von am 10. Februar 2017

wochenschau_06-16_bigImmer wieder freitags und manchmal auch samstags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlungen fürs Wochenende.

Text: Karina Henschel 

Ärger in Rudow. In der Nacht zu Donnerstag brannte erneut ein Auto. Diesmal war es das Vehikel der Historikerin und ehemaligen SPD-Politikerin Claudia von Gélieu. Sie entdeckte den Brand selbst und konnte ihn auch selber löschen. Gélieu ist als Stadtführerin bei den „Frauentouren“ aktiv und engagiert sich in der „Galerie Olga Benario“ gegen Rechtsextremismus. Bei der Serie von Brandanschlägen, die Neukölln seit Monaten erschüttert, kann von einer rechten Motivation der Täter ausgegangen werden. Der Staatsschutz ermittelt – bislang allerdings ohne nennenswerte Erfolge. Bei der letzten BVV verkündete Franziska Giffey, dass eine Soko des Landeskriminalamtes direkt bei der Polizeidirektion 5 eingesetzt wird, um gezielt rechte Gewalt zu bekämpfen. Ob’s was bringt, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Müll in den Straßen. Auch ein anderes Thema treibt die Bürgermeisterin um: der Müll auf Neuköllns Straßen.  Giffey beschwert sich gegenüber der dpa: „Es gibt überhaupt kein Unrechtsbewusstsein“. Die „Aktion Antimüll“ soll seit letztem Jahr Abhilfe schaffen. 15 Müll-Hotspots (u.a. Weserstraße, Warthestraße, Stuttgarter Straße, Schillerkiez) läuft das Ordnungsamt alle zwei Tage, bzw. einmal wöchentlich ab, um dort illegale Sperrmüllablagerungen zu dokumentieren und an die BSR zu melden. Die Täter sollen – sofern sie denn ermittelt werden können – durch Bußgeldverfahren geahndet werden. Und es gibt auch einen Appell an Neuköllns Bürger: „Wenn wir gemeinsam den Besen, die Harke oder den Pinsel vor unserer Haustür schwingen … werden wir schaffen, was uns allen am Herzen liegt: ein lebenswertes, attraktives Neukölln!“ Klingt alles gut … ist nur leider wenig erfolgsversprechend. Und Giffey gibt, laut Tagesspiegel, auch selbst zu: „Die 42 Mitarbeiter, die momentan für den Außendienst eingeteilt sind, reichen nicht aus, um 350 Kilometer Neuköllner Straßenland zu überwachen“. Nur noch kurz angemerkt, wie niedlich es ist, dass die CDU-Bundestagsabgeordnete Christina Schwarzer sich mehr Kameraüberwachung wünscht, um den Entsorgern endlich auf die Spur zu kommen. Was macht die CDU bei Durchfall? Erstmal beobachten.

Foto: Anke Hohmeister

Foto: Anke Hohmeister

Rempler an der Boddinstraße. Der 62-jährige Mann, der auf der Treppe im U-Bahnhof Boddinstraße durch zwei Männer zu Fall gekommen ist, wurde nicht Opfer eines Verbrechens sondern, neuesten Ermittlungen zufolge, der Umstände. Die beiden Männer waren wohl selbst auf der Flucht vor einem dritten Beteiligten. Die drei sind so schnell verschwunden, dass sie nicht gefragt werden konnten. Zu diesen Erkenntnissen kam die Polizei nach der Analyse der Kameraaufzeichnungen. Dem gestürzten Mann geht es übrigens gut, er war zur Beobachtung im Krankenhaus, ist aber mittlerweile wieder ganz unbeobachtet zu Hause.

