von am 10. April 2015

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Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Themen der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlung fürs Wochenende.

Heinz und Horst sind zwei veraltete deutsche Männernamen – sie waren schick in einer Zeit, als Burchenschaftler noch angesagt waren und die Menschen Türme für Bismarck bauten. Nun können Heinz Buschkowsky und Horst Krause nichts für ihre Vornamen – allerdings zeigten Neuköllns baldiger Ex-Bürgermeister wie auch der Schauspieler vor Kurzem, dass sie selbst nicht ganz auf der Höhe der Zeit sind.

Heinz Horst

Könnten sie nicht Brüder sein? Politiker Heinz Buschkowsky und Schauspieler Horst Krause v. l. n. r.


Buschkowsky hat es diesmal nicht mit vermeintlich integrationsunwilligen Ausländern, sondern mosert über junge Unternehmer in Neukölln; das Ganze in einem
Interview für das Berlin-Buch des Autors Peter Schneider. Die Buschkowsky-Sicht: Die jungen Kreativen in Neukölln seien erst ernst zu nehmen, wenn sie im Kiez als waschechte Biedermeier aufträten, sprich Familien gründeten und für ewig hier sesshaft würden. Solange dies nicht der Fall sei, wäre deren Zuzug nur ein „Feuerwerk“.

Schauspieler Horst Krause, den meisten wohl bekannt als Hilfscop gleichen Namens im Polizeiruf der ARD, hat dagegen die übliche Neukölln-Angst: „Ich bin für Toleranz, aber gegen Vergewaltigung. Wenn ich in Neukölln rumlaufe…“ – Man kennt den Rest. In einem Interview mit der Osnabrücker Zeitung muss Neukölln mal wieder als Beispiel für eine schädliche Unterwanderung der deutschen Leitkultur herhalten. Auch Krause träumt im Interview von den guten alten Biedermeierzeiten. Das Krause-Ideal: Jugendliche sollen sich wieder mit Liebesgedichten von Heinrich Heine näher kommen. Der Dichter hätte heute diesem Horst wohl mitgegeben: „Denke ich an Deutschland in der Nacht…..“

Zahlen pro Matratze nicht pro Wohnung, müssen Roma, die in Neukölln leben, erläutert Franziska Giffey. In einem Interview mit dem Radio Berlin Brandenburg berichtet Neuköllns Bürgermeisterin in spe, dass die meisten Roma und Sinti im Viertel in „Schrottimmobilien“ hausen müssen und von den Vermietern ausgebeutet werden. Leider fehlt zur deutlichen Problemanalyse die zupackende Politik. Von der Moderatorin gefragt, was der Bezirk dagegen unternehme, kommt die Politiker-Standardfloskel „wir können dagegen nur begrenzt vorgehen“; man mache aber viel zur Information und Aufklärung der Betroffenen, beispielsweise was ihre Rechte angehe.

Fundstück zum Stand der Gentrifizierung.


Die Müll-Archäologin von Neukölln
heißt Eva Becker. Die studierte Historikerin interessiert sich mehr dafür, was man aus den Hinterlassenschaften unserer Zeit lesen kann, als für die Vergangenheit. Auf ihrem Blog Müll-Archäelogie: Spurensuche im Alltag schließt sie über weggeworfene Cola-Büchsen, Kleiderreste & Co auf die demografischen Entwicklungen im Kiez. npr Berlin hat die Künstlerin getroffen und einen hörenswerten Beitrag produziert.

Aufreger der Woche auf neukoellner.net war die Beseitigung der so genannten Baumscheiben durch den Bezirk. Die Kommentare dazu auf unserer Fackebook-Seite zeigen, dass sich SPD und CDU damit wohl einen Bärendienst erwiesen haben, wenn es um ihre Beliebtheitswerte bei den Neuköllnern geht…

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Vorher schön sitzen, jetzt schön in den Hundehaufen treten.


Raus I.
Am Sonntag um 13 Uhr startet eine Demo für Schwulen- und Lesben-Rechte am Eingang Columbiadamm des Tempelhofer Felds. Motto: „Wir haben das Recht so zu leben, wie wir sind!“. Organisiert hat die Demonstration Nasser – er hatte vor wenigen Wochen seine Eltern vor Gericht gebracht, weil sie ihn verschleppt hatten und zwangsverheiraten wollten.

Raus II. Wer am Freitag Bierdurst hat und mal anderes als seine Kiez-Spelunke ausprobieren möchte: Die IPA-Bar auf der Karl-Marx-Straße 195 eröffnet am Freitag, 20 Uhr. Laut dem Blog lieblingsbiere gibt es dort dann „mehr als hundert India Pale Ales aus der Flasche, nebst musikalischem Rahmenprogramm.“

Raus III. Nicht nur MIA lässt die Moleküle tanzen; angeblich auch die Schweizer Jazz-Band AKKU Quintet. Das erste Konzert auf deutschem Boden findet am Samstag im Café Fincan, Altenbraker Straße 26, ab 20 Uhr statt.

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