einigen Fleischteilen gibt es tatsächlich Bezeichnungen französischen Ursprungs. Das liegt u.a. an dem regen kulturellen und wirtschaftlichen Austausch zwischen Frankreich und dem Osmanischen Reich im 19. Jahrhundert. Besonders bei den Namen für die Schlachtteile des Rindes macht sich das bemerkbar. Man kann hier beobachten, dass die sogenannte Schnittführung wesentlich feiner ist, als bei den klassischen türkischen Schlachttieren Hammel und Lamm. Bei den beiden letzteren sind dementsprechend die Namen für die Fleischstücke auch eher türkischen und nicht französischen Ursprungs.

Hier findet ihr ein paar Beispiele wie ein Rind, ein Kalb, ein Hammel und Lamm in der Türkei zerlegt werden können und wie die einzelnen Teile heißen.

RindHammelLammKalb

Die Fleischteile von Rind bis Hammel
(Quellen: www.elimesaglik.com/tr/makaleler/etler-ve-ozellikleri/52-sigir-eti-ve-ozellikleri.html, www.kilicarslanet.com/et_haritasi/kuzu_eti_haritasi.html, www.kilicarslanet.com/et_haritasi/dana_eti_haritasi.html, www.liderpaylasim.net/hayvanlar-bitki-dunyasi/et-cesitleri-ve-bolgeleri-t2479.html; Stand 2.6.2012)

Nun aber zurück zu unserer Neuköllner Realität.

Was genau hat denn der türkische Fleischer hier im Angebot? Und was ist am beliebtesten? Und was gibt es zu kurban bayramı?

Deniz bestellt

Deniz bestellt

Talha erklärt uns das Angebot in der Fleischtheke und ich bestelle: „1 Paket Lammkottelets, ½ Kilo fettarmes Lammgulasch.“

Kleine Zahlenkunde für den Einkauf

Aber wie heißen eigentlich die Zahlen im Türkischen und wie werden sie gebildet?

Zugegeben die Zahlworte haben wirklich keine Ähnlichkeit mit irgendeiner europäischen Sprache. Man muss sie also einfach auswendig lernen. Reime helfen dazu oder feststehende Wendungen, die mit einer Zahl verknüpft sind, wie „vier Jahreszeiten“ oder ähnliches. Oder wir merken sie uns einfach anhand von Mengenangaben in Rezepten!

Erst aber lese ich euch die Zahlen einmal vor, die in der nachfolgenden Liste stehen!

Zahlenliste

Nun zur Bildung:

Die Zehner setzen sich aus dem Wort für zehn, also „on“ plus dem entsprechenden Einer-Zahlwort zusammen, z.B. für zwölf „on iki“. Bei zwanzig, dreißig usw. verhält es sich genauso. Nimmt man z.B. „otuz“ für dreißig plus z.B. „beş“ für fünf, schon hat man „otuz beş“ also 35.

Bei den Hunderten ist es genauso: erst der Hunderter, dann der Zehner und dann der Einer. Für 128 erhalten wir also „yüz yirmi sekiz“. Wenn wir in Hunderterschritten weitergehen, fügen wir vor das Wort für Hundert also „yüz“ einfach den entsprechenden Einer davor. Zweihundert heißt somit „iki yüz“.

Und bei den Tausendern ist es genau das gleiche Prinzip!

Also im Vergleich zum Deutschen ist das türkische Zahlenprinzip wesentlich einfacher gestaltet! Nur die Wörter sind eben neu. Aber ihr könnt ja fleißig üben in den türkischen Läden Neuköllns!

Die Zahlen und die Fleischbezeichnungen kennt ihr ja jetzt. Die Wörter für Gramm und Kilo sind im Übrigen die gleichen wie im Deutschen: gram ve kilo.

Sprachkurs: Deniz Julia Güngör; Konzept, Texte, Sounds, Fotos: Deniz Julia Güngör, Cara Wuchold; Illustrationen: Katrin Friedmann

 

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