Mord an der Grenzallee. Die Polizei bittet alle um Mithilfe bei der Aufklärung eines Mordfalles. Seit Januar hielt sich der Syrer Mohammed Abo Hassan nahezu täglich an der U-Bahnstation Grenzallee auf. Die Gründe hierfür sind unbekannt. Donnerstag vor einer Woche wurde er tot in einer Grünanlage zwischen der Britzer Ballinstraße und der Buschkrugallee aufgefunden. Ein Spaziergänger hatte den Leichnam entdeckt. Mohammed Abo Hassan war aus Syrien geflohen. Die Polizei fragt nun, wer das Opfer eventuell noch vor der Tat gesehen hat und wer in den vergangenen Wochen Kontakt zu ihm hatte. Leute, die möglicherweise am 1. und 2. Februar im Bereich des U-Bahnhofes Grenzallee und des Fundortes der Leiche ungewöhnliche Beobachtungen gemacht haben, werden ebenfalls gebeten, sich zu melden. Hinweise nimmt die ermittelnde Mordkommission des Landeskriminalamtes in der Keithstraße in Tiergarten unter der Telefonnummer 4664-911444 entgegen.

Rausgehen I. Gewalt, Müll und über die Kälte haben wir ja noch gar nicht gesprochen… Da ist es nicht so einfach, den Elan zu finden, rauszugehen. Dabei gibt es ganz gute Gründe und es ist ja nie alles schlecht. Ganz gut ist zum Beispiel die Boddinale. Zum fünften Mal findet das alternative Filmfestival für Filmschaffende aus Berlin statt. Erstmals gibt es einen zehntägigen Workshop mit dem Titel Boddinale Stop-Motion Academy. Und sonst gibt es täglich Filme vom 9. bis zum 19. Februar im Loophole (Boddinstraße 60). Der Eintritt zu den Filmen ist frei und das Programm ist online.

Rausgehen II. Nochmal Kino, es ist einfach die Zeit dafür. Und die Zeit ist vor allem reif für ein neues Kino, wie das Wolf in der Weserstraße. Dort ist am 14. Februar die Berlinale zu Gast. Der Film „Tiger Girl“ läuft im Rahmen der Reihe Berlinale goes Kiez. Das ist ein Film aus den UK über zwei Frauen, die sich anfreunden und Dinge erleben, kurz gesagt. Das Wolf-Kino macht regulär erst im März auf. Mehr Informationen gibt es in unserem Interview mit einem der Initiatoren.

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3 Kommentare:

  • Bla sagt:

    Hatte da jemand Schreibdurchfall in der Redaktion? Oder was hat die Forderung nach Videoüberwachung mit einer Darmerkrankung zu tun?

    Videoüberwachung wäre wenigstens eine sinnvolle Maßnahme gegen die Idioten, die ihren Müll einfach auf die Straße legen. Besser jedenfalls als mit nem pinken Besen durch die Stadt zu rennen und teure Steuergelder für ne PR Kampagne auszugeben. Aber hey, wenn man die Bürgermeisterin so geil findet, ist es wohl echt schwierig, objektiv zu berichten. Weiter so!

  • Johanna sagt:

    Schade, dass ihr so krass parteiisch schreibt. Die Schwarzer spricht Dinge an, die halt sch*** laufen und nur weil die von der CDU ist, kloppt ihr drauf. Und dann wundert man sich, dass Nazi-Blogs so einen Zulauf haben. Wenn ihr aufhören würdet, normale bürgerliche Politiker grundlos nieder zu machen, gäbe es mehr Vertrauen. Liebe Grüße

  • RoFisch sagt:

    Wer bitte sehr glaubt, dass die 350 km Straßen Videoüberwacht werden können um dabei im “richtigen“ Moment der Umwelt-Frevler habhaft zu werden. Und natürlich lassen die Ordnungshüter dann ihre begonnene Arbeit stehen und liegen um den Strafzettel bei ertappter Tat zu verteilen. Überwachen heißt nun mal nicht verhindern weder beim Müllproblem noch bei Gewalt gegen Personen und Sachen. Und nicht zuletzt sind wir mit verantwortlich wie es auf unseren Straßen aussieht, denn auch ich habe mich noch nie an die BSR gewandt um die Müllhaufen abtransportieren zu lassen.

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