von am 16. August 2013

Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlung fürs Wochenende.

Neuköllner Slum. Die Wikipedia spricht bei Siedlungen von Slums, wenn man „ohne Eigentumsrechte, Zugang zu sauberem Wasser, Zugang zu sanitären Einrichtungen und ohne ausreichenden Wohnraum“ lebt. Schwer vorstellbar, dass solche Lebensbedingungen in Berlin vorkommen können, aber auf dem Gelände einer ehemaligen Neuköllner Gartenkolonie hat sich genau so eine Siedlung gebildet. Dort wo später mal die A100 gebaut werden soll, leben derzeit „mehrere Dutzend Familien“ unter widrigsten Bedinungen:

Kaputte Tische, Glasscherben und Polster aus alten Sesseln liegen zwischen Unkraut und dem Müll, den die Anrainer hier auskippen. Strom, Wasser oder Kanalisation gibt es nicht. Auch die Fenster der Hütten sind zerstört, Luminita hat sie mit Plastikfolie und Tüchern so zugeklebt, dass sie „ein bisschen Privatraum genießen kann“, ohne die Durchlüftung unmöglich zu machen.“ Der Slum von nebenan (Berliner Zeitung, 11.08.)

Mieterbündnis. Auf Einladung vom Quartiersrat Reuterkiez gründete sich diese Woche das „Bündnis für bezahlbare Mieten“. Bei der ersten Sitzung wurde dort ausführlich über die Möglichkeit des Milieuschutzes diskutiert. Einer der Initiatoren, Andreas Berg vom Quartiersrat, wurde im Vorfeld in der taz zu den Umständen der Gründung interviewt:

„Wir wollen, dass der Bezirk seine Möglichkeiten ausschöpft, mietdämpfende Maßnahmen einzusetzen. Momentan haben wir hier Preise bei Neuvermietung von über 10 Euro pro Quadratmeter. Die Kaltmiete liegt normalerweise bei 5,50 Euro pro Quadratmeter, wir befinden uns also fast bei 200 Prozent Steigerung (sic!). Das bringt natürlich eine ziemliche Verdrängung im Kiez mit sich.“

Das nächste Treffen findet am 27. August um 19 Uhr im Broschek, Weichselstraße 6, statt.  (taz, 12.08.) / Bericht von der Sitzung: Wenn der Ballermann droht (taz, 13.08)

Zum Nachhören. In der Sendung Spreeblick mit Johnny Haeusler war Gilles Duhem, ehemaliger Quartiersmanager im Rollbergviertel und Geschäftsführer des Fördervereins Gemeinschaftshaus Morus14, zu Gast. FluxFM Spreeblick mit Gilles Duhem, (FluxFM, 11.08.) 

Kein Fußbreit. Die NPD würde gerne ihren Bundesparteitag in Neukölln abhalten, bekommt aber keinen Termin. Stattdessen findet in den Räumen, die die NPD anmieten wollte zum Beispiel der Auftritt eines „tamilischen Tanzvereins“ statt. Tja, dumm gelaufen. Wie die taz berichtet, fokussiert sich die NPD in diesem Wahlkampf stark auf Neukölln:

„Neukölln macht die rechtsextreme Partei gerade zu ihrem Aktionsschwerpunkt. Fast alle ihrer Wahlkampfstände hielt sie bisher in dem Bezirk ab.“ „Gropiuslerchen“ stechen NPD aus (taz, 09.08.)

Arschbomben-WM. Seit Donnerstag und noch bis Sonntag gastiert die Splashdiving WM im Columbiabad. „Splashdiving“ ist der –  auf Trendsport getunte – Begriff für die klassische, gemeine Arschbombe. Und wie so eine zünftige Arschbomben-Weltmeisterschaft aussieht,  könnt ihr euch hier ansehen.

Mutter aller Ausstellungen. Die Partei „Die Partei“ lädt zur Eröffnung ihrer Ausstellung „Macht der Ästhetik – Ästhetik der Macht (oder umgekehrt)“ ins Laika. Als gutes, treues, gleichgeschaltetes Medium empfehlen wir, dass ihr euch heute (ab 19 Uhr) in der Emser Straße 131 einfindet und „Wahlplakate aus ca. 100 Jahren“ bestaunt. 

Raus. „Sie traten beim Fehmarn-Festival 1970 direkt nach Jimi Hendrix auf, gründeten mit „Ton Steine Scherben“ das erste Musiker eigene Label und spielten mit Jazzkoryphäen wie Charlie Mariano und Mal Waldron.“ So steht es in der Veranstaltungsbeschreibung für ein Konzert, heute Abend im Shangl Hangl, Schönstedtstr. 14. Die Band heißt Embryo, ist eine der bedeutendsten deutschen Krautrockbands und existiert in wechselnder Besetzung seit 1969. Ab 21 Uhr.

 

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