von am 3. Oktober 2014

wochenschau_40-14Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlung fürs Wochenende.

Beschiss zum Jubiläum. 57 der 110 „Stadtteilmütter“ müssen am 01. November mit ihrer erfolgreichen Arbeit aufhören, weil die Finanzierung ausläuft.  Eine bürokratische Posse führt dazu, dass die erfolgreiche und anerkannte Arbeit der Frauen in den nächsten Monaten erhebliche Einschränkungen erfahren wird. Ziel der Arbeit der extra ausgebildeten Frauen ist der Kontakt mit Familien, die zurückgezogen in ihrer Community leben. Die Stadtteilmütter beraten die Familien in Sachen Erziehung, Bildung und Gesundheit. (Tagesspiegel, 30.09.) Die Nachricht kommt zum zehnjährigen Jubiläum des Projektes, das bisher 8000 Familien in Neukölln unterstützt hat. (Berliner Morgenpost, 27.09.) 

Demagogisiert?  Am letzten Sonntag waren Heinz Buschkowsky und der Imam Abdul Adhim Kamouss von der Al-Nur-Moschee in der Sendung von Günther Jauch (ganze Sendung). Letzterer sorgte durch ständiges Reden und unglückliche Formulierungen für aufgeregte Medienberichte. Tagesspiegel-Autor Thomas Lackmann kennt den Imam seit zwei Jahren und zeigt sich verwundert darüber, wie dieser dargestellt wird. Er hat mit ihm am Telefon über die Sendung geredet und was da so alles schief gelaufen ist. (Der Imam und ich, Tagesspiegel, 01.10.)

„Ich wollte mich nicht aufregen und provozieren lassen. Ich wollte sagen, dass für mich das Grundgesetz die Basis unseres Zusammenlebens ist, dass ich gegen Radikalismus bin, dass Deutschland demokratisch bleiben soll, wie es ist, und dass ich mich mit Ihnen gemeinsam an vielen Präventionsprojekten weiterhin beteiligen will.“

Imam Abdul Adhim Kamouss im Tagesspiegel

Das klingt sehr nett, der Verfassungsschutz aber sieht das anders. Ein Ermittler sagte der Bild, Kamouss habe seit Jahren großen Einfluss auf die Islamisten-Szene. Und:

„Ich gehe davon aus, dass er zwei Gesichter hat. Eins für die Öffentlichkeit, das andere nach innen. Und dieses ist radikaler als das, was er in eine Kamera sagt.“

Nicht näher genannter Ermittler des Verfassungsschutzes zur Bild

Zudem will die Zeitung auf Youtube ein Video aus diesem Jahr gefunden haben, in dem Kamouss die Existenz von ISIS anzweifelt. (Bild, 29.09.)

Hingehen, kennenlernen (Raus I): Wer „unsere Muslime“, wie Jauch sie in seiner Sendung bezeichnete, übrigens mehr als nur durch den Fernseher kennenlernen möchte, der hat heute wie an jedem 03. Oktober die Möglichkeit, dies im Rahmen des „Tags der offenen Moschee“ in der Şehitlik-Moschee am Columbiadamm zu tun. Die Moschee ist wunderschön, es gibt Führungen und gutes Essen. Und statt über, kann man mit Muslimen sprechen. (Tag der offenen Moschee) Besuchen kann man die Moschee ansonsten übrigens jeden Tag.

„Unsere Sicht auf den Islam ist eine ganz andere als von jenen, die ihn politisch instrumentalisieren. Wir leben unsere Religion friedlich gemeinsam mit der Gesellschaft, und nicht parallel zu ihr.“

Pinar Cetin, Mitglied des Gemeindevorstandes im Inforadio des rbb

Apropos, der Bürgermeister. Heinz Buschkowsky hat ein neues Buch geschrieben. Es heißt „Die andere Gesellschaft“. Ein Blick in die Rezensionen ergibt ein einheitliches Zeugnis: Eher mau. Phrasen, Stammtisch, Selbstmitleid. Ein paar Vorschläge gegen Ende der über 300 Seiten, aber nichts wirklich Neues. (Berliner ZeitungTagesspiegelZeit). In der Huffington Post erschien ein Auszug aus dem Werk. Titel: Einwanderer haben sich anzupassen (30.09.) So kriegt man auch Klicks.

 Und weil es so schön ist. 

Ode. Daniel Schreiber erzählt im Deutschlandradio Kultur in einer vierteiligen Serie von seinem Leben in Neukölln. Davon, wie es um die Jahrtausendwende war. Wie es ist, seit er 2008 wieder herkam. Und wie er heute in einem bunten Kiez lebt, mit unterschiedlichsten Leuten. Das ist alles nicht wirklich neu, aber schön erzählt. Schließlich fängt alles mit einer Bohrmaschine an. (Deutschlandradio Kultur Eins, Zwei, Drei, Vier, 29.09. -02.10.)

Flackern.

Aus dem Kunstraum SPEKTRUM, Bürknerstr 12, 12047 Berlin

Raus II.

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Quelle: Screeenshot Google

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