von am 13. April 2012

Immer wieder freitags: Geschichten vom Neukoellner Tellerrand und darüber hinaus. An dieser Stelle präsentieren wir die Links der Woche – was wir noch sagen wollten, was die Anderen so machen und unsere Empfehlungen fürs Wochenende.

Im März berichteten wir über eine Studie des Forschungsinstituts TOPOS im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über Gentrifizierung in Neukölln (gibts hier als pdf). Kernaussage: In Neukölln ist bisher trotz steigender Mieten noch keine Gentrifizierung im wissenschaftlichen Sinn zu erkennen. Dieser Studie hat sich nun auch der Blog NK44, der sich vor allem mit dem Thema Gentrifizierung im Schillerkiez beschäftigt, angenommen. In dem Beitrag Pioniere im Schillerkiez wird kritisiert, dass die Studie einen falschen Eindruck vermittle, da die Mieten gerade im Schillerkiez besonders stark anstiegen. Viele Bewohner, die auf Hartz4 angewiesen seien, würden deshalb bald Probleme bekommen, wenn der maximale Beitrag zu den Kosten der Unterkunft (KdU) nicht mehr für ihre Miete ausreiche. Den betroffenen Bewohnern bliebe dann nur noch die Option, aus ihrem Regelsatz die Differenz zu begleichen oder sich eine neue Wohnung zu suchen.

Die Fakten dazu: Aktuell beziehen über 40% der Bewohner des Schillerkiezes Transferleistungen. Nach den Zahlen der Topos-Studie steigen die Mieten im Schillerkiez nach Modernisierungen im Schnitt um 10%. Zusätzlich wurden in den vergangenen drei Jahren für 40% aller Wohnungen im Schillerkiez Mieterhöhungen veranlasst, die nicht im Zusammenhang mit Modernisierugnsmaßnahmen standen.

Leider zieht der Autor des Beitrags die falschen Schlüsse aus dieser Entwicklung und verliert sich trotz der zutreffenden Analyse in einer polemischen Rethorik. Da wird von einem „Kultur-Kampf“ berichtet, der mit der Gentrifizierung einhergehen soll. Anstatt zu fragen, wieso die Politik nicht ihre Mittel ausschöpft, um Verdrängungssprozesse einzuschränken oder die rücksichtslose Profitorientierung zu kritisieren, werden lieber Gräben in der Gesellschaft – zwischen Hartz4-Beziehern, Studenten und Künstlern, und Touristen und Besserverdienenden – ausgehoben. Dies gipfelt  in der Aufforderung zur Gewalt gegenüber Touristen am Ende des Artikels:

„Da ist doch geradezu unvernünftig, wer nicht unerlaubterweise zusätzliche Gelder auftreibt, sei es durch Schwarzarbeit oder durch Überfälle auf Touristen, die glauben, hier unbehelligt ausgehen zu können.“

Mit solchen Schlussfolgerungen ist niemandem geholfen, sie schüren lediglich Fremdenhass.

Apropos: Gegen Fremdenhass, genauer gegen Nazis, wird heute ab 17:30 Uhr demonstriert! Gestartet wird am U-Bahnhof Lipschitzallee, alle weiteren Infos gibt es hier. Wie der Tagesspiegel berichtet, plant die NPD offenbar eine eigene Gegen-Demonstration in Britz. Also kommt zahlreich zum Bahnhof Lipschitzallee!

Wir sehen uns auf der Anti-Nazi-Demo und vielleicht danach in der Laika? Dort gastiert heute Abend ab 20 Uhr der Great!Magic!Songwriting!Circus!:

Noch ein Nachtrag zur Wochenschau #14/12: Der Spiegelartikel über die Roma, die in die Harzer Straße gezogen sind, ist beim .

 

Ein Kommentar:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.