von am 25. Juli 2014

wochenschau_30-14
Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlung fürs Wochenende.

Kuratiert von Sabrina Markutzyk und Dominik Sindern

Volksverhetzung, Al-Nur-Style.  Wie schon in den vergangenen Tagen gehen die Leute heute auf die Straße und demonstrieren gegen Israel. Wiederholt kam es zu antisemitischen Ausfällen und Übergriffen gegen Juden. Und weil die Polizei vielerorts nur tatenlos zusah, führen wir jetzt eine Debatte darüber, wo freie Meinungsäußerung aufhört und Volksverhetzung anfängt. Die Berliner Staatsanwaltschaft zum Beispiel findet, „Jude, Jude, feiges Schwein…“ -Rufe seien noch „im Rahmen“, die Berliner Politik ist empört.

Und was muss die Wochenschau sehen, als sie sich angewidert zurück in ihr Neuköllner Loch verkriecht? Antisemitismus, made in Neukölln. Von dem Imam Abu Bilal Ismail ist diese Woche ein Video aufgetaucht, in dem er in seiner Freitagspredigt in der Al-Nur-Moschee zur Vernichtung der Juden aufrufen soll (die vom Verfassungsschutz beobachtete Moschee gilt als Zentrum des Salafismus).

Die Wochenschau merkt an: Die Übersetzung im Video stammt von einer jüdischen Organisation (Memri TV) – die Berliner Polizei hat den volksverhetzenden Inhalt der Rede laut Tagesspiegel aber bestätigt. Der Tagesspiegel hat dann auch noch übersetzen lassen und attestiert:

„eine weitgehende Übereinstimmung zwischen Original und Untertitel. Demnach sagte der Imam unter anderem über Juden: „kill them to the last“, also: „Tötet sie bis zum Letzten“. Berliner Polizei: Der Inhalt ist eindeutig volksverhetzend (tagesspiegel.de, 22.07.)

Die Wochenschau ist nicht amüsiert und damit auch nicht alleine. Gegen den Imam wurden zig Anzeigen wegen Volksverhetzung erstattet, der Berliner Staatsschutz ermittelt. Inzwischen distanzieren sich auch muslimische und palästinensische Gruppen von einem solchen „Islamverständnis“ und rufen zu friedlichen Solidaritästbekundungen mit Palästina auf. Was die Wochenschau ein wenig wundert: Von allen Parteien, die in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung vertreten sind, hat nur eine Partei eine Stellungnahme zu den Vorfällen auf ihrer Homepage veröffentlicht. Die Piraten

Bezirksbürgermeister Buschkowsky hat sich immerhin in seiner Sonntagsrede in der Bild geäußert: Abschieben will er den Abu Bilal Ismail. Politik geht zwar schlauer, aber den Bildsprech, den beherrscht der Mann. Der Hetzprediger muss ausgewiesen werden (bild.de, 23.07.)

Nicht witzig. Und wo wir schon dabei sind: Seit Wochen ignoriert die Wochenschau einen Tweet. Doch der Tweet verfolgt sie, unfassbare 500 Mal wurde das Ding retweetet, und noch viel mehr gefavt.

Entehrter @DrWaumiau: Die Wochenschau wünscht ihnen einen Teppich. Einen, sie darin einzuwickeln und gründlich auszuklopfen. Draußen, im Hinterhof, wie man das so macht hier in Neukölln. Wenn so ein Teppich ganz arg dreckig ist, helfen die andern Kopftuchfrauen auch immer gern dabei, das Ding sauber zu kriegen. Zusammen geht ja alles leichter, sie kennen das (ProTip).

Schnell was zum Verlieben.

So, der Wochenschau gehts schon wieder besser. Brechreiz durch Liebe überwinden. Tschakka!

Nachsitzen. Falls wer vergangenen Samstag Simi Will Format verpasst hat, kann das jetzt nachgucken. Simi Will Format #15, mit der Piratin Anne Helm und Joachim Semrau aus Kreuzberg in voller Länge. Dazu empfiehlt sich die Twittstory aus dem Hause Wochenschau als Begleitlektüre. Und ein Bier.

 

Raus. Der Heimathafen ruft zur Soul Explosion: Die King Dynamites Sommer Party startet ab 23h, Eintritt 8 Euro. Alle aktuellen Infos hier.

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