von am 19. Juli 2013

 Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlung fürs Wochenende.

Organisierte Kriminalität. Die Zeit hat ein Hintergrundstück über kriminelle Großfamilien in Deutschland veröffentlicht. Darin erklärt der Migrationsforscher Ralph Ghadban, dass die Wurzeln vieler Familien, die der ethnischen Gruppe der „Mahallamis“ angehören, im Grenzgebiet zwischen der Türkei und dem Libanon liegen. In den 70er Jahren flohen sie während des libanesischen Bürgerkriegs nach Deutschland.

„“Schon im Libanon lebten sie in Ghettos. Sie waren aufeinander angewiesen, was die Sippenstruktur stärkte“, sagt Ghadban. „In Deutschland wurde der Zusammenhalt durch das Asylrecht weiter verfestigt: Sie durften nicht arbeiten, es gab keine Schulpflicht, folglich kaum Interaktion mit der deutschen Gesellschaft und nie ein Bürgerbewusstsein.““

Weiter erklärt der Neuköllner Migrationsbeauftragte, Arnold Mengelkoch, wie im Rollberg-Viertel durchgegriffen wurde, als die Probleme überhandnahmen:

„“Jeder Angriff wurde angezeigt, egal ob Mädchentreff, Kneipe oder Beratungsstelle, alle machten mit. In den Jugendclub darf heute nur rein, wer seinen Namen nennt und per Handschlag die Regeln akzeptiert.“ Auch an den Schulen gelte „null Toleranz“. „Wir haben das Problem nicht gelöst“, sagt Mengelkoch. „Aber von Kapitulation kann keine Rede sein.“ Die Justiz könne indes noch lernen: „Es dauert immer noch zu lange, bis es zum Prozess kommt. Die Bestrafung muss zeitnah erfolgen, sonst wirkt sie nicht.““ Das Gesetz der Clans (Zeit Online, 12.07.)

Meinungen zum Feld. Der RBB berichtet von Unstimmigkeiten bei der Ausrichtung der Planungen zum Tempelhofer Feld: Wirtschafssenatorin Cornelia Yzer (CDU) hätte gerne eine „Modellstadt für moderne Technologien“ und fordert, dass intensiv für Investoren geworben werden soll. Der RBB interpretiert die Forderung insofern, dass Yzer wohl gerne mehr als nur die aktuell vorgesehene Randbebauung hätte. Dem widerspricht der Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Laut Müller sollen die aktuellen Pläne nicht verändert werden.  (RBB, 14.07.)

Behindert und verrückt feiern. Letzten Samstag fand in Berlin die erste Mad & Disability Pride Parade statt. Ziel der Demonstration war „Barrierefreiheit, Teilhabe, Assistenz, Inklusion und Respekt“ für Menschen mit Behinderungen einzufordern. Startpunkt war der Hermannplatz, das Facetten Magazin berichtet: “Nicht wir sind falsch, sondern die Zustände, unter denen wir leben, sind es”: 1. Pride Parade in Neukölln gestartet (Facetten Magazin, 14.07.)

Ende Gelände. Ab dem 12. August endet die U8 an der Haltestelle Boddinstraße. Schuld ist der U-Bahnhof Leinestraße, der „erhebliche statische Probleme“ aufweist und umfassender saniert werden muss, als zuvor angenommen. Einen speziellen Ersatzverkehr wird es nicht geben, stattdessen soll auf Linienbusse und auf die U7 ausgewichen werden. Die Sperrung kann bis Sommer 2014 andauern. Endstation Boddinstraße (Berliner Zeitung, 17.07.)

Schöner Schrott. In der Hermannstraße gibt es einen kleinen Computerladen, da arbeitet Batman. In seiner Freizeit entwirft Batman aus altem Computerschrott Skulpturen und andere Kunstobjekte, die in seinem Laden ausgestellt werden. Nur dieses Wochende nicht, denn da werden Batman“s Werke im Industriesalon Schöneweide ausgestelltDer Schrott soll leben (Berliner Zeitung, 17.07.)

Raus. In der Loftus Hall wird heute ab 23 Uhr unter dem Motto Loftus Vision aufgelegt. Unter anderem von Yetti Meißner.

 

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