von am 18. September 2015

wochenschau_38-15Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlungen fürs Wochenende.

Bezirk vs. Betül 0:2. Betül Ulusoy lieferte sich Mitte des Jahres eine medienwirksame Auseinandersetzung mit dem Bezirksamt. Das Amt wollte ihre Bewerbung für ein Rechtsreferandariat nicht annehmen, ohne zu prüfen, ob Ulusoy dieses auch mit Kopftuch ausüben darf (Spoiler: sie darf. 0:1). Durch die öffentliche Diskussion über den Streit sah sich das Bezirksamt genötigt, in die Offensive zu gehen und veröffentlichte einige – ihrer Meinung nach relevante – Hintergrundinfos zu dem Thema. Damit ging das Amt zu weit, wie nun der Berliner Datenschutzbeauftragte befand und das Amt öffentlich rügte (0:2).

„So seien Details des Bewerbungsvorgangs wie etwa der Umstand, dass die Bewerberin sich zeitnah bei einer Senatsverwaltung beworben hatte, vom Bezirksamt erstmals öffentlich gemacht worden, ‚obwohl dies zu Zwecken der Richtigstellung nicht erforderlich gewesen wäre‘.“ Bezirksamt Neukölln gab im Kopftuch-Streit zu viel preis (Tagesspiegel, 13.09)

Quo vadis, Flüchtlingsheim. Um die Neuköllner Flüchtlingsunterkünfte steht es schlecht. Lokale Initiativen und der Bezirk kämpfen für eine humanere Unterbringung, bekommen aber wenig bis keine Unterstützung vom Senat. Wir haben die aktuelle Lage in Neukölln zusammengefasst. Besonders traurig: sogar das gut laufende Flüchtlingsheim in der Haarlemer Straße ist in Gefahr.

„Anfang 2014 wurde in der Haarlemer Straße eine vollausgestattete Unterkunft für rund 400 Geflüchtete errichtet – zum Preis 8,2 Millionen Euro. Nachdem der Senat kurze Zeit vorher das Grundstück verkauft hatte, bot der neue Eigentümer dem Senat dieses zum Spotpreis zum Rückkauf an. Der Senat lehnte ab. Mittlerweile gehört das Grundstück einem luxemburgischen Immobilienfonds. Ob der den Mietvertrag über dieses Jahr hinaus verlängern wird, darüber schweigt sich der Senat aus. Nicht einmal der Bezirk erhält Auskunft. Wenn nicht, müsste die Unterkunft Ende November geschlossen und mit dem Abriss begonnen werden. Kosten für den Senat: weitere 600.000 Euro.“ Senat: unwürdige Zustände? Scheiß drauf! (neukoellner.net, 17.09)

Trashnews der Woche. Solltet ihr über einen Auftritt bei Frauentausch nachdenken, besser vorher überlegen, was man da so in die Kamera sagt. Nicht so klug: Der Fernsehnation etwas anderes erzählen als der Sachbearbeiterin beim Amt. So geschehen bei Beate (48), die für Lacher beim Amt sorgte. Wohngeld-Betrug! Berlinerin flog bei “Frauentausch” auf (B.Z., 15.09.)

Fundstück. Szenen eines Problembezirks™, anno 1916.


Raus zu uns. Der Schillermarkt findet jeden Samstag ab 10 Uhr am Herrfurthplatz statt. Angeboten werden frische Lebensmittel vom Bauernhof, von Hand hergestellte und exotische Produkte und – for the first time ever – Neukoellner.net. Mit dabei haben wir Musik, Kuchen und tolle Neuigkeiten. Also kommt rum und findet es raus. Bis 16 Uhr.

Raus zur Premiere. Heute Abend findet die Live-Premiere von Sebastian Krämers neuem Album „Lieder wider besseres Wissen“ im Heimathafen statt. Krämer hat 2012 den Deutschen Kabarettpreis gewonnen und 2009 den Deutschen Kleinkunstpreis für Chanson. Mehr Infos haben wir euch hier zusammengefasst. Los gehts ab 20 Uhr und die 2×2 Gästelistenplätze aus unserer Verlosung gehen an Alexandra & Jochen.

Raus zum Tanz. Tanzwilligen empfehlen wir Samstag die Grießmühle. Uri Hamster aka Words (Futurisms) steht am DJ Pult. Ihr kennt ihn: Der Neuköllner aus Israel hat uns schonmal diese Neuköllnkassette gezaubert. Wir stehen auf ihn. Gesamtes Line-up hier.

 

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3 Kommentare:

  • Bla sagt:

    Hej ihr Süßen von neuköllner.net: Ist das 0:2 nur der Halbzeitstand? Seid ihr in der Halbzeitpause beim Rauchen auf dem Balkon versackt? Ihr habe ein paar echt coole Dinger verpasst:

    Frau Ulusoy wollte die Stelle gar nicht, es ging ihr nur um mediale Aufmerksamkeit (1:2). Dass rechtliche Voraussetzungen für Einstellungen geprüft werden ist vollkommen normal und keine Diskriminierung oder sonstwas. Dass sie die Stelle antreten darf hat der Bezirk selber unverzüglich mitgeteilt (2:2). Derzeit wird noch geprüft, ob Frau Ulusoy ihre Treuepflicht gegenüber ihrem Dienstherren verletzt hat (2:3). Und nicht zuletzt: Frau Ulusoy hat einfach von Anfang an gelogen, als sie gesagt hat, sie sei abgelehnt worden (Team Ulusoy wird wegen unsportlichem Verhalten disqualifiziert).

    Geiles Spiel Leute, muss man (bis zum Ende) gesehen haben.

  • Dominik Sindern sagt:

    Hallo Bla, challenge accepted!

    Und jetzt bitte einmal kurz die Fanbrille absetzen:
    Dass sie die Stelle nicht wollte ist eine Behauptung und tut für den folgenden Disput auch nichts zur Sache – kein Tor, weil Abseits. Unverzüglich wurde ihr eben der Vorbehalt mitgeteilt, da muss einer von uns ein anderes Spiel gesehen haben. Zum dritten Tor: Was derzeit noch geprüft wird, kann nicht gewertet werden. Auch hier kein Tor, maximal ist noch Nachspielzeit offen.

    Ansonsten empfehle ich den Kommentar im Tagesspiegel dazu: http://www.tagesspiegel.de/berlin/kopftuch-debatte-in-berlin-im-prinzip-hat-betuel-ulusoy-recht/11916732.html

    sportliche Grüße
    Dominik

    PS: wir schreiben uns mit „oe“. 😉

  • Bla sagt:

    Find ich gut, dass ihr antwortet. Da ist es auch verschmerzbar, wenn man manche Dinge anders sieht. Danke, neukoellner.net 😉

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