von am 27. März 2012

Die Ehrenfeier für die Neuköllner Meister des Sportjahres 2011 wurde zur großen Show: In der Bezirkssporthalle des Werner Seelenbinder Sportparks feierte Neukölln vergangenen Freitag seine erfolgreichsten Athleten. Insgesamt gaben sich 651 Sportler des Bezirks ein Stelldichein, darunter Teams so illustrer Randsportarten wie Armbrustschießen und Kunstradfahren.

Aufgrund des großen Andrangs platzte die Sporthalle an der Oderstraße aus allen Nähten. Bürgermeister Heinz Buschkowsky ließ es sich natürlich nicht nehmen, eine Laudatio auf die Neuköllner Athleten abzuhalten: „Immer wenn Neuköllner Vereine antreten, klappern dem Gegner bereits in der Kabine die Knie.“ Und dies sei ein Naturgesetz. Hört, hört!

Da fragte sich der Zuhörer nun, ob der Bürgermeister hier die sportliche Leistungsstärke gemeint hatte oder die teilweise harte Gangart so mancher Kids auf den Bolzplätzen Neuköllns. Nach dem Tod Jussefs und einer kürzlich verübten Masserattacke blieb da so Manchem der Lacher im Halse stecken. Sei’s drum: „Wo Neukölln ist, ist vorne“, wusste Buschkowsky seinen Wahlspruch aufzusagen. Und bei so vielen Siegern vor Ort wollte ihm an diesem Abend niemand widersprechen.

Durch die Veranstaltung führte die Stadträtin für Kultur, Sport und Schule Dr. Franziska Giffey, die an der Seite der Vorsitzenden des Sportausschusses, Violetta Barkusky-Fuchs, die Ehrungen vornahm. Auch Charmeur Buschkowsky wusste: „Den Damen gehört die Show des heutigen Abends.“ Um kurze Zeit später erneut das Mikrofon zwischen seinen Fingern zu halten: „Danke an die vielen ehrenamtlichen Helfer. Sport ist eine der besten Präventionen gegen Gewalt und Rassismus“, erklärte Buschkowsky. Dieser Bogen musste wohl gespannt werden, ehe im Anschluss Franziska Giffey den offiziellen Teil des Abends eröffnete.

Von links: Violetta Barkusky-Fuchs, Dr. Franziska Giffey und Schwimmerin Dorothea Brandt.

Nicht jeder will geehrt werden

Sogleich baten die Damen den Ältesten und die Jüngste aus dem Sammelsurium der Neuköllner Sportler nach vorne, um diesen unter Applaus einen Preis für ihre sportlichen Leistungen zu überreichen. Der kleinen Turnerin Lili (Jahrgang 2006) war das ganze Tohuwabohu wohl etwas zu viel. Mit Tränen in den Augen wurde sie widerwillig von ihrer Mutter auf die Bühne geführt. Der 79 Jahre alte Helmut Fechner vom TSV Rudow hingegen nahm die zwei Jahreskarten für den Britzer Garten gerne entgegen.

Es folgten Showaufführungen des Teakwondo-Vereins aus Treptow-Köpenick, der Cheerleader-Gruppe von den Berlin Thunderbirds und den Senioren-Reckturnern der Berliner Turnerschaft. Letztere zeigten stilistische Saltos und Felgaufschwünge. Respekt! Bei soviel sportlichen Höhenflügen und kolossaler Körperbeherrschung versteckten sich vor der Tür die Nikotinsüchtigen samt schlechten Gewissens dezent hinter den Säulen der Sporthalle.

Auszeichnung für die Europameisterin Dorothea Brandt

Nächster Programmpunkt waren die „Höhepunkte des Neuköllner Sports“. Im Schwimmen wurde Dorothea Brandt geehrt. Die 28-Jährige der SG Neukölln hat mittlerweile eine Medaillenliste vorzuweisen, die länger ist, als manch Vorstrafenregister eines Dealers in der Hasenheide. Trainiert wird Brandt vom Erfolgscoach Norbert Warnatzsch, der schon Britta Steffen und Franzi van Almsick das schnelle Kraulen beibrachte. Bei der Kurzbahn-EM 2010 holte Brandt Gold über 50 Meter Brust.

Nach weiteren Showeinlagen, unter anderem der Yo 22 Breakdancer, der Radballspieler der RVg. Nord Berlin und von den Trampolinspringern des TSV Rudow kam die Veranstaltung so langsam auf die Zielgerade. Viele Besucher hingen zu diesem Zeitpunkt entweder gierig an den Fressständen oder sehnten das Feuerwerk herbei, welches den Abschluss der Veranstaltung darstellen sollte. Doch da meldete sich nochmal Heinz Buschkowsky zu Wort: „In einer Kabine sind ein Motorradhelm und eine Motorradjacke verschwunden, wer sie versehentlich eingesteckt hat, der soll sie doch bitte beim Hallensprecher abgeben. Danke.“

Selbst die Neuköllner Diebe schienen an diesem Abend noch ihrer (sportlichen?) Ertüchtigung nachgegangen zu sein. Und bezüglich der Kriminalstatistik ist eines schon lange gesichert: „Wo Neukölln ist, ist vorne.“

 

Ein Kommentar:

  • Eine sehr tolle und gelungene Veranstaltung. Solche Events können viele animieren sportlich aktiv zu werden und es stärkt das Zusammenleben im Bezirk enorm. Gerade erfolgreiche Sportler können einen großen Beitrag leisten.