von am 18. April 2014

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Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlung fürs Wochenende.

Ist der Ruf erst ruiniert. Ex-Staatssekretär und Kreisvorsitzender der Neuköllner CDU, Michael Büge, musste Anfang dieses Jahres sein Amt aufgeben, weil er sich (trotz selbst auferlegtem Ultimatum) nicht von der umstrittenen Burschenschaft Gothia distanzieren wollte.  Am Ende ging er nicht selbst, sondern wurde gegangen. Wie die taz nun berichtet, hat Michael Büge inzwischen einen neuen Job gefunden: Geschäftsführer der Bürgerhilfe.

Pikant:

„Die Bürgerhilfe finanziert sich hauptsächlich aus öffentlichen Mitteln – und über deren Höhe entscheidet Büges früherer Arbeitgeber, die Senatsverwaltung für Soziales.“

Noch pikanter: So generös ist man in der Berliner CDU sonst nicht:

„Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte erst kürzlich gezeigt, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, gegen solche Wechsel vorzugehen. Im März wurde bekannt, dass Henkel dem ehemaligen Staatssekretär Ulrich Freise (SPD) den Wechsel in die Geschäftsleitung der Pin Mail AG untersagt. Das Land Berlin ist der mit Abstand größte Kunde des Briefdienstleisters Pin.“

Schneller Wechsel in die Wirtschaft (taz.de, 15.04)

Verschwörungstheorie. Der Infopavillon des Senats am Tempelhofer Feld wurde beschädigt. Solche Attacken gab es in der Vergangenheit des öfteren in der Gegend: auf Immobilienverwaltungen, gegen vermeintliche Gentrifizierer und nun auf die Neubaupläne für das ehemalige Flugfeld. Die Initiative 100% Tempelhofer Feld hat dazu einen besonderen Verdacht:

Schnappschuss_041714_121244_PM„Am Eingang zum Feld steht Frank Angermüller in grasgrüner Jacke, der Leiter der Tempelhofer Gruppe von ‚100 % Prozent Tempelhofer Feld‘, und sagt: ‚Wir haben Angst, dass das unsere Gegner waren, die uns etwas in die Schuhe schieben wollen.'“
Angst vor bestellten Provokateuren (Tagesspiegel.de, 13.04)

Liebe Initiative 100% Tempelhofer Feld (Teil II): Meint ihr nicht, dass ihr euch mit solchen Äußerungen am Ende selbst ins Bein schießt?

Fundstück. Neukölln, deine Dächer

Schwierige Flüchtlingsunterbringung. Neukölln muss Wohnraum für Flüchtlinge schaffen, und zwar dringend. Aber wohin? Tief im Süden? Schwierig, weil Nazis (finden wir) und “bürgerliches Milieu ohne geeignete Infrastruktur für Migranten” (findet die CDU). In Nord-Neukölln? Schwierig, weil “eh schon schwierig” (findet Buschkowsky). Die CDU Neukölln schlug vor einiger Zeit trotzdem Standorte in Nord-Neukölln vor, z.B. das ehemalige C&A-Gebäude oder die unter Denkmalschutz stehende Alte Post in der Karl-Marx-Straße, und entzürnt damit nicht nur den Bürgermeister, sondern auch das Bezirksamt. Das nennt die Vorschläge der CDU Neukölln “völlig unrealistisch” (Berliner Morgenpost, 15.04).

Wo Neukölln ist, ist vorne – Teil 387. Das Jahr ist noch nicht mal in der Mitte angekommen, da haben es einige deutsche Städte schon geschafft, die Grenzwerte für die Feinstaubbelastung der Luft mehrfach zu überschreiten. Neukölln besetzt dabei gleich zwei Plätze auf dem vorderen Rängen: die Feinstaubbelastung in der Silbersteinstraße lag schon 33 mal über dem erlaubten Grenzwert – das ist bundesweit spitze – , die Karl-Marx-Straße schafft es mit 30 gemessenen Überschreitungen auf Platz 4 der unrühmlichen Liste. Pro Jahr erlaubt die EU-Verordnung 35 Überschreitungen.

Raus. Bei Savvy Contemporary findet am Samstag ein Spoken Word Abend auf Englisch, Deutsch und Kiswahili statt: eine Mischung aus Poesie, Musik, Storytelling, Beatbox und Rap. Mit Ogutu Muraya, Dembede Mido aka Checkmate Mido und Josephine Berkholz. Ab 19 Uhr. 

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