von am 1. November 2013

wochenschau_44-13Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlungen fürs Wochenende.

Antisemitismus und ein Buschizo. „Wie Judenfeindlich ist Deutschland?“ fragt die Story im Ersten anlässlich des nahenden 75. Jahrestags der Reichspogromnacht und blickt dabei unter anderem auf Neukölln, wo arabisch-stämmige Jugendliche erschreckend selbstverständlich Hass gegen Juden offenbaren. Antiseminismus heute (noch bis Sonntag in der ARD-Mediathek abrufbar).

Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky wollte ein solches Bild seines Bezirks nicht auf sich sitzen lassen und lud den Rabbiner Daniel Alter zum Spaziergang über die Sonnenallee ein. Seine Mission: der Gegenbeweis.

„Dass bei uns jeder auf der Straße Angst haben muss, im nächsten Moment angepöbelt oder angegriffen zu werden, ist trotz aller Derbheit einfach Quatsch“

Bei dem Spaziergang trägt der Rabbiner lieber eine Baseballcap über der Kippa. Vergangenes Jahr wurde er auf offener Straße überfallen. Weil er Jude ist. Seither spricht er von  „No-Go-Areas“ für Juden, Teile Neuköllns gehörten dazu. Buschkowsky sagt: „Die Leute hier sind normale, verschrobene, junge und alte Menschen, eben all jene, die hier leben“. Rabbiner Alter stößt bei Buschkowsky auf wenig Verständnis.

„Am Ende dieses Nachmittags sind die Fronten verhärtet. Rabbiner Daniel Alter und Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky sind zwar gemeinsam die Sonnenallee entlangspaziert. Doch als sie sich nach zwei Stunden trennen, hat keiner von beiden den anderen auch nur annähernd von seiner Position überzeugt. Es scheint sogar, als wären sie sich fremder als zuvor. Der eine hat Angst, der andere kann das nicht verstehen.“

Die  ganze Geschichte darüber, wie Buschkowsky einen ratlosen Rabbiner zurücklässt: Neukölln-Besuch kann Rabbiner Alter die Angst nicht nehmen (Berliner Morgenpost, 27.10.)

Buschkowsky, der „Multikulti-ist-gescheitert“-Mann – sonst nimmermüde, die arabische Parallelgesellschaft beim Namen zu nennen, der über die gewaltbereiten muslimischen Jugendlichen ein Buch geschrieben hat – will den Rabbiner Glauben machen: Nein, Neukölln ist nicht so. Antisemitismus? – eine zu vernachlässigende Größe in „seinem Bezirk“. Irgendwie ziemlich Pippi Langstrumpf.

Aus einer wissenschaftlicher Perspektive gestaltet sich das übrigens so:

„Carsten Koschmieder, Politologe am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, sagt, dass der Antisemitismus in Deutschland in den vergangenen 50 Jahren langsam, aber stetig abgenommen hat. Allerdings werde in letzter Zeit stärker über den Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen diskutiert. „Ungeachtet dessen steht fest, dass 90 Prozent der Straftaten in diesem Zusammenhang einen rechtsextremistischen Hintergrund haben“, sagt Koschmieder. Unter den restlichen zehn Prozent der Straftäter seien eben auch muslimische Jugendliche.“ (Berliner Morgenpost, 27.10)

Problemkiez Teil II. Der Verein Papatya kümmert sich um Mädchen, denen Zwangsverheiratung droht. „Problembezirke sind sicherlich Neukölln, Wedding, bestimmte Gebiete von Spandau, wo in manchen Straßenzügen sehr viele Kurdischstämmige wohnen“, sagt eine Frau vom Verein, die lieber anonym bleiben will, im Interview mit der Berliner Zeitung.

(…)Es gibt oft Familien, wo ganz viel im Argen ist. Kranke Mütter, die schon von ihren Vätern geprügelt wurden, kriminelle Brüder, Drogenprobleme, Spielsucht bei den Vätern – also Zustände, die nicht dem Klischee einer ehrenhaften Familie entsprechen. Um so mehr soll das Ansehen dadurch kompensiert werden, dass die Mädchen funktionieren. Um so mehr wird darum gekämpft, dass alles intakt wirkt, weil die Tochter nie alleine auf der Straße zu sehen ist.“

„Problemgebiete sind Neukölln, Wedding und Spandau“ (Berliner Zeitung, 27.10.)

Raus. Im Fuchs & Elster steht diesen Samstag Clubmob auf dem Programm, eine Aktion zur Verbesserung der CO2-Bilanz von Klubs. Und am Samstag spielt die Knoblauch Klezmer Band (ohne Uhrzeit).

Special Raus. Es wieder Zeit für Nacht & Nebel, hier das Programm. Konzerttip dazu: Moritz Ecker in der Liesl, Nogatstraße 30, ab 21 Uhr.

 

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