von am 3. Juni 2016

Wochenschau 22/16Immer wieder freitags. Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlungen fürs Wochenende.

A wie Antiziganismus. „Ich habe mit Rassismus wirklich nichts am Hut.“ ABER! Das derzeit weit verbreitete Gedankenwirrwarr hat erneut einen unserer Mitbürger erfasst, wie der Tagesspiegel berichtet. Eine Neuköllner Ladenbesitzerin hat mit einem selbstgemalten Verbotsschild in ihrem Schaufenster, alle Roma aus ihrem Reich verbannen wollen. Natürlich mit dem beliebten Haftungsausschluss: „Dies ist kein ‚Rassismus'“.

Liebe Regenbogenlicht-Ingrid,
auch wenn Du noch so sehr das Gegenteil beteuerst und Rassismus in Anführungszeichen setzt, ändert das nichts an der Tatsache, dass Dein Zettel rassistisch ist (schau doch mal hier). Und das erinnert leider auch ziemlich krass an die Judenverfolgung im Dritten Reich (schau doch mal hier). Und woran genau erkennst Du denn „Roma“? Leute, die klauen nennt man jedenfalls Diebe und nicht Roma.
Dass Dir die Polizei scheinbar nicht weiterhilft, ist natürlich nicht schön. Aber vielleicht solltest Du auch ein bisschen besser auf Deine Kasse achtgeben, wenn Dir jeden Tag Deine Einnahmen gestohlen werden.
Warum solche Aktionen wie Deine richtig scheiße sind, kannst Du in der Dokumentation antiziganistisch motivierter Vorfälle in Berlin 2015 von Amaro Foro e.V. nachlesen, vielleicht öffnet Dir das ein bisschen die Augen.
In diesem Sinne: Das Regenbogenlicht ist bunt und strahlt für alle Menschen. Das gilt auch für Roma. Ein schönes buntes Wochenende wünscht Dir
ein Mensch.

B wie Baumattacke. Apropos Mensch. Der ist in hiesigen Gefielden akut gefährdet von dem einst so friedlebenden Nachbarn Baum. Erst diese Woche stürzte eine Linde in der Weserstraße auf ein ganzes Wohnhaus, begrub ein Auto unter sich und versuchte offenbar einen möglichst hohen Schaden zu verursachen. Die Polizei schließt einen terroristischen Hintergrund nicht aus. Besorgte Bürger haben sich bereits zu einer Bürgerwehr formiert. Ihr Sprecher und eines der zahlreichen Opfer des Anschlags, Florian Stern, fordert im Passauer Bürgerblick „die sofortige Einführung einer Gefährderliste, eine vollumfassende Überwachung der Verbindungsdaten aller Bäume und die sofortige Umsiedlung aller Bäume in das Brandenburger Umland auf eigene Kosten!“.
Dem haben wir nichts hinzuzufügen. Außer ein Bild von F. Stern, das verdeutlicht wie es bald aussieht in Neukölln, wenn gegen die Bäume nichts unternommen wird: dunkel!

Baum, Weserstraße, marode

Dunkeldeutschland, Foto: Florian Stern

C wie Chaos Computer Club. Nein, damit ist nicht die Hacker-Vereinigung gemeint, sondern die Berliner Senatskanzlei. Die hätte sich aber vielleicht besser ein paar Ratschläge von den ebenfalls erwähnten Profis für ihr Projekt „Free WiFi Berlin“ einholen sollen. Der Senat hat aber lieber auf die Profis von Audible, ein US-amerikanisches Subunternehmen von Amazon gesetzt.

Einzigartig in Deutschland“ – das schon. Aber auch einzigartig peinlich in der Umsetzung: Zum Start am 1. Juni 2016 funktionierten die Wlan-Hotspots dem Tagesspiegel zufolge nicht, die Spots sind auf einer Karte unter der Domain www.hoerbucher-blog.de/wifi (!) zu finden und die Hotspots sind so ungleich und mitunter dämlich verteilt, dass man zugleich weinen und lachen muss vor so viel zur Schau gestellter Unfähigkeit und Schamfreiheit der Regierung.

Neukölln hat ganze zwei Wlan-Zugänge – natürlich an den Hauptverkehrsknotenpunkten des Bezirks gelegen: Im Jugendclub Feuerwache, Hannemannstraße 74 und im Jugendclub UFO, Lipschitzallee 2. Kennen Sie nicht? Lustig, wir auch nicht. Aber wir sollten uns nicht beschweren: Ganz Kreuzberg hat kein einziges „WiFi“ bekommen. Hahahahaha! (Sorry, liebe Nachbarn, aber das ist wirklich lustig!)

Eine Frage: Muss man sich aus der Neuköllner Perspektive heraus noch schämen oder kann man sich schon fremdschämen? (Wir befürchten Ersteres.) Ein Ratschlag: Die stadteigene Initiative Freifunk ist glücklicherweise viel weiter als hoerbucher-blog.de. Nutzt derweil einfach deren Angebot.

D wie diese Kinder.

E wie einhundertsechzehn Jahre Tasmania. Gratulation!

Screenshot: SV Tasmania Berlin/Facebook

Screenshot: SV Tasmania Berlin/Facebook

Jetzt mal Schluss mit dem Lexikon-Quatsch. Ein paar Tipps noch und dann ab ins Wochenende!

Mitmachen. Mit Pop-Kultur Nachwuchs födert das Festival Pop-Kultur explizit junge Talente aus allen Bereichen der Musik und Musikwirtschaft mit einem zweitägigen Coachingprogramm. Bewerben könnt Ihr Euch bis zum 20. Juni hier. Eine Fachjury wählt dann bis Anfang Juli unter den Bewerber*innen 250 Talente.

Raus I. Kunst und Kultur gibt es über das ganze Wochenende verteilt beim WE! Festival auf dem Alfred-Scholz-Platz in Neukölln: Urban Art in Zusammenarbeit mit Geflüchteten im C&A-Gebäude, Kunst-Workshops für Kinder und sogar eine eigene Operette. Wir schließen uns dem Thema des „WE!“ an und schlagen vor, statt der  bescheuerten Namensgebung der BVV einen Vorschlag aus der Bevölkerung zu benutzen – zumindest im Sprachgebrauch: Platz der Vielfalt.

Raus II. Der Körnerpark ist 100 Jahre alt. Das ist er zwar schon länger, aber jetzt am Samstag wird bei „Tanz mit Franz“ mit Livemusik gefeiert. „Kommen Sie in Kostüm oder basteln Sie sich vor Ort zeitgemäße Accessoires. Im Marktgeschehen treffen Sie Gaukler, erhalten Kurzanleitungen für Benimmregeln à la Knigge und erfahren unterhaltsame Kiezanekdoten.“

Raus III. Klingt interessant: „Das Projekt ‚Nicht-Orte. Eine theatrale Landkarte Neuköllns‚ führt interessierte Menschen nach der Erarbeitungsphase, d.h. der kreativen Arbeit mit Künstlern und Jugendlichen, durch den Kiez, lässt sie in Form einer theatralen Stadttour durch neu-alte Welten schreiten. Die Zuschauer erleben eine Reise der besonderen Art, die viele Nicht-Orte zu einem Netz aus Lebensinseln spinnt und so zu einem einzig großen Kunstprojekt im öffentlichen Raum wird.“ Los geht’s am 05. Juni 2016 um 15 Uhr (Start: HvH-Schule, Wutzkyallee 68).

 

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