von am 18. Oktober 2013

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Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlungen fürs Wochenende.

Anders überlegt. Der Platz der Stadt Hof wird zur Zeit neu gestaltet. In diesem Rahmen soll der Platz nicht nur einen neuen Anstrich, sondern auch einen neuen Namen bekommen. Da dachte sich die Aktion Karl-Marx-Straße wohl: Super, wir organisieren einen Namenswettbewerb für die Neubenennung und finden so mit ganz viel Bürgerbeteiligung einen Namen, den alle superduper finden.

Gesagt, getan und am Ende des Wettbewerbs übergab die Aktion Karl-Marx-Straße dem Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) folgende fünf Vorschläge: „Platz der Vielfalt“, „Platz der Kulturen“, „Rio-Reiser-Platz“, „Platz der Toleranz“ und „Neuköllner Stern“. Der Baustadtrat fand das offensichtlich ganz toll und versprach, diese Namen der BVV zur Entscheidung zu übergeben. Das war im Mai.

Diese Woche hat nun der Ausschuss für Verkehr und Tiefbau (mit den Stimmen der CDU, SPD und Piraten) entschieden, dass die Vorschläge doch nicht so dufte sind und empfiehlt der BVV den Namen „Alfred-Scholz-Platz“. Und so geht das Spiel mit der unverbindlichen Bürgerbeteiligung: Am Ende ist sie eben halt, nunja, unverbindlich. Aber hey, danke nochmal an alle fürs mitmachen!

Alfred Scholz (SPD) war übrigens zwischen 1921 und 1933 Bezirksbürgermeister von Neukölln. Bereits letztes Jahr schlug die Linke vor, einen Platz nach ihm zu benennen. Und das ist das versöhnliche Ende dieser Geschichte Farce: Das Alfred Scholz es verdient hat, dass ein Platz nach ihm benannt wird, da sind sich wenigstens alle einig. Über den Versuch, einen verdienten Neuköllner Bürger zu ehren – und Bürgerbeteiligung auszuhebeln (Facetten Magazin, 16.10.)

Apropos Bürgerbeteiligung. Diesen Dienstag fand im Hangar 2, am alten Flughafen Tempelhof, eine weitere öffentliche Informationsveranstaltung zur Bebauung der Tempelhofer Freiheit statt. Viel Neues gab es nicht zu hören: Der Bausenator verteidigte seine Baupläne und die Baugegner verurteilten den bevorstehenden Baustart für das WasserbeckenWährenddessen hat die Initiative 100% Tempelhofer Feld nach dem ersten Monat 30.000 Unterschriften gesammelt, rund 143.000 fehlen noch. Verzicht auf Bebauung des Tempelhofer Feldes wäre „zutiefst unsozial“ (Berliner Zeitung, 16.10.)

„Neues von unseren MdBs“ Neukölln hat seit Kurzem zwei Bundestagsabgeordnete: den direkt gewählten Fritz Felgentreu (SPD) und die über die Liste eingezogene Christina Schwarzer (CDU). Demnächst werden die beiden, bzw. ihre Fraktionen, dann vermutlich sogar zusammen koalieren. Grund genug, diese „große Neuköllner Koalition“ in ihrem neuen Alltag zu verfolgen. 

Folge 1: Der Posten fällt nicht weit vom Bezirk.

Christina Schwarzer twittert über ihren neuen Mitarbeiter im Bundestag.

Der ist übrigens Mitglied der CDU-Fraktion in der Neuköllner BVV, begleitet also die ehemalige Kollegin in den Bundestag. Oder anders ausgedrückt: Der Nachwuchs macht Platz für neuen Nachwuchs. Aber was macht eigentlich Fritz? Der hängt derweil in seiner Hood ab.

 

Wo Neukölln ist, ist oben. Das Hotel Estrel ist ständig ausgebucht und möchte anbauen. Auf der anderen Straßenseite soll ein 176 Meter hohes Gebäude gebaut werden. Das wäre dann das höchste Haus Berlins und würde die Treptowers und das Hotel Park Inn am Alexanderplatz ablösen. Estrel baut höchstes Haus Berlins (Berliner Zeitung, 14.10.)

Her mit eurer Jugend! Das Museum Neukölln sucht für eine neue Ausstellung eure Lieblingsschallplatten. Diese sollen als Leihgabe im Rahmen der Ausstellung „Mythos Vinyl – die Ära der Schallplatte“ präsentiert werden. Also, wer schon immer mal ein Stück seiner musikalischen Sozialisation der Öffentlichkeit präsentieren wollte, ab zum Museum Neukölln damit! Mehr Infos gibt es in diesem PDF.

Raus. Im Zatopek, Niemetzstr. 24, tritt heute Abend Eoin O’Sullivan auf. Ab 21 Uhr.

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Ein Kommentar:

  • […] Raider heißt jetzt Twix. Der Platz der Stadt Hof heißt nun offiziell “Alfred Scholz Platz” und ganz Hof ist jetzt traurig. Zumindest ein bißchen. Neukölln macht Hof nicht mehr den Hof (Tagesspiegel, 28.04) – Zur Erinnerung: So lief damals die ruhmreiche Namensfindung ab. […]

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