von am 22. Juli 2015
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Gleich wird’s gefährlich für den Keeper: ein Angriff kurz vor dem Abschluss. (Foto: Anna Blattner)

Null Hierarchien, gemischte Teams und elegant-technische Höchstleistung auf dem Fahrrad – das International Bikepolo Tournament fand am vergangenen Wochenende auf dem Tempelhofer Feld statt.

Höre ich Polo, denke ich an Hemdchen von Ralph Lauren und gewisse Kommilitonen aus Studienzeiten mit einer Fangopackung Gel im Haar. Seit dem letzten Wochenende hat das Wort einen besseren Sound bei mir. Ich konnte „Fahrradpolo“ auf dem Tempelhofer Feld bewundern, beim „berlin:mixed 2015 – International Bikepolo Tournament“. Mit Helm und Schläger jagten Teams aus aller Welt einem Ball hinterher, nur eben nicht auf Pferden sondern per Rad. Für mich überraschend: Die Stahlross-Variante sieht verdammt elegant aus – wie die Fahrer Schleifen fahrend den Ball vorantreiben, abruptes Stoppen, dann zieht die Rückhand durch und der Schläger fegt den roten Polo-Ball ins Tor des Gegners.

Null Hierarchien und absolutes Teamplay

Bei der Eleganz hört die Gemeinsamkeit mit dem klassischen Polo auf. Das Spiel brachten britische Kavallerieoffiziere Ende des 19. Jahrhunderts aus Indien mit nach Europa, als sportliches Training für ihr Kriegshandwerk. Statt Teegeschlürfe und elitärem Smalltalk gibt es Bier auf dem Tempelhofer Feld (angeblich Hauptquelle zur Refinanzierung des Turniers) und einen Stand mit veganen Häppchen, verkauft von Frauen mit Kurzhaarfrisuren und Plug-Ohrringen. Wie beispielsweise auch Parkour, hat Bikepolo den Ethos urbaner Trendsportarten von heute: Null Hierarchien im Umgang miteinander, dass Frauen dabei sind ist selbstverständlich und statt dem unbedingten Spielen auf Sieg hat Teamplay absoluten Vorrang.

Bikepolo Tempelhofer Feld

Dynamik, Tempo und Beherrschung von Körper und Material, das ist Bike-Polo. (Foto: Björn Müller)

Kurz zum Ablauf: Zwei Teams à drei Mann radeln auf einem Feld gegeneinander an – Spieldauer zehn Minuten; oder es gewinnt, wer als erster fünf Mal den Ball im Tor des Gegners versenkt. Das Gehäuse erinnert an Eishockey, wie auch das Spielfeld. Einen Eishockeyhelm und Schutzbandagen an Armen und Beinen tragen auch die Spieler, zumindest am Anfang. Erfahrene und ambitionierte Fahrer verzichten teilweise darauf, trotz der Gewissheit von Schürf- und Platzwunden. „Das ist ein bisschen wie: Na Bro, siehst du meine Cochones in der Sonne glänzen“, erläutert mir ein Österreicher mit Vollbart, der mit seinem Team „Gspusi“, zu Hochdeutsch „Techtelmechtel“ antritt. In Wien gibt es einen der jüngsten Ableger der Bikepolo-Szene im deutschsprachigen Raum. Berlin ist schon seit 2007 dabei. Hier gibt es rund 20 Bikepolo-Enthusiasten, die sich jeden Sonntag in Weißensee zum Training treffen. Mehr Infos dazu gibt es auf der Plattform Berlin-Bikepolo.

Wiege in den USA

Abgesehen vom „Urahn“ Pferdepolo – woher kommt Bikepolo? Die „Hardcourt“-Variante auf Asphalt und Beton entstand erst Ende der 1990er Jahr in Seattle (USA) als Zeitvertreib für Fahrradkuriere. Mitte der 2000er schwappte die Idee, Polo mit dem Fahrrad zu spielen, nach Europa, erst nach Großbritannien, dann auf den Kontinent. Inzwischen gibt es schon National- und Europameisterschaften. Wer das elegant-harte Spiel auf dem Stahlross beherrschen möchte, braucht zwei Monate bis zu einem halben Jahr, heißt es beim Turnier auf dem Tempelhofer Feld. Also, Fixie-Hipsters aus Neukölln: Sattelt eure Stahlrösser und fahrt nach Weißensee!

Wer mal ein Bikepolo-Spiel ansehen möchte, kann sich hier ein paar Videos reinziehen.

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3 Kommentare:

  • Anonymous sagt:

    Hallo Björn,

    das is ja mal Cool!!!!!!!!! Noch nie von gehört aber scheinbar macht Ihr echt klasse Sachen da oben in Berlin.

    Toll geschrieben, hat Spaß gemacht und mir bei meinem Kaffee meine Pause verschönt.

    Schönes Wochenende und viel Spaß noch bei allem was Ihr macht.

    Grüße aus Mayen
    Judith

  • Hahaha ich Schaf…..

    nicht das jemand denkt ich wär ein Spammy Bot…. Nein ich bin Real 😉

  • Anonymous sagt:

    Hi Judith,

    danke für die Blumen zum Wochenendauftakt und schön, dass wir auch in Rheinland-Pfalz gelesen werden.

    Lass es Dir gut gehen!

    Björn / neukoellner.net

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