von am 30. Mai 2014

wochenschau_22-14  Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlung fürs Wochenende.

Kuratiert von Sabrina Markutzyk und Dominik Sindern

64,3% Tempelhofer Feld. Das ist das amtliche Endergebnis zum Volksentscheid für den Gesetzentwurf der Initiative 100%THF. Alle Bebauungspläne, wie auch die Erweiterung des islamischen Friedhofs, sind dahin. Bausenator Müller sprach noch am Sonntag im RBB von einem „bitteren Ergebnis“ und kündigte an, dass man nun nach neuen Flächen zum Wohnungsbau suchen werde. Bezirksbürgermeister Buschkowsky reagierte weniger diplomatisch und verurteilte das Abstimmungsergebnis harsch:

„Das Ergebnis (…) ist ein Schlag ins Gesicht für alle diejenigen, die versuchen, das boomende Berlin zu gestalten, seinen Wachstumsprozess behutsam zu steuern (…) Es ist ein Sieg der Partikularinteressen aus dem Sessel über die vor der Tür.“

(…) Es ging nicht darum, ob Menschen Wohnungen brauchen, sondern darum, die Senatskoalition und den Regierenden Bürgermeister zu demontieren. Dafür ging man bis hin zu der dreisten Volksverdummung, dass das Tempelhofer Feld zugebaut oder gar an Spekulanten verhökert werden soll“ (Bild, 26.05)

Neues aus der Anstalt. “Alkohohlbäuche, der Geruch von Rasierwasser, rausgewachsene Haarfarben, billiger Goldschmuck” – die F.A.S.-Autorin Antonia Baum ist im Jobcenter Neukölln, dort hat sie einen Tag im Arbeitszimmer einer Jobvermittlerin verbracht:

“Die Menschen sortieren sich in die Fahrstühle ein, sie fahren zu den für sie zuständigen Stockwerken, und man sieht an ihren nach unten fließenden Gesichtern, dass keiner von ihnen hier sein möchte.

(…) Die Jobcenter-Sprache ist ein undurchdringliches Labyrinth, in dem es zieht. Dieses Labyrinth kann nie im Leben von Menschen erdacht worden sein, denkt man und will raus, raus aus dem kalten und kantigen Sprach-Labyrinth, raus aus dem Zimmer.”

Auch die Jobcenterangestellte beschreibt die Autorin als Gefangene. Eine Gefangene, die nicht raus kommt – raus dem Zimmer, raus aus ihrer Haut – wenn sie mal wieder kaum ein Wort versteht von Klient 27, der da vor ihr sitzt:

“…wahrscheinlich darf sie es sich auch nicht erlauben, zu viel zu verstehen, weil sie sonst irgendwann begraben würde unter der Masse an schweren Leben, die im Sinne des deutschen Staates einfach nicht in Ordnung zu bringen sind; und so geht es weiter, immer weiter, an diesem Tag und nächste Woche und in den Monaten danach.”

Lesen: Es brennt lichterloh! (faz.net, 29.5.14).

Fundstück. Kinderwagen #neukölln Style. #berlin #manufucktur

Wo Neukölln ist, ist vorne. Am 7. Juni werden in Los Angeles die Studenten-Oscars verliehen. Mit dabei: Der Neuköllner Peter Baumann, der für seinen Kurzfilm Border Patrol ausgezeichnet wird. Neuköllner Student räumt den Oscar ab (B.Z., 27.Mai)

Raus. Seit Donnerstag läuft im Moviemento das 9. XPOSED International Queer Short Film Festival. Der Fokus richtet sich dieses Jahr auf Kurzfilme aus den nordischen Ländern. Heute Abend werden die beiden Musikdokus Sounds Queer und DMD KIU LIDT gezeigt. Das Festival läuft noch bis Sonntag. Zum vollständigen Programm.

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