von am 26. Juli 2013

 Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlung fürs Wochenende.

Entlaufener Reichsbürger. Der Neuköllner Daniel S. arbeitete als „Chefchemiker“ in einem Gewerbegebiet an der Neuköllnischen Allee auf einem Grundstück, das als „Republik Freies Deutschland – Hoheitsgebiet“ gekennzeichnet war und bezeichnet sich selbst als „freien Reichsbürger“. Dann fand die Polizei auf dem Grundstück über 280 Kilo Sprengstoff und nahm Daniel S. fest. Ihm wurde ein „psychiatrisches Störungsbild“ attestiert und bis zu seinem Prozess sollter er in der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik untergebracht werden. Aus dieser ist Daniel S. geflohen. Vor Gericht erschien neben seinem Pflichtverteidiger ein Anwalt, der sich ebenfalls als „Reichsbürger“ bezeichnete und als legitimer Verteidiger von Daniel S. ausgab. Von Daniel S. fehlt bisher jede Spur. „Chefchemiker“ auf der Flucht (taz, 23.07.)

Im Westen nichts Neues. Bei Immobilienscout24 ist ein Artikel erschienen, in dem eine Dortmunder Maklerin darauf hinweist, dass Neukölln gute Gentrifizierungsaussichten böte. So weit, so bekannt. Richtig unangenehm fällt der Artikel von Dr. Marita Hetmeier dann durch eine Beschreibung dessen auf, warum Neukölln bisher ein sogenanntes „Problemviertel“ war:

„Neukölln galt noch vor acht Jahren als Inbegriff eines großstädtischen Problemviertels. Kriminalität, Drogen, Armut, Prostitution und eine multikulturelle Bewohnerschaft kennzeichneten das Quartier zwischen Hermannstraße, Karl-Marx-Straße und Sonnenallee.“

Die Rassismuskeule der Woche geht damit nach Dortmund. Notting Hill, Neukölln, Nordstadt (Immobilienscout24, 23.07.)

Wasser fürs Feld. Auf dem Tempelhofer Feld soll ein Wasserbecken gebaut werden, dass Regenwasser speichert und dadurch Geld sparen soll.  Dem Tagesspiegel liegen nun die konkreten Planungsunterlagen vor: Demnach soll das 22 500 Quadratmeter große Wasserbecken auch für „‚Tauchveranstaltungen‘ und andere ’sportliche Nutzungen‘ etwa bei ‚Events und Sonderveranstaltungen'“ genutzt werden. Außerdem soll um das Becken ein über drei Meter hoher Wall entstehen. Schwimmen auf dem Flugfeld (Tagesspiegel, 19.07.)

Ersatz-Datscha. Joris Hielscher war für die Berliner Zeitung auf dem Tempelhofer Feld und ließ sich erklären, wieso die Gärten im Allmende-Kontor für Migranten besonders attraktiv sind:

„Für Kleingärten in einer Kolonie gebe es lange Wartezeiten, zudem könnten sich viele die Pacht dort nicht leisten. Deshalb sei die Nachfrage nach einem Stückchen Land auf dem Tempelhofer Feld gerade unter Migranten groß, sagt Münnich. Zumal in ihren Heimatländern viele von ihnen in der Landwirtschaft tätig gewesen wären oder dort selbst eine Datscha oder ein Stück Land zur Selbstversorgung besessen hätten.“ Ein Dorf auf dem Feld (Berliner Zeitung, 22.07.)

Prism und Tempora sind überall. Kommenden Mittwoch (31.07.) findet im Agora Collective, Mittelweg 50, eine offene Diskussion zum Thema „#reclaimyourdata: Konsequenzen aus dem NSA-Skandal und Impulse für eine gute Netzpolitik“ statt. Die Veranstaltung wird organisiert von der Neuköllner SPD. Neben dem SPD-Direktkandidaten für Neukölln, Fritz Felgentreu, wird außerdem Gesche Joost vor Ort sein, die im Wahlkampfteam von Peer Steinbrück für den Bereich Netzpolitik zuständig ist. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr. Wer bei dem Thema Prism und Tempora bereits genug Empörung verspürt und nicht bis Mittwoch warten möchte, dem sei folgende Demonstration am Samstag empfohlen: #Stopwatchingus. Und wer sich ob seiner Empörung noch nicht ganz sicher ist, der kann sich hier erklären lassen, wieso sie angebracht wäre: Mein Weg zum Ekel (Spiegel Online, 23.07.)

Raus. Samstag Abend ist im Freudenreich, Sonnenallee 67, AVA. Night with Damiano von Erckert & Funkycan. Vorgeschmack ist unten eingebettet. Ab 23 Uhr. 

 

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